Arbeitsmarkt für Behinderte: Buchinger will Trendwende

"Wirtschaft integriert" - Sozialminister wird Zusammenarbeit mit Wirtschaft forcieren - Erfolgreiches Projekt bei ÖBB

Wien (SK) - Sozialminister Erwin Buchinger wird die Bemühungen für die Integration von behinderten Menschen in den Arbeitsmarkt weiter verstärken. Dafür gibt es einerseits ein Rekordbudget mit heuer 85,4 Mio. und nächstes Jahr 87 Mio. Euro. Und andererseits werden das Sozialministerium, das Bundessozialamt und die Landesstellen vor allem die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft forcieren. Dies insbesondere an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf. ****

Eine aufnahmebereite Wirtschaft ist deshalb ein "ganz wichtiger und unverzichtbarer Partner", so der Sozialminister am Freitag in einer Pressekonferenz, an der auch Franz Nigl (Geschäftsführer der ÖBB DLG), Kresimir Hagljan (Geschäftsführer Fasal Wood KEG) und Andreas Pollak (Geschäftsführer Verein Training, Integration, Weiterbildung) teilnahmen und über ihre - durchwegs positiven Erfahrungen - mit der Einstellung von Lehrlingen mit Behinderung berichteten.

Buchinger will, dass die zuständigen Stellen, also u.a. das Bundessozialamt, noch "offensiver, durchaus auch marktschreierisch" auf die Wirtschaft zugehen und auf die vielfältigen Talente und Fähigkeiten von behinderten Menschen hinweisen. Es soll ein ganz gezieltes Lobbying sein, dazu werden auch die Förderstrukturen im Bundessozialamt und den Landesstellen verstärkt.

Die Praktiker konnten durchwegs von positiven Erfahrungen mit behinderten Jugendlichen berichten. Franz Nigl ist mitverantwortlich dafür, dass die ÖBB seit eineinhalb Jahren wieder behinderten Jugendlichen eine Lehre in Metallberufen anbieten. Derzeit sind es 20 (von anfänglich 25), im Herbst werden weitere sieben dazukommen. Er sprach von einem "erfolgreichen Projekt". Von den derzeit 20 Lehrlingen werden nach Einschätzung von Nigl die Hälfte einen echten Abschluss schaffen, die andere Hälfte wird besonders in Teilfertigkeiten, wie Schweißen oder Bohren, ausgebildet. Die ÖBB sehen dieses Engagement als "soziale Verantwortung", eine Ausdehnung auf andere Standorte als Wien werde überlegt.

Wie Andreas Pollak erklärte, wollen und können behinderte Jugendliche arbeiten, sie brauchen freilich etwas mehr Unterstützung beim Übertritt in den Beruf. Letzteres gilt auch für Betriebe, die Behinderte einstellen - dabei ginge es weniger um Geldleistungen als um Beratung und Assistenz. Die Firma von Kresimir Hagljan wird eine Betriebsstätte in Österreich eröffnen, dafür sondiere er schon jetzt die Aufnahme von Jugendlichen mit Behinderung; in Pilotprojekten habe er sich davon überzeugen können, dass es funktioniert.

Das erklärte Ziel von Buchinger ist es, den derzeit negativen Trend am Arbeitsmarkt für Behinderte zu brechen. Denn der allgemeine Rückgang der Arbeitslosigkeit ist bei Behinderten nicht gegeben. Es wäre im Europäischen Jahr der Chancengleichheit ein Armutszeugnis für die Politik, wenn uns das nicht gelingen würde, so der Minister. Seitens der Ministerien versuche man mit gutem Beispiel voranzugehen. Er, Buchinger, habe gleich nach seinem Amtsantritt alle KollegInnen per Brief über den Ist-Stand und, wo vorhanden, die Differenz zur vorgeschriebenen Quote informiert. Fast alle hätten ihm Verbesserungen zugesagt.

Bei der Ausgleichstaxe (jeder Betrieb mit mehr als 25 Mitarbeitern muss Behinderte anstellen im Verhältnis 1:25 oder eben eine Zahlung an den Ausgleichstaxfonds leisten) überlege sich derzeit eine Arbeitsgruppe ein Bonus-System für Übererfüller und ein Malus-System mit einer progressiven Ausgleichstaxe für Untererfüller, gab Buchinger auf eine entsprechende Journalistenfrage bekannt. (Schluss) wf

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