Walfangkommission muss sich modernisieren

Greenpeace zu IWC: Walschutz statt Walfang

Anchorage/Wien (OTS) - Heute beginnt in Anchorage/Alaska die Haupttagung der Internationalen Walfangkommission (IWC), die bis zum 31. Mai die Themen Walfang und Walschutz diskutieren wird. Jedoch werden die IWC-Delegierten aus über 70 Ländern nur einige Stunden damit verbringen, über Umweltgefahren für Wale zu diskutieren, der Rest der Konferenz wird über den Walfang debattiert.

"Angesichts der vielen drohenden Umweltgefahren für Wal-Bestände überall auf der Welt, sollten die IWC-Delegierten schleunigst beschließen, zu einer modernen Walschutz-Kommission zu werden, die nicht für die Walfänger sondern für die Wale arbeitet", fordert Antje Helms, die als Greenpeace-Walexpertin an der IWC-Konferenz teilnimmt. "Im Vergleich mit anderen internationalen Fora ist die IWC ein vollkommen verkrustetes, veraltetes Gremium, das immer noch nach Regeln von 1946 arbeitet. Anstatt sich um den Walfang als ein Relikt aus einem vergangenen Jahrhundert zu streiten, sollte die IWC sich um aktuelle Umweltgefahren kümmern".

Seit Jahren versagt die IWC, wenn es um den Schutz der Wale vor Umweltgefahren geht. Jedes Jahr ertrinken weltweit 300.000 Wale in Fischernetzen. Hunderttausende Meeressäuger sterben zusätzlich durch massive Meeresverschmutzung, Unterwasserlärm, Nahrungsmangel oder an den Folgen des Klimawandels. Wie dringend nötig ein besserer Schutz wäre, zeigt das Beispiel des Chinesischen Flussdelfins: Er gilt seit 2007 als die erste durch menschliche Aktivitäten ausgerottete Walart. Das gleiche Schicksal droht den letzten 200 Vaquita-Schweinswalen im Golf von Kalifornien, die vor allem durch hohe Beifangraten in der Stellnetz-Fischerei vom Aussterben bedroht sind.

Wie jedes Jahr ist die erste Abstimmung der Konferenz entscheidend, um festzustellen, welche Seite die Stimmenmehrheit besitzt - Walfang-oder Walschutz-Befürworter. "Wenn alle neuen Mitgliedsländer wirklich anwesend und stimmberechtigt sind, dann sollten sich eine Mehrheit für die Walschutz-Unterstützer ausgehen", hofft Helms. Fast alle Entscheidungen bei der IWC werden mit einfacher Stimmenmehrheit getroffen, nur Fangquoten, Schutzgebiete und die Abschaffung des Walfang-Moratoriums erfordern eine Dreiviertel-Mehrheit. Neue IWC-Mitglieder im Walschutz-Lager sind die EU-Staaten Slowenien, Kroatien, Griechenland und Zypern sowie Costa Rica und Ecuador. Als Verbündeter von Japan wird Neumitglied Laos angesehen.

Wesentlicher Diskussionspunkt ist dieses Jahr der Idigenen-Walfang:
Im Gegensatz zu den Fangquoten für die Alaska-Inuit und Russland ist die Forderung Grönlands, seine Quote zu erhöhen und auf Grönland- und Buckelwale auszudehnen, höchst umstritten. Brasilien und Argentinien fordern ein Schutzgebiet im Südatlantik. Doch schon jetzt ist klar, dass die nötige Dreiviertel-Mehrheit nicht erreicht wird. Ebenfalls umstritten sind die japanischen Forderungen nach Fangquoten im Küstenwalfang und in der Antarktis. Greenpeace fordert, dass eine starke Resolution gegen den wissenschaftlichen Walfang zustande kommt. Denn die Anzahl der getöteten Großwale steigt - trotz Moratorium - unaufhaltsam: 2006/2007 wurden 1847 Großwale direkt durch den Walfang getötet, da ist die zweithöchste Zahl seit dem Inkrafttreten des Moratoriums. 926 Wale fielen dabei dem "wissenschaftlichen" Walfang zum Opfer. Die größte kommerzielle Jagd wird dabei von Japan in der Antarktis in einem international anerkannten Walschutzgebiet unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" durchgeführt.

Details im Internet: http://www.greenpeace.at/wale_iwc.html

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Steffen Nichtenberger, Pressesprecher
Tel: +43 (0)664 612 67 03
steffen.nichtenberger@greenpeace.at

Antje Helms, IWC-Teilnehmerin und Meeresexpertin
Tel. +1-202 413 1851
(Bitte -10 Stunden Zeitunterschied zu Alaska beachten)

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