"Presse"-Kommenater: Familienpolitik: Vergesst nicht auf die Männer! (von Martina Salomon)

Ausgabe vom 29. Mai 2007

Wien (OTS) - Wenn Kinder weiterhin "Mütterthema" bleiben, dann werden noch mehr gebildete Frauen darauf verzichten.
Er hätte das Potenzial, internationales Role-Model für eine neue Männergeneration zu werden: Schauspieler Brad Pitt schleppt nicht nur seines, sondern auch die Adoptivkinder seiner Lebensgefährtin Angelina Jolie mit sich herum. Doch seltsamerweise erhält er dafür nicht Applaus, sondern Häme. Domestiziert sei das ehemalige Sexsymbol, quasi "entmannt" - und diese Beziehung könne keineswegs gut gehen, wie man selbst in Intellektuellenblättern wie der Schweizer Weltwoche nachlesen kann. Ja, in welcher obszönen Gesellschaft leben wir eigentlich? Und in welcher wollen wir leben? Darüber zerbricht sich heute, Dienstag, in Wien eine Ministerriege den Kopf in einem eigenen "Kindergipfel". Das Erfreuliche daran: Der tiefe ideologische Graben, der Rot und Schwarz Jahrzehnte trennte (Alleinerzieherin kontra Kernfamilie!), ist kleiner geworden. Es gibt Konsens darüber, dass die öffentliche Hand mehr in Kinderbetreuung investieren soll, und dass es den Eltern insgesamt leichter gemacht werden muss, Job und Kind unter einen Hut zu bringen, sonst verstärkt sich der Trend, dass besser gebildete Menschen die "K-Frage" so lange hinausschieben, bis es zu spät ist. Immer häufiger hört man in Interviews ehemals erfolgreicher, mittlerweile alt gewordener Frauen, dass es ihnen rückblickend sehr leid tue, nur ein oder gar kein Kind bekommen zu haben.
Aber was ist mit den Vätern? Mittlerweile diskutieren zwar endlich auch Männer mit - danke, Minister Bartenstein, danke, Industriellenvereinigung, danke, Arbeiterkammer! - dennoch wird noch immer so getan, als handle es sich in erster Linie um ein Frauenthema. Das ist nicht nur perfid, sondern auch kurzsichtig. Denn wenn man den Jugendlichen nicht klarmacht, dass "Kinderbetreuung zu einer normalen Männerbiografie dazugehört" (Sozialrechtler Mazal) und die jungen Väter dabei später in ihrem beruflichen Umfeld nicht unterstützt, dann bleibt das Thema Familie in der Mittel- und Oberschicht ein Problem. Frauen wollen ihr Medizinstudium nicht mehr nur dafür verwenden, die Schürfwunden ihrer Kinder zu heilen, während ihren Männern im Karriereaufbau keine Zeit für das Familienleben bleibt. Hand aufs Herz: Das ist kein allgemein gültiges Modell mehr für die Zukunft!
Wobei sich weder SPÖ noch ÖVP in dieser Frage mit Ruhm bekleckert haben. Die SPÖ hat (gemeinsam mit den Grünen) jahrelang "daheim am Herd" als Schreckensbild an die Wand gemalt. Aber warum sollte das, was Frauen dringlich ausgeredet wird, für Männer attraktiv sein? Außer für Kinder könne man für alles andere (vorübergehend) daheim bleiben, lautete die versteckte Botschaft von Rot/Grün. Wie sonst ist zu verstehen, dass zwar jahrelang eine Mindestsicherung gefordert wurde (die nun dank SPÖ verwirklicht werden soll), die "Eltern-Mindestsicherung", nämlich das Kindergeld, aber als berufsfeindliche Mütterprämie gebrandmarkt wurde?
Der ÖVP wiederum fällt es bis heute schwer, bei Familienarbeit und Teilzeitjobs nicht ausschließlich die Mütter im Fokus zu haben. Apropos Teilzeit: Wo sind die qualifizierten Teilzeitjobs - auch für Männer? Ist das nur in einem Aufsichtsrat möglich? Darf ein Sabbatical nur der Weiterbildung dienen oder auch der Familie, vielleicht sogar beidem? Und sind Arbeitnehmer nur gute Arbeitnehmer, wenn sie rund um die Uhr verfügbar sind?
Für die Zukunft ist ein Arbeitskräftemangel absehbar. Vor allem darin ist auch begründet, dass sich die Industriellenvereinigung seit einiger Zeit des Themas Kinderbetreuung annimmt. Die weibliche Arbeitskraft wird am Markt gebraucht. Das ist eine Chance: Erstens thematisieren nun auch Männer die quantitativen, aber auch qualitativen Mängel in der Kinderbetreuung - damit ist die Chance weitaus höher, dass etwas weitergeht. Zweitens könnten Firmen nun gezwungen sein, mehr auf die Arbeitszeitwünsche ihrer Angestellten einzugehen. Im neuen Sozialpartnerbrief (unterzeichnet von fünf Männern) an die Regierung anlässlich des Kindergipfels ist sogar -ein wenig versteckt zwar, aber doch - von der partnerschaftlichen Aufteilung der Betreuungspflichten die Rede. Hoffen wir, dass die vier Frauen (Kdolsky, Bures, Schmied, Marek) und der eine Mann (Bartenstein) das heute auch ernst nehmen. Familiensache ist auch Männersache!
PS: Eigentlich war es ohnehin unbegreiflich, warum Brad Pitt als geföhnter, kinderloser Beau eine so große, weibliche Fan-Gemeinde hatte. Erst jetzt, als Vater, scheint er sich zu einem ernst zu nehmenden Mann zu entwickeln. Bitte mehr davon!

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