WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.5.2007: Jörg Haider und das Modell Putin - von Arne Johannsen

So ziemlich alle Hypo-Beteiligten spielen mit gezinkten Karten

Wien (OTS) - Jörg Haider zu loben, fällt nicht leicht. Allzu unverschämt sein Umgang mit dem Rechtsstaat, allzu ausgeprägt sein Populismus. Und allzu kurz sein Gedächtnis: Kritik am Ausverkauf ans Ausland war gestern, heute ist die Bayerische Landesbank als neuer Eigentümer herzlich willkommen. Wobei die unterschwellige Botschaft, dass Bayern (und damit Deutschland) eigentlich gar kein Ausland ist, durchaus zum Kärntner Geschichtsbewusstsein rund um den Ulrichsberg passt.

Doch abseits all dieser Aspekte fällt die nüchterne Bilanz des Deals durchaus positiv aus: Die Bayern LB ist ein idealer Partner, weil sie genau das nicht kann, was die Kärntner beherrschen: Geschäfte am Balkan zu machen. Wenn die neuen Herren aus München schlau sind, nutzen sie dieses Know-how, ohne sich operativ besonders einzumischen - was sie im übrigen als Bawag-Partner auch nicht getan haben.

Bedauerlich ist nur, dass so ziemlich alle Beteiligten beim Hypo-Verkauf mit gezinkten Karten spielen. Jörg Haider geht es vor allem darum, die erschreckend leere Kasse seines Bundeslandes möglichst schnell und elegant zu füllen. Dass er eine Ausschreibung um jeden Preis verhindern will, soll ihn vor höheren Offerten von Hedge Fonds oder ukrainischen Oligarchen bewahren - deren Ablehnung als auch deren Annahme den Landeshauptmann in Argumentationsnotstand bringen würde.

Doch auch die andere Seite operiert verdeckt. Dass die Erste Bank ehrliches Interesse an einer Übernahme der Hypo Kärnten hat, kann man glauben oder auch nicht. In jedem Fall ergibt sich aus dem öffentlich angemeldeten Interesse ein Status, aus dem rechtliche Einsprüche möglich sind.

Haiders eigentliches Handicap ist aber nicht das Störfeuer aus Wien, sondern die Rolle des Tilo Berlin und seiner prominenten Investorengruppe. Vieles spricht dafür, dass über den Einstieg der Bayern schon seit Monaten verhandelt wurde. Das heisst: Schon beim vom Kärntner Ober-Netzwerker Wolfgang Kulterer orchestrierten Einstieg von Berlin und Co. war klar, dass dessen Anteil bald weitergereicht wird, mit einem üppigen Aufschlag.

Warum man Berlin und anderen Kärntner Geldadeligen einige Millionen zukommen lassen wollte, lässt sich wohl mit einem Blick nach Wien beantworten. Dort ist heute der russische Staatspräsident Wladimir Putin zu Gast. Auch der stützt seinen Einfluss unter anderem auf überaus erfolgreiche und mächtige Geschäftsleute, deren Gunst gelegentlich gefördert werden muss. Es scheint so, als hätte sich mancher vom Modell Putin einiges abgeschaut.

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