"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Junge Komatrinker" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 19./20. Mai 2007

Innsbruck (OTS) - Nicht erst durch den tragischen Fall jenes 15-jährigen Schwoichers, der eine durchzechte Nacht mit dem Leben bezahlte, ist das Thema Komatrinken auch in Tirol in aller Munde. Die Klinik unterstreicht die Dringlichkeit des Problems mit erschreckenden Fakten:

Im Durchschnitt haben jene Jugendlichen, die nach Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert werden, zwei Promille im Blut. Und nicht selten sind die betroffenen Kinder erst 12 Jahre alt. Auch für die Rot-Kreuz-Landesstelle sind bis zur Bewusstlosigkeit betrunkene Jugendliche nichts Neues.

Die zentrale Frage lautet, wie solche Alkoholexzesse verhindert werden können. Die Antwort ist relativ einfach. Nur durch die kollektive Mithilfe von jedem(r) Einzelnen. Und durch Zivilcourage. Die Wurzel des Problems ist nämlich, dass Saufexzesse landläufig als "cool" gelten. Das leben wir den Jugendlichen leider vor.

Den Eltern fällt hier wohl die größte Verantwortung zu. Zuhause werden der Umgang und die Einstellung zu Alkohol geprägt. Schule und Polizei können nur zu Aufklärung und Prävention beitragen. Mehr nicht. Denn mit drastischen Strafen bzw. totaler Überwachung ist diesem Problem nicht beizukommen.

Gefordert sind Wirte, Tankstellenverantwortliche sowie Lebensmittelgeschäfte. Dort darf einfach kein Auge zugedrückt werden. Die Wirtschaft könnte hier mit einer Kampagne, beim Alkoholverkauf an Jugendliche Nein zu sagen, punkten.

Klar ist aber auch, wenn Jugendliche Alkohol kaufen bzw. konsumieren wollen, finden sie einen Weg. Umso mehr kommt dem Umfeld, in dem sich junge Menschen bewegen, eine eminente Bedeutung zu. Egal ob Sportverein, Blasmusik, Theatergruppe oder Schützenkompanie. Die erwachsenen Mitglieder geben den Alk-Takt vor. Wer ein realistisches Bild erleben will, braucht nur ein Zeltfest besuchen.

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