APA-OTS Politikportalanalyse: Chefsuche als Chefsache?

Innsbruck/Wien (OTS) - Das Innsbrucker MediaWatch Institut
erstellt im Auftrag von APA-OTS wöchentlich ein Top-30 Ranking der meist genannten PolitikerInnen in den österreichischen Tageszeitungen. Im aktuellen Untersuchungszeitraum (1. bis 7. Juni 2007) findet sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wiederum auf Platz eins. Sozialminister Erwin Buchinger belegt den zweiten Rang, gefolgt von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein auf Platz drei.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (323 Nennungen) positioniert sich in der aktuellen Untersuchungswoche vor allem mit der Diskussion um die Nachfolge von Staatsoperndirektor Ioan Holender in den Medien. Zwischen dem Kanzler und der zuständigen Kulturministerin Claudia Schmied (Rang fünf, 226 Nennungen) gab es diesbezüglich Auffassungsunterschiede. Viele Medien betonten, dass sich bisher noch kein Regierungschef so sehr involviert hätte wie Gusenbauer, der bis zuletzt versucht hatte, seinen Freund Neil Shicoff als neuen Staatsopernchef durchzusetzen. Schmied hatte aber immer betont: "Die Entscheidung treffe ich." Und die Ministerin setzte sich gegenüber ihrem Parteikollegen letztendlich durch: Am Mittwoch gab sie bekannt, dass Dominique Meyer ab 2010 Staatsoperndirektor sein wird, Franz Welser-Möst wird Musikdirektor. Gusenbauer kommentierte das nur knapp und meinte, Meyer sei eine "interessante Wahl".

Ein beherrschendes Thema in der medialen Berichterstattung dieser Woche stellte außerdem die Auseinandersetzung um die Finanzierung der Pflege zwischen Bund und Ländern auf der einen und ÖVP und SPÖ auf der anderen Seite dar. Sozialminister Erwin Buchinger (320 Nennungen) hatte ein 60:40 Modell zwischen Bund und Ländern zur Finanzierung der 24-Stunden Pflege zuhause vorgeschlagen. Die Länder versagten dem Sozialminister aber die Unterstützung, dieser zeigte sich "enttäuscht" und kündigte daraufhin an, dass der Bund bis Jahresende zur Gänze für die Kosten der 24-Stunden Pflege zuhause aufkommen werde. Damit ist aber Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (234 Nennungen) nicht einverstanden: Die Lösung von Buchinger "greife zu kurz." Die ÖVP möchte die mit Juni auslaufende Amnestieregel für ausländische Pflegekräfte bis Ende 2007 verlängern und fasste einen entsprechenden Beschluss im Parlamentsklub. Buchinger reagierte verärgert, er ist gegen eine Verlängerung der Amnestie, sein Modell schaffe "klare Verhältnisse".

In den Top-Five des Rankings findet sich neben Claudia Schmied außerdem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (Neueinstieg auf Rang vier mit 230 Nennungen). In dem in dieser Woche von SPÖ und ÖVP beschlossenen Wahlrecht sieht er einen "demokratischen Rückschritt" und eine "Husch-Pfusch-Aktion", weshalb die FPÖ dem Paket nicht zustimmte. Auch die Wahl der Volksanwälte fand keine Zustimmung der FPÖ, Strache ortete einen "Verfassungsbruch", weil die Freiheitlichen keinen eigenen Kandidaten nominieren durften. Laut Gesetz haben die drei mandatsstärksten Parteien im Parlament das Recht, je einen Volksanwalt zu stellen. Grüne und FPÖ haben nach der letzten Nationalratswahl zwar gleich viele Mandate, die Grünen bekamen aber um rund 500 Stimmen mehr als die FPÖ. Daraufhin beschloss Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (Rang 27, 56 Nennungen), den Grünen stehe der Posten des dritten Volksanwaltes zu. Wie erwartet wurden Peter Kostelka (SPÖ), Maria Fekter, ÖVP (Neueinstieg auf Rang 21 mit 70 Nennungen) und Terezija Stoisits, Grüne (Neueinstieg auf Rang 25 mit 60 Nennungen) für die nächsten sechs Jahre als Volksanwälte bestellt. Die FPÖ zog während der Wahl aus Protest aus dem Plenarsaal aus.

Weitere Neueinstiege in das Top-30 Politikerranking unter anderem:
Wolfgang Schüssel, ÖVP (Rang zehn, 117 Nennungen), Renate Brauner, SPÖ (Rang elf, 102 Nennungen), Franz Voves, SPÖ (Rang 16, 88 Nennungen) und Fritz Neugebauer, ÖVP (Rang 19, 74 Nennungen).

Die ÖVP kann sich diese Woche mit 14 VertreterInnen im Ranking positionieren, die SPÖ stellt elf PolitikerInnen, das BZÖ zwei. Grüne und FPÖ nehmen jeweils eine Position ein. Bundespräsident Heinz Fischer findet sich mit 76 Nennungen auf Platz 18.

MediaWatch analysiert im Auftrag von APA-OTS die Präsenz österreichischer Politiker in der Berichterstattung der heimischen Tageszeitungen. Das wöchentlich aktualisierte Ranking ist über das OTS-Politikerportal http://www.politikportal.at kostenlos abrufbar.

Die kompletten Daten und alle bisherigen Analysen sind über den kostenpflichtigen Service http://www.defacto.at erhältlich (Download über den Link "Alle Analysen" am unteren Ende des Rankings).

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