ÖAMTC: Feinjustierung - Mehrphasen-Fahrausbildung läuft gut, kleine Mängel stecken im Detail

Unfallzahlen gehen weiter zurück: 2006 gab es halb so viele Tote bei Unfällen mit Fahranfängern wie 2002

Wien (OTS) - "Zwischen dem dritten und dem neunten Monat nach der Führerschein-Prüfung passieren die meisten Unfälle, wie wir aus der Praxis und der Statistik wissen", sagt ÖAMTC-Fahrsicherheitsexperte Franz Fabian. Um dem Unfallrisiko entgegen zu wirken, ist aus diesem Grund in der Mehrphasen-Fahrausbildung (seit 1. Jänner 2003) ein Fahrsicherheitstraining genau in diesem Zeitraum vorgeschrieben. "Es gibt keine Maßnahme, die europaweit so gegriffen hat, wie die Einführung der Mehrphasen-Fahrausbildung in Österreich", bilanziert Fabian. 2002 waren Führerschein-Neulinge als Pkw- und Motorradlenker an 7.793 Unfällen beteiligt, 2006 waren es mit 6.565 Unfällen um 15,7 Prozent weniger (ÖAMTC-Berechnung, Basisdaten Statistik Austria). Mit 170 Getöteten gab es 2002 einen traurigen Rekord bei Unfällen mit Führerschein-Neulingen als Lenker, im Vorjahr starben 83 - die Opferzahl hat sich somit halbiert.

Die Unfallzahlen 2006 zeigen, dass Führerschein-Neulinge, die ihre "Mehrphase" noch nicht abgeschlossen haben, mehr Unfälle haben als die Absolventen. Fabian: "Was wieder einmal beweist, dass das Modell gut funktioniert. Eine Feinjustierung ist aber trotzdem notwendig. Das Frühwarnsystem gehört verbessert, damit die Führerschein-Neulinge die Stufen zeitgerecht absolvieren. Und die Qualität der Trainings muss bei allen Anbietern gewährleistet sein."

Führerschein-Neulinge müssen Fahrsicherheitstraining zeitgerecht absolvieren

Derzeit kommen nur 56 Prozent der Führerschein-Neulinge innerhalb der Frist zum Fahrsicherheitstraining. Dass so viele Jugendliche noch säumig sind, ist nach Ansicht des ÖAMTC-Experten auf drei Gründe zurückzuführen: "Erstens auf Bequemlichkeit, zweitens auf Vergesslichkeit und drittens mangelt es auch oft an der nötigen Information", sagt Fabian. Dazu ist es notwendig, für jeden Führerschein-Jahrgang intensiv Bewusstseinsbildung zu betreiben. Vor allem das Gefahrenbewusstsein der jungen Autofahrer soll durch das Fahrsicherheitstraining gestärkt werden.

Da ein Versäumnis der Fristen außerdem bis zur Entziehung der Lenkerberechtigung führen kann, sollte man im eigenen Interesse so bald wie möglich die vorgeschriebenen Ausbildungsphasen absolvieren. "Würden die Behörden den Führerschein-Neuling bereits zu einem früheren Datum erinnern, könnte man dieser Säumigkeit entgegenwirken", hält Fabian fest. Die derzeitige Praxis:

  • Die erste Erinnerung erfolgt nach zwölf Monaten (für Klasse B und L17 B). Das ist eine Verständigung, in der auch eine Nachfrist gegeben und die Androhung der Verlängerung der Probezeit und Entziehung der Lenkerberechtigung ausgesprochen wird. Für die Klasse A (hier gibt es keine erste Feedbackfahrt) erfolgt das Schreiben drei Monate früher.
  • Nach 16 Monaten erfolgt die zweite Erinnerung (für Klasse B und L17 B, für Klasse A nach 13 Monaten). Hier wird die Anordnung gegeben, die fehlenden Ausbildungsschritte nachzuholen und die Probezeit verlängert.
  • 20 Monaten nach Führerscheinerhalt (für Klasse B und L17 B, für Klasse A nach 17 Monaten) wird die Lenkerberechtigung entzogen, bis die fehlenden Stufen absolviert sind.

"Um das Problem der Säumigkeit in den Griff zu bekommen, schlägt der ÖAMTC ein echtes Frühwarnsystem vor", sagt Club-Experte Fabian. Die Behörde soll bereits vier bis sechs Monate nach Führerscheinerwerb die erste Erinnerung schreiben, wenn die erste Perfektionsfahrt (die zwischen zwei und vier Monaten nach erfolgreicher Führerscheinprüfung erfolgen muss) noch ausständig ist. "Das erreicht vor allem diejenigen, die es einfach vergessen", so Fabian weiter. "Vom System her ist das keine Erschwernis für die Behörde, die Schreiben werden automatisch erstellt, man müsste nur den 'Kalender' umstellen."

Der ÖAMTC bietet diesen Service und verschickt an die Fahrschüler seiner 143 Partner-Fahrschulen österreichweit ein Erinnerungsmail.

Qualität der Mehrphasen-Trainings muss bei allen Anbietern gewährleistet sein

Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. "Leider gibt es Fälle, wo die maximale Gruppengröße von zwölf Personen überschritten wird oder die Trainings deutlich kürzer als vorgeschrieben sind. Das gefährdet den Lernerfolg natürlich massiv", kritisiert Fabian. "Die qualitativen Mindestvoraussetzungen müssen bei jedem Kurs erfüllt sein, außerdem soll der Inhalt pädagogisch und methodisch 'geschickt' vermittelt werden". Der ÖAMTC befürwortet eine einheitliche Qualitätssicherung des Mehrphasen-Kursangebots, damit alle Führerschein-Neulinge dieselben Bedingungen geboten bekommen.

Beim ÖAMTC gibt es mehr als Mindestmaß und noch dazu Fahrspaß: "Es kommt nicht nur darauf an, dass man ein Fahrsicherheitstraining macht, sondern auch wie und wo man es macht. Für den ÖAMTC mit seiner über 20-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet ist die Qualität der Ausbildung oberstes Gebot", hält Fabian fest. Jeden Tag gibt es in den neun ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren durchschnittlich elf Mehrphasen-Kurse, im Jahr 2006 haben mehr als 44.000 Führerschein-Neulinge beim ÖAMTC trainiert.

Nähere Infos zum Mehrphasen-Fahrsicherheitstraining beim ÖAMTC gibt es unter www.oeamtc.at/fahrsicherheit. Dort kann man die Kurse mit dem Check-in-Button auch bequem direkt online buchen.

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