Andreas Unterbergers Tagebuch

Es wird brutal

Wien (OTS) - Es wird brutal

Fast muss man über die Entrüstung lachen, mit der vom ORF bis zu den Boulevard-Zeitungen derzeit Anhänger des Fußballklubs Rapid kritisiert werden. Diese hatten den Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft verhöhnt und beschimpft (weil er ihre grün-weiße Kirche verlassen hat).

Es sind aber zufällig die selben Medien, die jahrelang jene militanten Fußballanhänger als treue Helden, als "spielentscheidenden zwölften Mann" in den Himmel gehoben haben - solange nur bloß die jeweiligen Gegner eingeschüchtert wurden. Die Rapid-Spieler haben sich vor den Anhängern sogar regelmäßig auf den Boden geworfen (früher natürlich auch der nun verspottete Fahnenflüchtling).

Oft konnte man von jenen Fans sogar antisemitische Sprechchöre hören. Allwöchentlich wurden Andersgläubige, U-Bahn- und ÖBB-Passagiere von ihnen terrorisiert. Aber Entrüstung ernten sie erst, seit sie eines der eigenen Herrchen angeknurrt haben.

Die bierbäuchigen Randalierer glauben aber in ihrer schlichten Art wirklich inbrünstig an den Verein und durchschauen nicht, dass im Sport alles nur eiskaltes Geschäft ist. Ihnen wurde statt dessen nur eines vermittelt: Übergriffe sind immer erlaubt. Sofern sie nur gegen die Anderen gehen.

Und ein solcher Sport wird auch noch mit unserem Steuergeld gefördert . . .

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Mit Steuergeldern wird auch anderswo leichtfertig hantiert: Der Sozialminister verspricht jedem bei Bedarf eine private Pflegerin, der SPÖ-Geschäftsführer jedem Kind ein zusätzliches Schuljahr. Wie nett von ihnen. Nur haben sich die verbalen Wohltäter nicht um die Bezahlung gekümmert. Diese Frage spielen sie mit großzügiger Geste dem Finanzminister zu. Zum Glück für die Steuerzahler ist der -zumindest bisher - hart geblieben. Aber auch sonst scheint die Koalition doch nicht aus lauter Weihnachtsmännern zu bestehen. Immerhin haben sich auch die Unterrichtsministerin und der Finanzstaatssekretär überraschend deutlich gegen ihre spendierfreudigen Parteifreunde gewandt.

Mit Buchinger und Kalina hatten Molterer und Matznetter freilich bisher nur Amateure als Gegenüber. Ab sofort aber müssen sie unser Geld gegen absolute Profis verteidigen: nämlich gegen die Landeshauptleute. Das wird brutal.

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