WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.6.2007: Scharinger handelt, während andere nur reden - von Arne Johannsen

Eine positive Initiative, weil sie gegensätzliche Pole verbindet

Wien (OTS) - Katastrophe. Drama. Der Anfang vom Ende. Geht es um
den Einstieg ausländischer Investoren bei heimischen Betrieben, nimmt die Diskussion leicht apokalyptische Züge an. Zuletzt bei der geplanten Böhler-Übernahme durch den britischen CVC-Fonds. Her mit einem österreichischen Kernaktionär, der die Zukunft der Arbeitsplätze in Österreich sichert, schallte es damals aus vielen Mündern, vom Bundeskanzler Alfred Gusenbauer abwärts.
Dann kam der Retter Voest und der Anlass zum Handeln war weg. Damit konnten sich die Helden des grossen Wortes wieder bequem zurücklehnen. Bis auf einen: Oberösterreichs Landeskaiser Ludwig Scharinger hat in die Hand genommen, was viele nur im Mund führten die Schaffung eines Fonds, der sich, ausgestattet mit reichlich Geld, als heimischer Kernaktionär an österreichischen Unternehmen beteiligt. Taten statt Worte, das verdient Lob.
Doch ganz ungetrübt ist der Beifall nicht, schliesslich sind Soll und Haben in dieser Diskussion nicht so leicht zuzuordnen wie bei der Erstellung einer Bilanz. Kein Ausverkauf der heimischen Industrie klingt zwar gut, ist aber doppelzüngig. Österreichs Unternehmen, allen voran die Banken, haben in Osteuropa alles aufgekauft, was nicht doppelt festgeschraubt war. Die meisten dieser Unternehmen erwirtschaften mittlerweile die Hälfte ihrer Gewinne im Ausland, was im Inland tausende Jobs sichert.
Kaum ein anderes Land hat von der Internationalisierung so profitiert wie Österreich. Kaum ein anderes Land verdankt so viele Jobs und so viel Wohlstand der schlauen Strategie zahlreicher Unternehmen, über die Grenzen zu gehen. Die Forderung Österreich den Österreichern klingt da reichlich skurril.
Umgekehrt müssen auch überzeugte Neoliberale zugeben, dass ein Standort davon profitiert, möglichst viele Konzern-Zentralen im Land zu haben. In deren Umkreis entstehen zusätzliche Arbeitsplätze und werden auch seltener Jobs abgebaut. Jeder Manager schliesst lieber Werke am anderen Ende der Welt als im eigenen Land. Und dass viele Finanzinvestoren eher kurz- als langfristig denken, lässt sich nicht ernsthaft bestreiten.
Die Initiative Ludwig Scharingers ist daher zu begrüssen. Sie bündelt heimische Finanz-Power und verschliesst sich auch ausländischen Investoren ausdrücklich nicht. Scharingers Weg verbindet damit zwei bisher gegensätzliche Pole und überwindet auch Grenzen im Kopf. Viel mehr kann man mit einem neuen Finanzinstrument nicht erreichen.

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