Fall Eichmann: Kein "Reisepass" vom Roten Kreuz

Bis heute profitierten mehr als eine halbe Million Flüchtlinge und Vertriebene von Rotkreuz-Reisedokumenten.

Wien (Rotes Kreuz) - Fast 6000 Menschen waren es 2006: Ein befristetes Reisedokument, ausgestellt vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat es Flüchtlingen, Vertriebenen und Staatenlosen ermöglicht, in ein Land ihrer Wahl zu gelangen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Mehr als eine halbe Million Menschen waren es seit 1945. Aufgrund seines Initiativrechts und in Absprache mit den beteiligten Staaten hatte das IKRK damals in den Wirren der Nachkriegsjahre, als Hunderttausende auf den Beinen waren, das Reisedokument entwickelt.

Missbrauch war - wie das kürzlich aufgefundene Reisedokument von Adolf Eichmanns in Buenos Aires zeigt - dabei nicht ausgeschlossen. Der NS-Kriegsverbrecher hatte sich das Papier unter Angabe einer falschen Identität 1950 erschlichen. "Eine noch heute unverzichtbare humanitäre Dienstleistung ist von Leuten missbraucht worden, für die sie ganz bestimmt nicht erdacht worden ist", sagt Yves Sandoz vom IKRK. Männer wie Eichmann und ihre verdeckten Unterstützer hätten schamlos Nutzen aus einer Hilfeleistung gezogen, dank der eine halbe Million Menschen - unter ihnen vor allem Überlebende der Konzentrationslager und später Flüchtlinge aus dem ehemaligen Ostblock - ein neues Leben in einem Land ihrer Wahl ermöglicht wurde. Wäre es vertretbar, wegen einiger Missbrauchs-Fälle die Hilfe für hunderttausende Menschen in Not einzustellen? "Natürlich nicht", so Sandoz.

Ausgestellt werden die Reisedokumente vom Roten Kreuz - und zwar befristet für den Zeitraum der Reisevorbereitung und der Reise ins Zielland selbst. Die Feststellung der Identität der Inhaberin oder des Inhabers liegt danach bei den Behörden des Einreiselandes, ebenso wie die Ausstellung offizieller Identitätspapiere.

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