Wehsely: Samstag Informations- und Beratungstag zu HIV/AIDS

Wien setzt auf Prävention und Information

Wien (OTS) - Samstag, 26. Mai 2007, geht mit dem Life Ball im
Wiener Rathaus bereits zum 15. Mal das weltgrößte AIDS-Charity-Event über die Bühne, das die Themen HIV und AIDS einmal mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückt. Der Informations- und Aufklärungsbedarf ist nach wie vor hoch: "Die Anzahl der Neuinfektionen in Österreich ist zwar über die vergangenen Jahre hinweg stabil, aber sie sinkt nicht im erforderlichen Ausmaß. Täglich infizieren sich nach wie vor ein bis zwei Menschen mit HIV, besonders heterosexuelle Frauen sind immer stärker betroffen", betonte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (SMZ Baumgartner Höhe), Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Lungenabteilung (SMZ Baumgartner Höhe) und Gery Keszler, Obmann von Aids Life.****

Wehsely weiter: "Wien setzt daher auf Prävention und zielgruppenspezifische Aufklärung, damit Unachtsamkeit und Leichtsinn beim Sex nicht wieder Platz greifen. Es bleibt dabei: AIDS geht uns alle an." Aus Anlass des Life Balls veranstaltet die Österreichische AIDS-Gesellschaft am Samstag von 9:00 bis 16:00 Uhr einen Informations- und Beratungstag zu HIV/AIDS im Otto-Wagner-Spital (Pavillon Wienerwald, 14., Sanatoriumstr. 2, 47 A: Pulmologisches Zentrum, 48 A: Endstation). Angeboten werden dort individuelle ärztliche Beratung zu allen Fragen rund um HIV/AIDS, Informationsvorträge und ein kostenloser HIV-Test.

In Österreich leben derzeit geschätzte 8.000 bis 10.000 Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, es gibt 1.095 AIDS-PatientInnen. Von 1983 bis März 2007 verzeichnete man hierzulande 2.534 AIDS-Erkrankungen, 1.382 Menschen sind bis dato daran verstorben. Im Jahr 2006 wurden 442 Neuinfektionen festgestellt. Fast 42 Prozent der Neuinfektionen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, 1998 waren es noch 27 Prozent. In den letzten vier Jahren stieg die Anzahl der wegen AIDS in Betreuung stehenden Menschen um 40 Prozent.

25 Prozent der Infektionen erst bei Ausbruch entdeckt

Besonders problematisch ist es aus Sicht von ExpertInnen, dass viele Menschen mit dem gefährlichen Virus leben, ohne davon zu wissen. "Einem Viertel der HIV-Infizierten ist die Erkrankung nicht bekannt und die Diagnose erfolgt erst zum Zeitpunkt des Auftretens der ersten AIDS-definierenden Erkrankung. Der Zeitraum zwischen Infektion und Diagnose beträgt mitunter mehrere Jahre", warnte Brigitte Schmied.

Das habe gefährliche Konsequenzen, so die Expertin: "Wer keine Kenntnis davon hat, dass er das HI-Virus in sich trägt, bringt sich selbst um eine optimale Behandlung und gefährdet SexualpartnerInnen." Es gelte daher, die HIV-Infektion so früh wie möglich zu diagnostizieren und niedergelassene ÄrztInnen zur Wachsamkeit zu motivieren, da Erstsymptome ähnlich wie grippale Infekte, geschwollene Lymphknoten oder offene Stellen im Mund oft übersehen oder nicht Ernst genommen werden. Schmied: "Eine der wichtigsten Präventivmaßnahmen ist es daher auch, den Zugang zu Testmöglichkeiten zu verbessern, die Hemmschwelle zu senken und insgesamt das Bewusstsein für sexuelle Gesundheit zu steigern."

