Weltmilchtag: Europäischer Milchmarkt vor historischem Umbruch

Wlodkowski: Milcherzeugung im Grünland erhalten - Erzeugerpreise erhöhen

Wien (AIZ) - Morgen, Freitag, wird der Weltmilchtag 2007 begangen, dieser Tag steht heuer im Zeichen eines historischen Umbruchs: Auf der einen Seite wird derzeit innerhalb der EU intensiv über das Ende der Milchquoten nach dem Jahr 2014/15 diskutiert. Gleichzeitig ist der internationale Milchmarkt von einer zunehmenden Nachfrage und einem knappen Angebot gekennzeichnet, was zu steigenden Preisen auf der Erzeuger- und Konsumentenseite führt. Auch in Österreich sprach sich heute der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, im Rahmen einer Pressekonferenz der Agrarmarkt Austria 2007 für höhere Erzeugermilchpreise aus. Gleichzeitig verlangte er im Falle einer Abschaffung der Milchquoten Übergangsregelungen, um insbesondere die Milchproduktion im Berggebiet aufrechterhalten zu können.

"Die weitere Liberalisierung des EU-Milchmarktes wird diesen Sektor in den nächsten Jahren spürbar verändern. Wenn sowohl der EU-Außenschutz als Folge neuer WTO-Regeln als auch die Milchquoten ab 2015 wegfallen, ist mit einem weiteren Importdruck auf den europäischen Milchmarkt zu rechnen", erläuterte Wlodkowski. "Obwohl derzeit die Preise insbesondere aufgrund von Dürrekatastrophen auf der südlichen Erdhalbkugel und einer enormen Nachfrage vor allem aus China, Indien und Russland steigen, kann hier nicht von einer garantierten langfristigen Entwicklung ausgegangen werden, denn gute oder gar Rekordernten und die zunehmende Milchproduktion in den genannten Ländern können rasch wieder eine gegenläufige Entwicklung auslösen. Unsere bäuerlichen Familienbetriebe brauchen daher auch in einer liberaleren Milchwelt verlässliche Rahmenbedingungen, die in Zukunft eine Milchproduktion in Berg- und benachteiligten Gebieten möglich machen", gab Wlodkowski zu bedenken.

LK Österreich weiter für Beibehaltung der Milchquoten

"Eine Milchquotenregelung mit einer bewussten Produktionsmengensteuerung kann zur Erhaltung der Produktion in den heimischen bäuerlichen Familienbetrieben und damit zur Einkommenssicherung beitragen. Die LK Österreich spricht sich daher weiterhin klar für die Beibehaltung der Milchquoten aus, die Aufweichung dieser Regelung vor 2015 oder deren Beendigung würden einen starken Eingriff in die Stabilität der Agrarmärkte bedeuten", stellte Wlodkowski klar. Die Quote sei aber nur ein Teil der europäischen Milchmarktpolitik. Wesentliche Elemente seien derzeit einem Liberalisierungsprozess unterworfen, Maßnahmen zur Marktentlastung und Überschussverwertung würden abgebaut. "Die internen Absatzbeihilfen, die Interventionspreise und -mengen werden deutlich verringert, die Exporterstattungen tendieren bis 2013 gegen null. Zudem werden die Direktzahlungen im Milchbereich entkoppelt", erläuterte der Präsident. Gerade der EU-Außenschutz gegen die Niedrigstpreis-Konkurrenz in anderen Kontinenten sei für europäische Milchbauern sehr wichtig.

"Ein Großteil der EU-Mitgliedstaaten und der Bauernverbände hat jedoch in den letzten Monaten klar signalisiert, dass die Milchquotenregelung aus deren Sicht auslaufen soll. Wir werden daher entsprechende Vorbereitungen treffen, dass die Milchproduktion, speziell im Grünlandgebiet auch nach einem möglichen Quoten-Aus überleben kann. Sonst droht nicht nur die Abwanderung der Milcherzeugung in die europäischen Gunstlagen, auch dem Tourismus droht Gefahr, wenn mit der Bewirtschaftung des Grünlandes auch die Landschaftspflege endet", so Wlodkowski.

"Wir brauchen daher im Fall der Quotenbeseitigung Begleitmaßnahmen für betroffene Betriebe, finanziert aus Mitteln der zweiten, aber auch der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik. Dazu gibt es von der EU-Kommission speziell für die Berggebiete grundsätzlich positive Signale. Zweitens müssen jetzt die positiven Rahmenbedingungen am Milchmarkt für eine entsprechende Erhöhung der Erzeugerpreise genützt werden. Drittens sollte die österreichische Milchwirtschaft noch stärker und intensiver zusammenarbeiten, denn nur durch Spezialitäten beziehungsweise Produkte mit hoher Wertschöpfung und gutem Image haben unsere Betriebe vermehrte Chancen auf dem Milchmarkt", unterstrich der Präsident.

Weniger Kühe in Österreich

Der Kuhbestand hat sich in Österreich im Jahr 2006 weiter verringert. Während im Hochalpengebiet die Zahl der Kühe konstant blieb und sich in manchen Bezirken sogar vergrößert hat, nimmt der Bestand im Alpenvorland und am Alpenostrand ab. Zum Stichtag 01.12.2006 wurden in Österreich exakt 2,002.019 Rinder gezählt, davon 527.421 Milchkühe. Im Jahresvergleich sind die Rinderbestände zwar konstant geblieben, die Milchkuhbestände gingen jedoch um 1,3% zurück. Es wird erwartet, dass heuer erstmals weniger als 2 Mio. Rinder gehalten werden. Seit 1990 hat sich in Österreich die Zahl der Rinder um rund ein halbe Million Tiere verringert, gleichzeitig ist die Anzahl der Rinderhalter auf 80.161 zurückgegangen. Im Berggebiet werden von 57.566 Betrieben zwei Drittel aller heimischen Rinder gehalten. Zum Stichtag wurden 15% aller Milchkühe von 14.464 Betrieben in biologischer Wirtschaftsweise gehalten. Österreichweit wurden im Jahr 2006 im Schnitt 25 Rinder beziehungsweise zehn Milchkühe je Betrieb betreut.

Nicht nur in Österreich, auch in der EU gehen die Rinderbestände seit Jahren zurück. Der Rindfleischkonsum stagniert, die Interventionslager sind leer und Europa hat sich zu einem Rindfleisch-Nettoimporteur entwickelt.
(Schluss) kam

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