AK-Dinkhauser: Betriebe steigern ihre Gewinne, die Beschäftigten tragen die Lasten - Wo bleibt der gerechte Ausgleich?

148. Vollversammlung der AK Tirol im Zeichen von mehr Verteilungsgerechtigkeit

Innsbruck (OTS) - Einen eindringlichen Appell an Wirtschaft und Industrie richtete der Tiroler AK-Präsident Fritz Dinkhauser in seiner Rede vor der 148. Vollversammlung der Arbeiterkammer Tirol, "die Beschäftigten an den Gewinnen und Überschüssen gerechter zu beteiligen. Der Wohlstand und die Lasten sind in unserem Land zu ungleich verteilt, wir verlangen Gerechtigkeit. Es kann nicht weiter so sein, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren und die Arbeitnehmer immer weniger davon profitieren, ja sogar immer schwerere Lasten im Bereich der Steuern, Gebühren und Abgaben zu tragen haben", so Dinkhauser.
"Wir brauchen eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes! Ich warne eindringlich davor, den Bogen zu überspannen. Vor allem spreche ich jene Tiroler Unternehmer an, die sich ihre hohen ethischen und moralischen Werte behalten haben, trotz Globalisierung und Gewinnmaximierung. Das sind jene Betriebe, die die Mitarbeiter wert schätzen, wissen, dass die Leistungen nur gemeinsam geschafft wurden, Unternehmer die ihre Mitarbeiter teilhaben lassen am Erfolge und am Gewinn und sie nicht als reinen Kostenfaktor abqualifizieren oder gar ausbeuterisch einsetzen"!
Rekordgewinne werden gemeldet, die Wirtschaft boomt, für 2007 ist 3,2 Prozent ein Rekord-Wachstum prognostiziert, aber die Beschäftigten merken davon wenig. Die Löhne stagnieren seit dem Jahr 2000. Die Lohnquote, das ist der Anteil der Löhne an der gesamten Wirtschaftsleistung, sinkt stetig: Von 79 Prozent im Jahr 1980 auf 55,4 Prozent im Jahr 2007, bis 2008 sogar auf 54,8 Prozent und sinkt bei uns noch stärker als im gesamten Euro-Raum. "Das mindeste wäre, dass die Sozialabgaben der Unternehmen nicht nur von der Lohnsumme, sondern auch von Gewinnen, Mieten und Zinsen berechnet werden", so der AK-Präsident.
Dinkhauser: "Die Beschäftigten konnten trotz ihres Fleißes und Einsatzes im Arbeitsleben vom Wirtschaftswachstum nicht profitieren. Wir haben schon jetzt die längsten Arbeitszeiten und sollen nach den jüngsten Forderungen, noch mehr arbeiten, noch flexibler sein und noch später in Pension gehen. Es wird Zeit, dass die Arbeitnehmer endlich stärker am Erfolg ihrer Arbeit beteiligt werden. Das wäre gerecht und längst überfällig."
Für Tirol erschwerend dazu kommen noch die hohen Lebenshaltungskosten gepaart mit den zweitniedrigsten Einkommen: "In Tirol gibt es einen West-Zuschlag bei den Lebenshaltungskosten, beim Einkommen jedoch einen Tirol-Abschlag: "Das ist ungerecht und muss endlich geändert werden!" Die Tiroler Beschäftigten liegen mit ihren Einkommen an vorletzter Stelle in Österreich und verzeichnen den niedrigsten Zuwachs aller Bundesländer. Die Gründe für die niedrigen Einkommen in Tirol unter anderem: Niedrigster Angestellten-Anteil, höchster Beschäftigten-Anteil in der Niedriglohnbranche Tourismus, wenig Großbetrieb, niedrigste Beschäftigungsdauer.
Von 1990 bis 2005 ist die Produktivität um knapp 30 Prozent gestiegen, das Brutto-Einkommen jedoch nur um 12,3 Prozent. Dinkhauser: "Wenn die Fix- und Lebenshaltungskosten stärker steigen als die Löhne und sich die Finanzierung der öffentlichen Hand vor allem auf die Lohn und Umsatzsteuer stützt, geht den Arbeitnehmern irgendwann die Luft aus. Was das im Alltag bedeutet, spürt jeder in der eigenen Geldtasche."
Lohnsteuer explodiert, Unternehmenssteuern stagnieren
In den letzten 12 Jahren sind die Einnahmen aus der Lohnsteuer um 68 Prozent gewachsen, die Unternehmenssteuern (Körperschaftssteuer, Einkommenssteuer, Kapitalertragssteuer von Dividenden und abgeschaffte Vermögenssteuer und Gewerbesteuer) hingegen nur um 24 Prozent. Löhne und Gehälter sind überdurchschnittlich stark mit Steuern und Abgaben belastet. Bei weitem der größte Teil der Steuern und Abgaben wird von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgebracht.
Österreich ist im EU-15-Vergleich bei den Gewinnsteuern (KöSt) an vorletzter Stelle, bei den Vermögenssteuern (Vermögenssteuer, Grundsteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuer, Kapitalverkehrssteuern) Schlusslicht unter den Industriestaaten. Großer Reichtum, aber nur für wenige
Die Unterschiede zwischen Arm und Reich haben sich in den letzten Jahren noch verstärkt. Wer schon hat, dem wird noch mehr gegeben. In Österreich besitzen 10 Prozent der Bevölkerung mehr als zwei Drittel des gesamten Vermögens, allein das oberste Prozent hat einen größeren Anteil am Gesamtvermögen als 90 Prozent der Bevölkerung. Dinkhauser: "Steuereinnahmen von den Vermögenden müssen erhöht werden: Durch eine Vermögenssteuer auf große Privatvermögen und eine gerecht gestaltete Reform der Erbschaftssteuer mit Freibeträgen für kleinere Erbschaften."
Auch Einkommen klaffen immer weiter auseinander
Auch die Einkommensschere geht weiter auseinander: Die obersten 20 Prozent teilen sich 50 Prozent der Lohnsumme. Die untersten 20 Prozent der Lohnhierarchie erhalten nur 2,3 Prozent aller Löhne. Reform des Steuersystems
Der AK-Präsident verlangte in diesem Zusammenhang auch eine sofortige Reform bei der Lohnsteuer: "Wir wollen eine automatische Inflationsanpassung bei Steuern und Pensionen. Durch die kalte Progression erhöht sich die Lohnsteuer laufend. Niedrige Einkommens-und Pensionsbezieher sind die Draufzahler. Auch Steuerklassen, außergewöhnliche Belastungen und Freibeträge müssen valorisiert werden. Für Bezieher von kleineren und mittleren Einkommen sollte endlich die Lohnsteuer deutlich gesenkt und für Kleinstverdiener die Negativsteuer angehoben werden."

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