Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Erfolgsrezept Irland

Westeuropa hat seit langem beklemmend wenige Erfolgsmodelle. Für die großen Staaten kann man nur hoffen, dass die neuen Chefs es besser machen werden. Bei den kleinen ragen aus allen Erfolgs-Rankings nur drei Länder heraus: Dänemark, auch Österreich, vor allem aber Irland.

Der sensationelle Aufstieg Irlands unter Bertie Ahern ist nun durch dessen fulminanten Wahlsieg erneut bestätigt worden. Aherns Erfolgsrezept ist ein klares: radikal neoliberal (Steuern senken, deregulieren und privatisieren), sympathisch volksverbunden (Bier, Humor und Gesang), betont wertkonservativ (also sehr katholisch) und außenpolitisch behutsam zielstrebig (was zur historischen Nordirland-Lösung geführt hat).

Hierzulande mag das vielen zu wenig modisch und zeitgeistig erscheinen. Aber es wirkt.

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Die rot-grünen Studenten haben bei den ÖH-Wahlen eine Abfuhr erlitten. Die Ursachen reichen vom Glaubwürdigkeits-Debakel der SPÖ in Sachen Uni-Gebühren bis zum Desinteresse der Studenten am Ideologie-Amalgam Feminismus-Antiglobalismus-Antifaschismus. Es muss aber wohl auch an der Intelligenz der Spitzenkandidaten liegen: Denn wer den Wählerwechsel von Rot zu Schwarz (statt etwa zu Grün) mit einer studentischen Absage an die Koalition von Rot mit Schwarz begründet, der hat wohl auch sonst nicht viel Logik im Hirn.
Das Ergebnis bedeutet aber beileibe nicht, dass an den Unis alles in Ordnung wäre. Leider sieht jedoch keine einzige Studenten-Gruppe, was im eigenen Interesse wirklich nötig wäre: Der Zugang muss überall limitiert werden; die Finanzierung muss in Relation zur Qualität der Studien respektive der Absolventen gesetzt werden; das Bermudadreieck Rektor-Rat-Senat muss durch Ausschaltung des Senats effizient werden; die Unis müssen sich leichter von Mitarbeitern trennen können, die weder in Lehre noch Forschung exzellent sind.

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Hut ab! Jetzt wird die neue Tages-Illustrierte "Österreich" nun sogar schon international zitiert. Nämlich im "Spiegel" mit dem kreativen Satz: "Nur selten werfen vier männliche Tänzer ihre Glieder über die Bühne."
Man sollte doch wieder öfter "Österreich" lesen.

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