Sinkende globale Ernteprognose zündet Kursfeuerwerk bei Weizen und Mais

Preise 2007 nicht unter 2006 - Lagerhäuser: Mindestens EUR 145,60 für Top-Weizen 2006

Wien/Brüssel/Kiew (AIZ) - Vor den Kulissen ruht das Geschehen am österreichischen Getreidemarkt praktisch zur Gänze, hinter den Kulissen herrscht allerdings hektische Betriebsamkeit um die noch verfügbaren geringen Restmengen aus der Ernte 2006 und um die Bewertung der neuen Ernte 2007. Die Wiener Brotgetreidenotierungen sind ausgesetzt, sodass sich die Marktteilnehmer zunehmend dem internationalen Börsegeschehen zuwenden. Der Weltmarkt als eine Folge dauernd nach unten revidierter Ernteprognosen und Aussichten auf negative Versorgungsbilanzen 2007/08 war zuletzt von einer Rallye der Weizen- und Maisnotierungen geprägt. Insbesondere die Dürremeldungen aus der Ukraine und möglicherweise die Verhängung neuerlicher Exportbeschränkungen oder gar Exportverbote aus der Kornkammer am Schwarzen Meer versetzten den Kurssprüngen noch einen Nachbrenner.

Soft red winter-Weizen machte an den US-Börsen laut Angaben der EU-Kommission im Verwaltungsausschuss einen Kurssprung von USD 10,-(EUR 7,44) pro t von USD 178,09 (EUR 132,56) pro t fob Golf am vorigen Donnerstag auf USD 188,05 (EUR 139,97/t) am Donnerstag dieser Woche. Hard red winter verteuerte sich im selben Zeitraum um knapp USD 8,- (EUR 5,95) pro t auf USD 204,83 (EUR 152,46) pro t. "Damit bestätigt sich, dass der Weltmarkt keine Ernteausfälle mehr verträgt", so ein heimischer Händler.

Österreich: Premiumweizen-Preise 2007 nicht unter 2006

Die jüngste Kursentwicklung, die auch an der EU-Leitbörse, der Pariser MATIF nachvollzogen wurde, lasse laut Marktteilnehmern unter Berücksichtigung des üblichen Preisabstandes zum österreichischen Markt durchaus den Schluss zu, dass Premiumweizen aus der neuen Ernte 2007 nicht unter den Preisen der Ernte 2006 zu bekommen sein werde.

Im gleichen Licht des Vergleichs zu den MATIF-Notierungen scheine demnach auch Mais der alten Ernte in Österreich zurzeit unterbewertet und eher ein Großhandelsabgabepreis von gut EUR 140,- pro t gerechtfertigt. Auch der Mindestpreis, zu dem die EU-Kommission diese Woche ungarischen Interventionsmais auf den Binnenmarkt verkaufte -ebenfalls ein Maß für die Preisbildung in Österreich -, stieg nach einem deutlichen Sprung in der Vorwoche diesen Donnerstag noch einmal und liegt nun bei EUR 123,- pro t. Das Höchstgebot erreichte sogar EUR 128,66 pro t. Rechnet man dazu die Transportkosten aus Ungarn nach Österreich dazu, bietet sich eine ähnliche Ableitung eines Maispreises für inländische Ware an wie von der MATIF-Notierung.

Weil die Nachfrage nach ungarischem Interventionsmais trotz gestiegener Preise ungebrochen anhält - diese Woche erhielten 104.027 t den Zuschlag -, stockte die Kommission die Ausschreibungsmenge schon vorige Woche um 500.000 t auf.

RWA-Lagerhäuser: Nachzahlungen 2006 - Top-Weizen erzielt mindestens EUR 145,60 pro t

Eine sehr zufriedene Bilanz über die Vermarktung von Premiumweizen der Ernte 2006 zieht man beim heimischen Marktführer, der Raiffeisen-Lagerhausgruppe und ihrem Vermarktungsdach RWA: Wie das AIZ erfuhr, habe man für den im Vertragsanbau erzeugten sogenannten Top-Weizen mit Erzeugerpreisen von mindestens EUR 130,- netto beziehungsweise EUR 145,60/t brutto den Erlösrekord des Jahres 2003 einstellen können. Aus der Ernte 2006 seien aber auch um 230.000 t mehr Weizen auf den Markt gekommen und sei der Großhandels-Abgabepreis um mehr als EUR 10,- pro t unter jenem von 2003 gelegen, betont man bei der RWA. Damit winken jenen Landwirten, die ihren Weizen über die Poolvermarktung der RWA gegen Akontozahlungen unmittelbar nach der Ernte auf den Markt brachten, für 2006 noch spürbare Nachzahlungen. Dies, so ein Unternehmenssprecher, bestätige, dass mit einer gezielten Qualitätsstrategie auch in schwierigen Jahren sehr gute Vermarktungserfolge erreichbar seien und es sich auszahle, künftig gezielt in den Vertragsanbau zu gehen.

Für normalen Premiumweizen zahlen die Lagerhäuser den Bauern dem Vernehmen nach einschließlich Nachzahlung EUR 126,- bis 128,- netto pro t beziehungsweise EUR 141,12 bis 143,36 pro t brutto. Diese Preise sollen laut Branchenkreisen deutlich über denen des Mitbewerbs liegen, dem Vernehmen nach sollen etwa andere Marken-Premiumweizen wie Austrian Red Winter den Landwirten deutlich geringere Erlöse von etwa EUR 121,- netto beziehungsweise 135,52 brutto pro t gebracht haben.

EU erwartet durchschnittliche Getreideernte - Schäden in Österreich, Ukraine und Russland

Die EU-Kommission legte am Donnerstag im Verwaltungsausschuss Getreide eine erste Ernteschätzung vor. 275 Mio. t Getreide sollen demnach 2007 in der EU-27 geerntet werden, im Vergleich zu 266 Mio. t im Vorjahr. Das bedeute für die EU eine durchschnittliche Ernte. In Frankreich und in Spanien würden jeweils rund 2 Mio. t Getreide mehr als 2006 geerntet, schätzt die Kommission. In Deutschland seien es dagegen mit 43,7 Mio. t kaum mehr als die 43,46 Mio. t des Vorjahres.

Pflanzenbauer sehen auch in Österreich das Potenzial für die Ernterträge 2007 reduziert. Schäden seien auf alle Fälle eingetreten, wie hoch sie letztlich sein werden, bestimmen noch die Niederschläge bis zur Ernte.

In der Ukraine, dem Auslöser der jüngsten Kursrallye auf dem Weltmarkt, lässt die anhaltende Trockenheit in Teilen des Landes -übrigens ähnlich wie in Russland - die Ernteerwartungen für Weizen und Gerste schrumpfen. Damit wachsen die Sorgen um die Exporte, gleichzeitig jedoch auch Spekulationen. Als sicher gilt, dass die jüngste Schätzung des Internationalen Getreiderates IGC, der für die Kornkammer Osteuropas eine Weizenerzeugung 2007/08 von rund 17 Mio. t prognostiziert hat, in jedem Fall deutlich unterschritten wird. Damit ist auch die Prognose für Weizenexporte von mehr als 5 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr überholt. Stattdessen stehen seit dieser Woche wieder Exportbeschränkungen für ukrainischen Weizen im Raum. (Schluss) pos/mö

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