Den eigenen HIV-Status kennen

Für mehr Problembewusstsein plädierte auch Norbert Vetter: "Die Kenntnis des eigenen HIV-Status ist von größter Wichtigkeit - sie zu erlangen ist heute leichter denn je zuvor. In Ergänzung der bisherigen Testmethoden steht ein seit kurzem in Europa zugelassener Test zur Verfügung, der innerhalb weniger Minuten mit einem Tropfen Blut aus der Fingerbeere eine HIV-Infektion ausschließen lässt." Dieser Test müsse in einem speziell geschulten medizinischen Setting, bei dem auch Aufklärung, Beratung und psychologische Betreuung zur Verfügung stehen, durchgeführt werden und sei daher sehr sicher. Er ist zur Selbsttestung nicht geeignet.

Tests mit schnellem Ergebnis

Um Testungen in größerem Ausmaß als bisher zu fördern, werde er, Vetter, der Gesundheitsministerin empfehlen, die Schnelltests in Zukunft nicht nur für Notfälle, sondern auch in einem medizinischen Setting mit speziell geschultem Personal zuzulassen. Vetter: "Je früher wir über eine HIV-Infektion Bescheid wissen, desto besser können wir sie bekämpfen und neue therapeutische Möglichkeiten ausschöpfen." Das sei wichtig für Betroffene und für ihre SexualpartnerInnen. Weiter: "Bei HIV-positiven PatientInnen, die nicht Praktiken des 'safer sex' anwenden, lässt sich die Zahl der Neuinfektionen dadurch reduzieren, dass eine frühe Behandlung zur Virussupprimierung führt und damit die Infektiösität senkt."

Neue therapeutische Möglichkeiten

Zahlreiche hocheffektive Medikamente stehen für die Therapie zur Verfügung. Neue therapeutische Möglichkeiten bei resistenten Viren sind die so genannten "Entry-Hemmer" - Substanzen, die jenen Rezeptor blockieren, der für das Eindringen des Virus in die Zelle verantwortlich ist. Eine weitere neue Therapieschiene sind "Integrase-Hemmer", die das Enzym Integrase angreifen, welches das Virenerbgut in das Erbgut der Zelle einbaut. Dadurch verhindern sie auch die Vermehrung der Viren.

Life Ball - Fundraising für von HIV und AIDS Betroffene

Gefeiert werden die neuen Errungenschaften im therapeutischen Kampf gegen HIV/AIDS unter anderem mit dem Life Ball. Doch so glamourös dieser Ball als Society-Event auch strahlt, in erster Linie gehe es darum, Fundraising für von HIV und AIDS betroffene Menschen zu betreiben, betont der Obmann von AIDS Life und Organisator des Life Balls, Gery Keszler: "Der Life Ball tut dies, indem er das Leben feiert und dabei mit Mitteln der künstlerischen Inszenierung und der Dramaturgie arbeitet. Damit bewirkt er, ein Wienbild zu entwerfen, das abseits von Tradition und Klischees ein liberales, weltoffenes, sozial verantwortliches Bild der Stadt transportiert."

Das Großevent bringe auch die Problematik HIV und AIDS wieder ins Bewusstsein der Menschen, um der gefährlichen Sorglosigkeit im Umgang mit Sex entgegenzuwirken. Keszler abschließend: "Und schlussendlich lukriert er Spendengelder, von denen jeweils die Hälfte österreichischen AIDS-Hilfsprogrammen zugute kommt, die andere Hälfte geht über Kooperationen mit international renommierten PartnerInnen an Organisationen in den am schwersten betroffenen Gebieten der Welt." (Schluss) me

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
B&K - Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung
Dr.in Birgit Kofler; Mag.a Daniela Pedross
Tel.: 01/ 319 43 78
Fax.: 01/ 319 43 78 20
Handy: 0676/ 636 89 30
E-Mail: pedross@bkkommunikation.at

Mag. Michael Eipeldauer
Mediensprecher StR.in Mag.a Sonja Wehsely
Tel.: 01/ 4000/ 81 231
Handy: 0664/ 826 84 36
E-Mail: michael.eipeldauer@magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0011