"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ohne Schlussoffensive wird die Euro 2008 ein Eigentor" (Von Martin Link)

Ausgabe vom 04.06.2007

Graz (OTS) - Die Aussichten nach zwei Sommerkicks der österreichischen Fußball-Nationalelf sind ausgesprochen trist und lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Das Team wäre ohne jede Chance, müsste es sich auf herkömmlichem Weg für die Euro 2008 qualifizieren. Da ist es ein Glück für die Kicker, dass das Veranstalterland als Fixstarter einläuft. So hat das Turnier wenigstens einen Punktelieferanten.

Damit ist die Auflistung der Glückskinder aber auch schon zu Ende:
Denn knapp ein Jahr vor dem Auftakt zum europäischen Fußballereignis stehen auch die Verantwortlichen auf politischer Ebene und die Organisatoren unter Dopingverdacht: Bei den unerlaubten Mitteln muss es sich diesfalls aber um eine Mischung aus Valium und Rohypnol handeln. Anders lässt es sich kaum erklären, wie die nichtsportlichen Krisenanzeichen im Vorfeld der Großveranstaltung so beharrlich ignoriert werden können.

Da hängt bei einem offiziellen Länderspiel ein klar antisemitisches Plakat - und niemand, niemand auf der Ehren- und VIP-Tribüne fühlt sich zuständig, um die Entfernung dieses Schandmals anzuordnen.

Auch fragt niemand nach, wie es überhaupt gelingen konnte, das Riesentransparent in das Stadion zu bringen.

Polizei und Sicherheitsdienst spielen sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu - und der Innenminister ergeht sich seit Monaten in verfassungsrechtlich bedenklichen Erwägungen einer Präventivhaft für amtsbekannte Fußballrowdys.

Auf der Westtribüne des Hanappi-Stadions, die den Kapitän der Nationalmannschaft nicht wegen seiner schwachen Leistung, sondern wegen eines Vereinswechsel ausgebuht hat, ist reichlich Anschauungsmaterial für den Innenminister. Sehr erstaunlich, dass die Hooligans auch noch ein Jahr vor der Euro an der Polizei vorbei überhaupt ins Stadion eingelassen wurden.

Und sonst? Nichts, was erkennen ließe, dass sich das offizielle Fußball-Österreich darauf vorbereiten würde, diese Plattform zu nützen. Viel eher gewinnt man den Eindruck, als versuchte man, die Euro 2008 wie den Zwangsbesuch der Schwiegermutter irgendwie über die Bühne zu bringen.

Wie sich die Bilder gleichen: ÖFB-Funktionäre und Sportpolitiker gehen mit der Chance Europameisterschaft so um, wie die Nationalmannschaft spielt - behäbig und langsam, mit technischen Mängeln und taktischen Fehlern, lustlos und ohne Elan, am liebsten in Abseitsposition.

Die Prognose ist nicht schwer: Wenn das so bleibt, wird die Euro 2008 ein Eigentor. ****

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