Generation 45+: Chancen und Herausforderungen am Arbeitsmarkt

Territoriale Beschäftigungspakte formulieren Strategien im "Grünbuch Ältere"

Wien (OTS) - Die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen (55 - 64 Jahre) in Österreich ist mit 28 % im Vergleich zum EU-Durchschnitt (41 %) gering. Bis zum Jahr 2010 soll die Erwerbsquote in dieser Altersgruppe lt. Lissabon-Ziel der Europäischen Kommission auf 50 % steigen. Aktives Handeln ist also dringend gefordert. Doch was sind die Hemmschuhe, die ältere ArbeitnehmerInnen für die Wirtschaft unattraktiv machen? Seit Anfang Juni liegen Ergebnisse des vom BMWA und dem europäischen Sozialfonds finanzierten EU-Projektes "TEP_EQUAL_ELDERLY" (www.elderly.at) vor. Im "Grünbuch Ältere" haben SozialforscherInnen gemeinsam mit den Territorialen Beschäftigungspakten aller Bundesländer die Lage der Generation 45+ analysiert und Lösungsstrategien für einen generationengerechten Arbeitsmarkt formuliert. Bei Wiener KMUs läuft bereits ein konkretes Projekt um Ältere langfristig und nachhaltig im Arbeitsprozess zu halten.

Betrachtet man die demografischen Entwicklungen in Österreich, wird klar, dass das Altersgefüge der Gesellschaft stark im Umbruch ist. Besonders deutlich wird die Veränderung am Arbeitsmarkt: Bereits heute setzt sich die Hälfte der Gesamterwerbstätigen aus Menschen über 40 Jahren zusammen. Bis 2030 wird jede dritte Person älter als 60 Jahre sein.

Wirtschaftlicher Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit werden in Zukunft immer stärker von der Bereitschaft der Unternehmen abhängig sein, ihre Personalplanung an die demografischen Herausforderungen anzupassen.

"Die demografischen Entwicklungen werden auf dem Arbeitsmarkt noch nicht ausreichend berücksichtigt", stellt TEP_EQUAL_ELDERLY-Projektleiter Mag. Wolfgang Michalek vom Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) fest, "und zwar weder auf Ebene der UnternehmerInnen noch der Politik."

Grünbuch Ältere - Strategien für einen generationengerechten Arbeitsmarkt

Im Herbst 2005 schlossen sich die Territorialen Beschäftigungspakte (TEPs) aller Bundesländer zur Initiative TEP_EQUAL_ELDERLY zusammen, um gemeinsam Lösungen und Verbesserungen für die Zielgruppe der Älteren in der jeweiligen Region zu entwickeln.

Im Zuge der Erstellung des "Grünbuch Ältere" als Kernstück dieser Initiative wurden in gebündelter und aufeinander abgestimmter Form regionale Handlungsoptionen entwickelt, die bereits in die Umsetzung von bestehenden Maßnahmen einflossen. Als Vision wurde ein "generationengerechter, Erfahrungswissen wertschätzender Arbeitsmarkt der Zukunft" definiert, der durch sozial abgesichertes Altern und lebensphasenorientierte Aus- und Weiterbildung geschaffen werden soll.

127 Beispiele für Gestaltungsmöglichkeiten der regionalen TEPs (siehe Pressemappe) wurden in der "Pakte-Strategie" formuliert, die zusammengefasst in vier Empfehlungen die Verwirklichung der Vision ermöglichen sollen:

  • Entwicklung eines neuen gesellschaftlichen Verständnisses von der Erwerbstätigkeit der Älteren
  • Schaffung eines generationengerechten flexiblen Arbeitsmarktes
  • Laufende lebensbegleitende generationengerechte Personalentwicklung in Unternehmen
  • Generationenübergreifende, alternsgerechte Weiterbildungsangebote

Wiener KMUs als Vorreiter

Konkrete Maßnahmen wurden bereits angegangen: So hat das Institut für humanökologische Unternehmensführung (IBG) unter dem Titel "Erfahrung hat Zukunft" bei 14 Wiener KMUs Analysen und Maßnahmen für ein generationengerechtes Unternehmen initiiert. Ziel war es, individuelle Lösungsmodelle zu erarbeiten, um die Generation 45+ optimal in den Arbeitsprozess zu integrieren.

Dazu die Leiterin des Instituts, Dr.in Irene Kloimüller: "Älter werden stellt keinen Abbau, sondern einen qualitativen Umbauprozess dar. Ältere Arbeitskräfte sind gleichwertig, aber nicht gleich. Veränderte Arbeitsanforderungen müssen daher durch angepasste Arbeitszeiten, ergonomische Arbeitsplätze und neue, den Erfahrungen entsprechende Aufgaben ausgeglichen werden."

Die Motivation der 14 UnternehmerInnen für die Teilnahme am Projekt lag u.a. an Faktoren wie einer bevorstehenden Betriebsübergabe, der Motivation und Bindung älterer ArbeitnehmerInnen oder der allgemeinen Förderung der Arbeitszufriedenheit und Gesundheit der MitarbeiterInnen.

Sonja Russ, Gesellschafterin der REMAPrint GesmbH hat mit ihren MitarbeiterInnen das Projekt durchlaufen. Für sie stand das Thema Wissensmanagement im Vordergrund. Ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile sind das Ergebnis aus der Beratung im Rahmen von "Erfahrung hat Zukunft": "Wir haben ein Setting geschaffen, das es ermöglicht, dass die MitarbeiterInnen in der Druckvorstufe in regelmäßigen, strukturierten Teambesprechungen ihr Wissen und ihre "Learnings" aus aktuellen Geschehnissen bzw. Fehlern weitergeben. Das hilft uns Doppelgleisigkeiten zu vermeiden."

Projektleiter Mag. Wolfgang Michalek vom ZSI abschießend: "Wichtig war uns die Frage, welche Maßnahmen regional sinnvoll umzusetzen sind, um adäquat den demografischen Veränderungen zu begegnen. Mit dem Grünbuch haben wir regionale Handlungsoptionen aufgezeigt. Die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen in den Regionen - wie das Projekt "Erfahrung hat Zukunft" beweist - ist ein wichtiger Schritt zum generationengerechten Arbeitsmarkt in Österreich."

Informationen zum ZSI

Das ZSI (www.zsi.at) ist ein sozialwissenschaftliches Institut, das durch innovativen Einsatz von Forschung, Bildung und Beratung bestehende Lücken zwischen Bedürfnissen und Potenzialen der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft schließt. Auf Grund systematischer Verbindung von Wissenschaft und Anwendung erfüllt das ZSI fach- und sektorenübergreifende Schnittstellenfunktionen.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Wolfgang Michalek,
ZSI - Zentrum für Soziale Innovation
Tel. 01/495 04 42-47
michalek@zsi.at

oder
Agentur comm*in
Mag.a Andrea Pfennigbauer
office@commin.at
Tel. 01/3194101-15

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0010