"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Diese und jene Hölle" (Von IRENE HEISZ)

Ausgabe vom 29. Mai 2007

Wien (OTS) - Vermutlich hätte Alois Kothgasser seinen heutigen 70. Geburtstag gern in aller Ruhe gefeiert. Doch hat sich der Salzburger Erzbischof geweigert, eine Auszeichnung aus den Händen von LH Gabi Burgstaller entgegenzunehmen, die in Landeskliniken Abtreibungen ermöglicht. Und dank kräftiger Unterstützung durch den weihbischöflichen Scharfmacher Andreas Laun findet sich Kothgasser mitten in einer Debatte über die Fristenlösung wieder. Oder eigentlich darüber, ob die katholische Kirche sich zur Fristenlösung äußern soll, die seit 1975 die Bedingungen für Schwangerschaftsabbrüche regelt.

Das Thema eignet sich nicht als Exempel für die in Österreich missglückte oder bestenfalls halbherzig vollzogene Trennung von Kirche und Staat. Naturgemäß muss der katholischen Kirche, die den Beginn des menschlichen, also schützenswerten Lebens mit dem Augenblick der Zeugung gleichsetzt, die Verhinderung von Abtreibungen ein Anliegen sein. Doch ein Kind, das unbeabsichtigt oder gar unter Gewaltanwendung gezeugt wurde, ist auch für Nichtkatholikinnen niemals zu reduzieren auf die vermeintlich amoralische Frage, ob Abtreibungen gesetzlich straffrei sind. Die Entscheidung für oder gegen ein Kind fällt grundsätzlich jenseits gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Klar ist nämlich: Ein gesetzliches Verbot verhindert Abtreibungen nicht, sondern führt lediglich dazu, dass verzweifelte Frauen in die Illegalität gedrängt werden und unter menschenunwürdigen medizinischen Bedingungen eben trotzdem abtreiben. Und die Androhung der Hölle im Jenseits wirkt allemal weit weniger entsetzlich als die konkrete Aussicht auf eine Hölle im Diesseits.

Die katholische Kirche verfügt zweifellos über hohe Kompetenz in vielen moralischen und ethischen Belangen. Dass Sexualmoral und die Stellung der Frau in der Welt jedoch nicht dazugehören, haben Kirchenmänner über die Jahrhunderte hinlänglich bewiesen.

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