Städtetag 2007 (2): Integration und Migration

Zuwanderung als Chance begreifen

Wien (OTS) - Europa, wie auch die Nationalstaaten müssen sich als Einwanderungsland erst positiv begreifen. Das bislang überwiegende Bild, Zuwanderung käme einem Problemkatalog gleich, verhindere die damit einhergehenden Chancen zu erkennen und zu nutzen. Qualifizierungssysteme, Elitenbildung bei Zuwanderer-Generationen seien, so Bernhard Perchinig vom Institut für Europäische Integrationsforschung am Donnerstag Vormittag, sinnvolle Instrumentarien, die in klassischen Einwanderungsländern, wie etwa Kanada oder Australien, zu einer wesentlich entspannteren Einschätzung des Themas führen. Die Diskussion zur Einführung einer "Blue Card" für qualifizierte Einwanderer habe bislang noch keine Mehrheit gefunden, nichtsdestotrotz sollten die Staaten vermehrt auf diese Aspekte in ihrer Integrationspolitik Rücksicht nehmen. Wie sehr Wirklichkeit und Wahrnehmung mitunter auseinander fallen können, illustrierte Perchinig an folgenden Fakten: Wien zählt nach jüngsten statistischen Daten nach Amsterdam und Greater London zur dritt bevorzugtesten europäischen Großstadt, und gemäß OECD-Daten von 2001 zählen Österreich und Deutschland mit 12,5 bzw. 12,6 Prozent Zuwanderung nach Australien (21,9 Prozent ) und Kanada (118,4 Prozent) zu den Top-Einwanderungsländern. Als wichtige Orientierungsmarken nannte Perchinig folgende drei Kriterien:
Qualität, Partizipation und Anerkennung.

Schmied: Spracherwerb von besonderer Bedeutung -Chancengerechtigkeit garantieren

Bildungsministerin Claudia Schmied unterstrich, dass insbesondere die Schulen wichtige Integrationsorte seien. Ihres Erachtens müsse es darum gehen, Chancengleichheit durch Bildung, aber auch in den jeweiligen Bildungssystemen zu erreichen. Darüber hinaus sollten Talente gefördert, mit Schwächen "achtsam umgegangen werden." Positiv bezeichnete sie die Herabsenkung der Klassenschülerzahlen auf maximal 25 Kinder pro Klasse. Diese kleineren Einheiten könnten, zusammen mit neuen pädagogischen Konzepten, die auf Teamarbeit abzielen, wichtige Schritte zu denn erstgenannten Zielen sein. Faktum sei, dass 14 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Deutsch nicht als Erstsprache hätten: Mittels diverser Sprach-Angeboten sei man dabei, das Erlernen, wie auch die damit einher gehende Integration zu befördern. Als besonders wichtig bezeichnete sie auch die Motivation und Haltung des Lehrpersonals. Hier lege sie darauf Wert, dass mittels Fort- und Ausbildung die Didaktik und Sozialkompetenz weiter ausgebaut werde.

Kulturelles Anderssein achten

Matthias Stadler, Bürgermeister von St. Pölten, stellte in seinem Beitrag die Integrationsschritte seiner Kommune vor. Kommunale Integration sei als Herausforderung ohne Grenzen zu verstehen, nicht zuletzt auch in einem finanziellen Sinne, da viel zu oft Gemeinden und Städte ohne ausreichende Unterstützung von den Ländern an ihre Grenzen stoßen würden. In der Landeshauptstadt Niederösterreichs weise die Statistik einen Ausländeranteil von etwa 11 Prozent aus. Die Integrationspolitik seiner Stadt gehe in zwei Richtungen:
einerseits Zuwanderer zu integrieren, andererseits aber auch das Recht auf individuelle Freiheit, was auch ein kulturelles Anderssein miteinschließe, zu schützen. Innerhalb des Magistrates sei ein entsprechendes Leitbild verankert, weiters gebe es neben zahlreichen Initiativen und Programmen auch einen eigenen Integrationsbeauftragten. Weiters werden mehrere Sprachkurse im Erwachsenenbereich angeboten, von denen sich zwei ausschließlich an Frauen richteten.

Städte bei ihren Bemühungen unterstützen

Silvia Huber, Stadträtin aus Wels, unterstrich, dass Integrationspolitik nicht länger als "Minderheitenthema" gehandelt werden dürfe, sondern als Chance begriffen werden müsse. Integration dürfe daher auch nicht nur "für" Zuwanderer, sondern mit diesen entwickelt und gestaltet werden. In Wels betrage der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund rund 25 Prozent. Wesentliche Motor der Integrationsaktivitäten sei das Integrationsbüro "Mosaik", welches 2001 gegründet, aktuell das Projekt "Miteinander Wohnen" verfolge. Ziel ist, die Konflikte in Wohnsiedlungen zu reduzieren bzw. diese zu schlichten. Darüber hinaus engagiere sich Wels mit Sprachförderung im Kindergartenbereich. Lernförderung, aber auch Kultur- und Jugendarbeit seien weitere wesentliche Stützen in der Integrationspolitik von Wels. Weiters sei man auf einem guten Weg, für die Stadt ein Integrationsleitbild zu erarbeiten. Länder und Bund müssten die Städte und Gemeinden in Zukunft vermehrt bei ihren Bemühungen unterstützen, erinnerte Huber. (Forts.) hch

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