WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1. 6. 2007: Weltbank: Neuer Kopf, alte Probleme - von Arne Johannsen

Was sich an der Wall Street bewährt, versandet in der Sahelzone

Wien (OTS) - Afrika, Afrika!" heisst das aktuelle Zirkusprogramm André Hellers. Um Afrika, viel Zirkus und einige Saltos, die notwendig sind, um manches wieder in Ordnung zu bringen, geht es auch bei der Weltbank. Die bekommt jetzt mit Robert Zoellick einen neuen Chef. Er folgt Paul Wolfowitz nach, der sich, als bedingungsloser Befürworter des Irak-Krieges und umgeben von erzkonservativen Beratern aus dem Bush-Umfeld, zunehmend in die Isolation manövriert hatte. Insofern ist das neue Gesicht an der Spitze ein Befreiungsschlag. Mehr aber auch nicht.

Denn mit der Bestellung Zoellicks wurde gleich die erste Chance vertan. Zwar war nicht zu erwarten, dass sich die Amerikaner das Amt des Weltbank-Chefs aus der Hand nehmen lassen würden. Doch ein Verfahren, das auch andere Staaten einbezogen hätte, hätte der Weltbank gut getan. Denn sie kämpft rund um den Globus mit einem starken Glaubwürdigkeitsverlust. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern gilt sie als verlängerter Arm amerikanischer Interessen - was im Einzelfall ungerecht, insgesamt aber nicht unverschuldet ist. Erst beglückte die Weltbank notleidende Länder mit umstrittenen Staudämmen und Schnellstrassen, dann stülpten die Washingtoner Theoretiker ums Überleben kämpfenden Nationen neoliberale Finanzmarktkonzepte über. Doch was sich an der Wall Street bewährt, versandet in der Sahelzone.

Den Kampf gegen die Armut hatte sich Paul Wolfowitz als Aufgabe vorgenommen. Das Ziel ist richtig, erreicht wurde es nicht. Die Zahl der Afrikaner, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, ist seit 1990 um mehr als 50 Millionen gestiegen.

Allerdings: Patentrezepte für den Kampf gegen die moderne Pest Armut hat niemand, da steht die Weltbank nicht alleine dar. Manche Experten fordern, den ärmsten Ländern alle Schulden zu erlassen, andere schwören auf das Kreditkonzept, um Menschen und Nationen nicht aus der Selbstverantwortung zu entlassen. Die Weltbank hat Darlehen zuletzt verstärkt mit der Korruptionsbekämpfung verknüpft, was prompt als unerwünschte Einmischung und Bevormundung kritisiert wurde. Mittlerweile lassen sich viele afrikanische Regierungen lieber von China als von der Weltbank helfen, weil die Asiaten weniger Fragen und Bedingungen stellen.

André Heller bietet eine Show, die möglichst dicht an der afrikanischen Kultur ist und doch dem westlichen Geschmack entspricht. Das könnte auch für die Weltbank kein schlechtes Konzept sein.

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