Kalina/Niederwieser präsentieren SPÖ-Konzept für verpflichtendes Vorschuljahr

"Bewegung in der ÖVP für dieses wichtige Anliegen nützen"

Wien (SK) - Die SPÖ fordert schon seit längerem ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder. Nun scheint es auch in der ÖVP, die sich bisher dagegen ausgesprochen hat, Bewegung in dieser Sache zu geben. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und Bildungssprecher Erwin Niederwieser präsentierten dazu in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag das SPÖ-Konzept. Beide begrüßten den "Kurswechsel der ÖVP" in dieser Frage. Mit gutem Willen aller Beteiligten und der Gebietskörperschaften wäre es sicher möglich, ab Herbst 2008 ein Vorschuljahr für alle Kinder zu realisieren, so Kalina. ****

"Der Kurswechsel der ÖVP in dieser Frage freut uns wirklich", so Kalina. Er verwies auf Aussagen von ÖVP-Generalsekretär Missethon in Diskussionsveranstaltungen und zuletzt in der ORF-Diskussion "Im Zentrum", in der er sich für ein verpflichtendes Vorschuljahr ausgesprochen hat. Auch VP-Wissenschaftssprecherin Brinek habe ein solches bereits gefordert. "Seit die SPÖ in der Regierung ist, hat sich im Bildungsbereich viel getan, der Schulbereich ist endlich in Bewegung; wir wollen das nützen."

Dabei sollte es "nicht am Geld scheitern", so Kalina, es seien "keine unüberwindlichen Summen". Bildungssprecher Niederwieser nannte 55 bis 65 Mio. Euro, die ein verpflichtendes Vorschuljahr kosten würde. Dieses Geld brauche man, um die Betreuung für jene Kinder, die derzeit vor der Schule keine Einrichtung besuchen, zu finanzieren, außerdem für zusätzliche, in Vorschulerziehung ausgebildete PädagogInnen und für die Elternbeiträge, die derzeit gezahlt werden. Denn klar ist, dass ein verpflichtendes Vorschuljahr kostenlos sein müsse. Zusätzlich zu den bildungs- und integrationspolitischen Effekten wäre dies auch eine "deutliche familienpolitische Maßnahmen und eine erhebliche Entlastung der Familien", betonte Kalina.

Kalina appellierte an Finanzminister Molterer, in den Finanzausgleichsverhandlungen, die früher stattfinden sollen, diesen Punkt aufzunehmern, "das wäre einer der wichtigen Punkte, wo die Gebietskörperschaften eine Einigung erzielen sollten". Denn letztlich sei es den Menschen egal, welche Gebietskörperschaft das Geld ausgibt, wichtig sei der Bevölkerung, "wofür das Geld ausgegeben wird. Und das ist wirklich eine Maßnahmen, wo es sich lohnt, Steuergeld auszugeben", so der SPÖ-Bundesgeschäftsführer.

Kalina verwies darauf, dass die SPÖ die Forderung nach einem verpflichtenden Vorschuljahr schon im Wahlprogramm verankert hatte und auch in die Regierungsverhandlungen eingebracht hat. Der damalige VP-Obmann Schüssel sei aber nicht dazu bereit gewesen. Obwohl auch die Experten in dieser Frage einig sind: Von der "Zukunftskommission" unter PISA-Chef Günter Haider über das WIFO-Weißbuch für Wachstum und Beschäftigung bis zum Bildungskonzept der Industriellenvereinigung. Und auch die Bevölkerung unterstützt die Forderung: In einer OGM-Umfrage sprachen sich 52 Prozent für ein verpflichtendes Vorschuljahr aus.

Im Schnitt seien derzeit 92 Prozent der 5-Jährigen vor der Schule im Kindergarten. Von den acht Prozent, die keine Einrichtung besuchen, seien 95 Prozent Kinder aus niedrigen sozialen Schichten und Migrantenfamilien. "Im Vordergrund stehen die Interessen der Kinder, das gebietet, dass alle gut vorbereitet in die Schule kommen."

Niederwieser verwies auch darauf, was man sich durch eine gezielte Förderung im Vorschulalter an späteren Kosten - von Förderlehrern bis zu Qualifizierungskosten des AMS - erspare. Er verwies etwa auf ein dreijähriges Projekt im Bezirk Jennersdorf: Dort sind Kindergarten und Volksschule im selben Gebäude untergebracht und LehrerInnen kommen in den Kindergarten, um dort zu unterrichten. "In den drei Jahren konnte die Zahl der VolksschülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf halbiert werden", so Niederwieser.

Generell plädiert Niederwieser dafür, sich nicht auf ein Modell, wo das Vorschuljahr stattfindet, festzulegen. Dies könne im Kindergarten, in enger Kooperation Kindergarten und Schule oder in einer Schule stattfinden. Wichtig sei, dass der Bund einen österreichweiten Bildungsplan erarbeitet - dazu werde auch eine verfassungsrechtliche Änderung nötig sein - und dann die Qualität der Angebote der Gemeinden kontrolliert. Notwendig sei außerdem, für LehrerInnen und KindergärtnerInnen Weiterbildung an den pädagogischen Hochschulen anzubieten. Ziel der SPÖ bleibe aber, dass auch KindergärtnerInnen generell an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden.

Niederwieser zeigte sich abschließend jedenfalls zuversichtlich, dass das verpflichtende Vorschuljahr realisiert werden kann. Die Signale aus der ÖVP werde man jedenfalls "beim Schopf packen, um dieses Anliegen auch parlamentarisch dingfest zu machen", schloss Niederwieser. (Schluss) ah

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