Tumpel: "Bildungskrise rasch lösen"

Von der Schule bis zur Weiterbildung: AK Präsident ortet auf volkswirtschaftlicher Tagung der Nationalbank vier Baustellen im Bildungswesen

Wien (OTS) - "Österreichs Bildungswesen ist in einer veritablen Krise", sagt AK Präsident Tumpel heute auf der volkswirtschaftlichen Tagung der Nationalbank zum Thema "Humankapital und Wirtschaftswachstum": Gut 80.000 junge Menschen zwischen 20 und 24 Jahren haben keine Ausbildung über die Pflichtschule hinaus abgeschlossen; zusätzlich zum Mangel an Lehrstellen fliegen zwei von fünf AnfängerInnen an berufsbildenden Schulen wieder hinaus; im OECD-Raum bildet nur noch die Türkei pro Jahrgang weniger AkademikerInnen aus als Österreich; und die Weiterbildung führte in den letzten Jahren ein Schattendasein auf der politischen Tagesordnung, zählt Tumpel die bildungspolitischen Versäumnisse der letzten Jahre auf. Der AK Präsident verlangt eine "Gesamtstrategie zum lebensbegleitenden Lernen". Vorrangiges Ziel müsse es jetzt sein, "den breiten Zugang zur Bildung zu fördern und auszubauen" - von der Halbierung des Anteils der Jugendlichen ohne positiven Pflichtschulabschluss bis hin zur Verdopplung der Beteiligung an Weiterbildung.

Tumpel ortet vier Baustellen im Bildungswesen, auf denen dringend gearbeitet werden muss, um Begabungsreserven zu heben und Versäumnisse wett zu machen:

+ Wie reformbedürftig das Bildungswesen ist, zeigen die PISA-Ergebnisse, wonach ein Fünftel der 15- bis 16-Jährigen Schwierigkeiten beim Lesen und in Mathematik hat, aber auch nur halb so viele in der Spitzengruppe sind wie in den besten Ländern. Zusätzlich entscheidet die soziale Herkunft der SchülerInnen wesentlich stärker als anderswo über die Chancen auf höhere Bildung. Nötige Schritte sind für Tumpel ein verpflichtendes Vorschuljahr, mehr Förderung in der Schule, ganztägige Betreuung und Schritte hin zu einer gemeinsamen Schule. Ziel müsse es sein, den Anteil der Jugendlichen ohne positiven Pflichtschulabschluss von derzeit vier auf zwei Prozent zu senken.

+ In der weiterführenden Ausbildung mangelt es derzeit an Lehrstellen, bewirkt der Platzmangel an den berufsbildenden Schulen, dass viele AnfängerInnen wieder aus der Schule fliegen. Tumpel:
"Entscheidend wird sein, ob das Regierungsvorhaben Ausbildungsgarantie bis 18 rasch verwirklicht werden kann." Als Ziel formuliert Tumpel, dass der Anteil der jungen Menschen mit abgeschlossener weiterführender Ausbildung auf 90 Prozent der 20 bis 24-Jährigen angehoben wird und dass 50 Prozent die Matura haben.

+ An den Universitäten sind zwei Drittel der Studierenden während des Semesters berufstätig. Darauf wird zu wenig Rücksicht genommen, kritisiert Tumpel. Studierende werden am Fortkommen gehindert - durch fehlendes Lehrveranstaltungsangebot, problematische Öffnnungszeiten an den Unis oder unzureichende Stipendien. Die Folgen: Lange Studiendauern und hohe Dropout-Raten. Der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen müsse von derzeit 19,6 Prozent eines Jahrgangs auf den OECD-Schnitt von knapp 35 Prozent angehoben werden, so Tumpel.

+ Zur Förderung der Weiterbildung werden in Österreich schließlich nur 2,3 Prozent der öffentlichen Bildungsausgaben aufgewendet, während es in Schweden 9,1 Prozent sind. Die Unternehmen in Österreich liegen wiederum mit 1,3 Prozent Anteil der Weiterbildungsausgaben an den gesamten Arbeitskosten aller Unternehmen um einen ganzen Prozentpunkt unter dem EU-Durchschnittswert. Nur in zwei EU-Mitgliedstaaten ist dieser Wert niedriger als in Österreich: in Portugal (1,2 Prozent) und in Griechenland (0,9 Prozent). Es müsse auch in Österreich möglich sein, sämtliche Abschlüsse bis zur Matura gebührenfrei nachzuholen, verlangt Tumpel. Ziel müsse es sein, die Beteiligung an Weiterbildung zu verdoppeln, von derzeit rund 20 auf 40 Prozent der Bevölkerung.

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