Internationale Wohnbautagung in Wien plädiert für leistbares Wohnen

Wien (OTS) - Über die Bedeutung leistbaren Wohnens aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht diskutierten am 30. Mai rund 120 Experten aus 20 europäischen Ländern sowie aus den USA und Kanada bei einer internationalen Konferenz in Wien.

Margarete Czerny, Wohnbauexpertin des WIFO, hob die hohe Bedeutung des Wohnbaus für Konjunktur und Beschäftigung hervor. In einer internationalen Vergleichsstudie hat sich herausgestellt, dass in Ländern mit überwiegend über Banken und Förderungssysteme finanziertem Wohnbau Konjunkturschwankungen weniger ausgeprägt sind als in Ländern mit starken spekulativen Elementen auf den Immobilienmärkten.

Karl Wurm, Obmann des Dachverbandes der österreichischen Gemeinnützigen, verwies dabei auf den spezifisch österreichischen Weg des Zusammenwirkens von gemeinnütziger Wohnungswirtschaft und Wohnbauförderung in Hinblick auf Stabilisierung der Wohnbauleistung und der Wohnungskosten. Von spezieller Bedeutung dafür ist vor allem die Objektförderung, mit der die Leistbarkeit des Wohnens gewährleistet wird und Wohnbeihilfen weitgehend zurückdrängt werden. So sind in Österreich nur rd. vier Prozent aller Haushalte Bezieher von Wohnbeihilfen, in anderen europäischen Ländern, in denen die Objektförderung eine geringe Rolle spielt, geht dieser Anteil bis über zwanzig Prozent.

Wieweit die Leistbarkeit des Wohnens auch von der Verfügbarkeit über sozial gebundenen Wohnraum abhängt, verdeutlichte Lutz Freitag, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Wohnungswirtschaft. So wären nach dem Abverkauf kommunaler Wohnungsbestände viele Städte mit dem Problem der Unterbringung von Familien mit geringem Einkommen konfrontiert. "Der Verkauf dieser Bestände hat übrigens nicht dazu geführt, die Finanzen der Städte nachhaltig zu sanieren, es konnten damit lediglich Budgetlöcher vorübergehend gestopft werden."

Paul-Louis Marty, Präsident der CECODHAS - Dachorganisation der europäischen gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungsverbände, betonte, "der Markt alleine kann leistbares Wohnen im erforderlichen Ausmaß nicht bereitstellen", die EU müsse dem Wohnen auch unter diesem Aspekt größeres Augenmerk schenken.
Dass leistbares Wohnen nicht nur etwa in der Dritten Welt ein gravierendes Problem darstellt, sondern auch in den USA, hob Michael Doyle, Präsident der Wohnungsgenossenschaften im Internationalen Genossenschaftsbund, hervor. So haben auch gut verdienende Akademiker in manchen Regionen der USA Schwierigkeiten, erschwinglichen Wohnraum zu finden, sodass auch dort Förderungsprogramme erforderlich werden.

"Wohnen soll nicht nur als Anlageobjekt und bloßes Dach über dem Kopf begriffen, sondern auch in seiner sozialpolitischen Funktion in Hinblick auf Integration, altersspezifische Bedürfnisse sowie siedlungspolitische und ökologische Zielsetzungen verstanden werden", strich GBV-Obmann Wurm hervor: "Wohnen bleibt damit nach wie vor ein zentrales Feld politischer Verantwortung".

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