"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Samtpfoten und Bärentatzen"

Der EU fehlt eine Strategie im Umgang mit dem machtbewussten Russland.

Wien (OTS) - Gewiss, Angela Merkel versuchte beim 19.
Gipfel der EU mit Russland zu retten, was noch zu retten war. Ein echter Durchbruch gelang der deutschen Kanzlerin und amtierenden Ratsvorsitzenden nicht. Auf Samtpfoten trat sie dem Kremlführer

entgegen, monatelang suggerierte sie, die Probleme mit Russland seien lösbar, am Ende werde auf allen Seiten die Vernunft siegen, schließlich sei man ja voneinander abhängig. Nicht einmal mit ihrer scharfen und berechtigten Kritik an Verletzungen der Menschenrechte und an der Verfolgung von oppositionellen Politikern konnte sie punkten. An Wladimir Putin prallte alles ab. Diese Strategie des offenen Aufeinanderzugehens und konstruktiven Dialoges hat der russische Alleinherrscher genüsslich durchkreuzt: Selbstbewusst, stark und frech - Dank des rohstoffbedingten Reichtums - traf er die Europäer und spielte

sie gegeneinander aus. Merkel ließ er merken, wie gespalten die EU ist, einigen Staaten warf er "wirtschaftlichen Egoismus" vor.

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Schlecht vorbereitet und geschwächt durch innere Querelen -während des Gipfeltreffens gab Polens Außenministerin der EU-Kommission die Schuld, dass ihr Land Verhandlungen für ein Partnerschaftsabkommen der EU mit Russland behindere - präsentierte sich Europas Spitze in Samara gespalten, uneins und erfolglos. Inhaltlich kamen sich der Westen und Russland keinen Millimeter näher, im Gegenteil: Rhetorisch wurde aufgerüstet, zwischen der EU und Russland herrscht kalter Friede.

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