"profil": Staatsoper: Orchester-Betriebsrat droht mit Streik

Polit-Kampf um Holender-Nachfolge zwischen Gusenbauer und Schmied

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, droht das Orchester der Wiener Staatsoper mit Streik. Die Musiker mussten in den vergangenen zehn Jahren einen Reallohnverlust von bis zu 14 % hinnehmen. Nun stehen erneut Lohnverhandlungen an, und Betriebsrat Michael Bladerer fordert 5,9 % Erhöhung. "Ich habe keine Angst vor einem Streik. Während die Auslastung der Oper ständig steigt, sind unsere Gehälter eingefroren. Das Spielchen hat jetzt ein Ende. Wenn man uns nicht entsprechend entgegen kommt, wird der Vorhang unten bleiben." Holding-Chef Georg Springer war in der heiklen Causa zu keiner Stellungnahme bereit.

Staatsoperdirektor Ioan Holender verhandelt hingegen unabhängig von den aktuellen Lohnverhandlungen mit dem Orchester ein neues Gehaltsschema aus. "Das Gehalt der Mitglieder des Staatsopernorchester liegt unter dem Niveau anderer Opernorchester -dafür aber stehen die Musiker auch weniger zur Verfügung", so Holender gegenüber "profil", der das neue Gehaltsschema mit einer Änderung des Dienstrechts verknüpfen will. "Ziel ist, dass möglichst jene Musiker, die bei den Proben waren, auch die Vorstellung spielen. Wenn bei einer Vorstellung nur 30 % der Musiker, die bei den Proben spielen, auch im Graben sitzen, ist das sinnlos."

Haben die Philharmoniker aufgrund der niedrigen Gehälter bereits überlegt, sich als Staatsopernorchester aus der Oper zurückzuziehen, warnt nun auch Holender vor dem Scheitern der jahrzehntelangen Zusammenarbeit: "Dann wird man überlegen, ein eigenes Staatsopernorchester zu gründen. Das wäre durchaus machbar, doch das außerordentliche musikalische Niveau nicht mehr haltbar", betont Holender im "profil"-Interview.

Ministerin Claudia Schmied ist zu überhaupt keiner Stellungnahme in Sachen Staatsoper bereit. Am 13. Juni will sie ihre Entscheidung, wer Holender nachfolgen soll, im Rahmen der Staatsoper-Aufsichtsratssitzung bekannt geben. Bis dato hat Schmied insgesamt 30 Kandidaten zum Gespräch gebeten. Während Kanzler Alfred Gusenbauer weiterhin den US-Tenor Neil Shicoff favorisiert, sucht Schmied nach einem eigenen Gegenkandidaten. Zur Zeit dürfte Dirigent Franz Welser-Möst gute Chancen auf die Holender-Nachfolge haben, auch Pamela Rosenberg, die Intendantin der Berliner Philharmoniker, sprach unlängst mit Schmied über das Haus am Ring.

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