Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Frohe Feste mit Logo

Sich verkleiden, Grenzen der Routine überschreiten, ausgelassenen Spaß haben: Das war immer schon Teil unserer Kultur. Ob es nun der Life Ball oder die aus der Antike berichteten Alkoholexzesse (mit einem allerdings tödlichen Weinkonsum von zehn Litern pro Kopf) sind:
Goethes "Saure Wochen, frohe Feste" hatte immer Gültigkeit. An welche Feste Goethe auch immer gedacht haben mag.

Es ist durchaus anerkennenswert, wenn beim Life Ball ein Teil der Umsätze, neben all dem, was Agenturen, Caterer und andere dabei verdienen, einem gemeinnützigen Zweck zugute kommt. Es hätte aber nicht erst des Auftritts von Alfons Haider als Moderator bedurft, um bloßzulegen, dass der Event auch eine Meta-Botschaft transportiert. Sie lautet: Schwul sein ist super. Und wer gegen die Schwulen-Ehe ist, bekommt indirekt das Label "Rückständig und menschenfeindlich" aufgeklebt. Eine klare politische Botschaft, die der ORF da verbreitet, die allerdings von der Mehrheit der Österreicher und ihrer Abgeordneten nicht geteilt wird.

Eindeutig ein Skandal ist es aber, wenn sich die Moderatoren der "Zeit im Bild" aus Anlass des Events auch noch mit dem dazugehörigen Logo schmücken. Denn damit wird der öffentliche Rundfunk im Kern seines Informationsauftrages (für den wir teuer bezahlen) selbst zur agitierenden Partei. Künftig kann der ORF seine Sprecher auch mit einem Parteilogo schmücken.

Ginge es nur um die Unterstützung einer humanitären Sammelaktion, dann gäbe es nämlich hunderte mindestens ebenso verdienstvoller Initiativen: Vom ORF-eigenen "Licht ins Dunkel" bis zu den Sternsingern (die auch ohne ORF-Trommelfeuer mehr Spendengeld sammeln als alle anderen). Und wer glaubt, dass Aids die allergrößte Bedrohung der Menschheit ist, der möge das aktuelle "Profil" lesen, wo der Propaganda die Fakten gegenübergestellt werden. Diese heutzutage zu schreiben, ist beklemmenderweise schon eine Aktion, die besonderen Mut erfordert.
Die vorangegangene Regierung trägt ein gehöriges Maß an Verantwortung für den ethischen und journalistischen Niedergang des ORF: Sie hat ein ORF-Gesetz beschlossen, das Null Sicherungen vorsieht, wenn eine ORF-Führung den öffentlich-rechtlichen Auftrag schlicht und offen verhöhnt.

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