Offener Brief der Sozialistischen Jugend an Bundeskanzler Gusenbauer

Sozialistische Jugend fordert Ablöse des Chefredakteurs der "Wiener Zeitung"

Wien (SK) - Die Sozialistische Jugend hält Andreas Unterberger als Chefredakteur der republikseigenen "Wiener Zeitung" für untragbar, in einem offenen Brief an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer fordert sie Unterbergers Ablöse. Ihre Begründung: Unterberger habe in der "Wiener Zeitung" dem "bekannten Wiener Neonazi-Anwalt" eine Plattform für eine Verteidigung des Leugnens des Holocaust ("eine Meinung unter vielen") geboten; und jetzt gehe Unterberger gegen den Verein Gedenkdienst, der Unterberger kritisiert hatte, gerichtlich vor, was laut SJ für den Verein existenzbedrohend sein könne. Im Folgenden der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Ich schreibe Ihnen in Ihrer Funktion als EigentümerInnenvertreter der Tageszeitung "Wiener Zeitung". Dieses Blatt veröffentlichte am 18. Jänner 2007 einen Gastkommentar des bekannten Wiener Neonazi-Anwalts Herbert Schaller, der vor geraumer Zeit den britischen Holocaust-Leugner David Irving vor Gericht verteidigte und in dem Kommentar die Leugnung des Holocausts lediglich als eine Meinung unter vielen abtat.

Da sich die Wiener Zeitung zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich befindet, hat diese natürlich eine besondere Verantwortung im Hinblick auf die Aufarbeitung von NS-Vergangenheit. Die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ) ist der Meinung, dass der verantwortliche Chefredakteur durch die Veröffentlichung des Kommentars seine Pflicht sträflich vernachlässigt hat und sich damit als ungeeignet für seinen Posten erwiesen hat.

Nun müssen wir über die Wochenzeitung "Der Falter" außerdem erfahren, dass Herr Unterberger es sich nicht nehmen ließ, gegen den Verein Gedenkdienst, ein Verein der österreichische Zivildiener in Holocaust-Gedenkstätten in aller Welt betreut, wegen an Herrn Unterberger geäußerter Kritik rechtliche Schritte einzuleiten. Diese Klage kann für den, sich großteils aus Spenden finanzierenden Verein existenzbedrohend sein. Die SJÖ möchte Herrn Unterberger nicht das Recht absprechen, privat seine rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die SJÖ sieht hier allerdings eine Unvereinbarkeit der Handlungsweise Unterbergers als Privatperson und seiner Funktion als Chefredakteur einer Zeitung im Eigentum der Republik Österreich.

Denn während Unterberger auf der einen Seite Schaller, der übrigens als Vertreter des flüchtigen Neonazis und Revisionisten Gerd Honsik an der Holocaust-Konferenz in Teheran teilnahm, einem Treffen mit eindeutig antisemitischem Hintergrund, in der Wiener Zeitung eine öffentliche Bühne zur Verfügung stelle, unternimmt er gleichzeitig aktiv Schritte gegen einen Verein, der die Gedenkkultur an den Terror des NS-Regimes pflegt. Dies erzeugt eine Optik, die der offiziellen Zeitung der Republik Österreich nicht würdig ist.

Als Sozialistische Jugend fordern wir aus diesem Grund die sofortige Ablöse des Chefredakteurs der Wiener Zeitung. Ich verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Torsten Engelage
Verbandsvorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreich

Rückfragehinweis: SJÖ, Wolfdietrich Hansen, 01 523 41 23 oder 0699 19 15 48 04, http://www.sjoe.at

(Schluss) wf/mp

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