Alt, krank & pleite

Wien (OTS) - Einen weiteren Aspekt in der Pflegedebatte brachte gestern abend das DiskussionsFORUM des Wiener "Haus der Barmherzigkeit": 150.000 Menschen in Österreich sind chronisch krank und schwer pflegebedürftig. Das Gesundheitssystem behandelt sie anders: Denn ihre Krankheit führt sie in die Armut. Über diese Lücke diskutierte im Studio 44 der Österreichischen Lotterien Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit) mit Heinz K. Becker (Österreichischer Seniorenbund), Peter Mader (Pensionistenverband Österreich), Birgit Meinhard-Schiebel (Grüne SeniorInnen Wien) und Dr. Roland Paukner (Wiener Krankenanstaltenverbund Pflegeheime). Dr. Helmut Brandstätter moderierte das DiskussionsFORUM. Die Österreichischen Lotterien und Pfizer Austria unterstützten die führende Betreuungseinrichtung.

Das Gesundheitssystem baut auf einem fatalen Irrtum auf, eröffnete Prim. Univ. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter der Wiener Betreuungseinrichtung das fünfte DiskussionsFORUM. Nämlich der Hypothese, dass jeder, der schwer krank ist, nur mehr beschränkte Zeit zu leben hat. Die Realität ist jedoch eine andere:
Menschen wie ein 65jähriger Patient im geriatrischen Pflegekrankenhaus. Dieser fiel vor über zwanzig Jahren nach einem Autounfall ins Wachkoma. Seither bedarf er Pflege rund um die Uhr. Häufig sind ungeplante medizinische Interventionen nötig.

Die Aufenthaltsdauer in einem "normalen" Akutkrankenhaus wird aber nur bis zu einer maximalen Dauer ersetzt. "Das ist eine Krankenversicherung mit Ablaufdatum, bei der gerade das Maximalrisiko, die Gesundheitskatastrophe nicht versichert ist. Dieses Risiko wird einfach privatisiert", so Gisinger. Der Sozialversicherungsträger wird vom Kostenersatz befreit und die Betroffenen sind auf Sozialhilfe vom Land angewiesen. Da diese nicht reicht, müssen Betroffene bzw. Angehörige die Pflegekosten vorfinanzieren. "Dass eine Bestimmung im Sozialversicherungsrecht Asylierungs-Paragraph heißt und die Sozialversicherungsträger ihn als Grundlage nehmen, um alten, auf Hilfe angewiesenen Menschen ihr Asyl, nämlich den 'Zufluchtsort' zu einer geriatrischen Einrichtung verwehren, ist zynisch", so der Geriatrie-Experte.

Derart finanziell belastet sind die übrigen 350 Langzeitpatienten des geriatrischen Pflegekrankenhauses: hochbetagte Menschen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere Demenz aber auch jüngere mit fortgeschrittener Multipler Sklerose. "Zum Teil sind sie Mindestpensionisten und mit einer Rezeptgebühr von mindestens 300,-Euro jährlich knapp vor der Pleite", so Gisinger.

Finanzierung aus einer Hand gefordert

Auch Dr. Roland Paukner, Direktor der Teilunternehmung Pflegeheime des Wiener Krankenanstaltenverbundes ist der gleichen Meinung: "Die Grenze zwischen Akutbehandlung, bei der der Patient keine Eigenmittel aufwenden muss und der medizinischen Dauerpflege, bei der diese rasch erschöpft sind, ist willkürlich gezogen. Es bedarf eines gesellschaftlichen und politischen Kraftaktes, eine menschenwürdige Finanzierung aus einer Hand zu ermöglichen." Ombudsmann Peter Mader vom Pensionistenverband Österreich weiß, dass sich Patienten oft als Bittsteller sehen, obwohl das Ansuchen um Sozialhilfe ein Rechtsanspruch ist. Früher war die Sozialhilfe allerdings als Überbrückung gedacht. Heute ist sie ein fixer Bestandteil der Pflegefinanzierung, was geändert werden muss. Heinz K. Becker, Generalsekretär des Österreichischen Seniorenbundes warnt davor, die Pflegeversicherung zu privatisieren: "Das wäre ein fataler Irrsinn. Denn was sollen sich Junge neben den Säulen im Sozialbereich noch ansparen?". Birgit Meinhard-Schiebel (Grüne SeniorInnen Wien) kennt "viele Menschen, bei denen sich die finanzielle Situation von den Eltern auf die Kinder 'vererbt'. Bei denen ist die Gefahr im Krankheitsfall pleite zu werden besonders hoch. Aber ist man pleite, wenn man vor dem Privatkonkurs steht oder wenn die Eigenmittel und Vermögen aufgebraucht sind?" Tatsache sei, dass die Generation 60+ gewohnt sei, sich auf den Staat zu verlassen. Sie hat aber nicht gelernt, sich im Gesundheits- und Pflegebereich als Konsument zu verhalten.

Pfizer Österreich und Österreichische Lotterien unterstützen Altern in Würde

Die Österreichischen Lotterien und Pfizer Austria unterstützten auch heuer das Haus der Barmherzigkeit-DiskussionsFORUM. Vorstandsdirektorin Mag. Bettina Glatz-Kremsner stellte das Studio 44 kostenlos zur Verfügung: "Die Österreichischen Lotterien sind seit Anbeginn bemüht auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag zu erfüllen". Die neue Geschäftsführerin der Pharmafirma Theresa Firestone freut sich, dass Österreich - ähnlich wie ihr Heimatland Kanada - in allen Statistiken immer unter den ersten Ländern liegt, wenn es um Lebensqualität geht: "Wir von Pfizer betrachten es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, uns am Diskurs rund um das so wichtige Thema Altern in Würde aktiv zu beteiligen - damit es ohne Armut und Verschuldung möglich ist."

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