Ethnische Ökonomien sichern Wirtschaftsstandort Wien

Brauner/Frauenberger/Jank präsentieren Studienergebnisse: Unterstützung für ZuwanderInnen als UnternehmerInnen

Wien (OTS) - "Für den Wirtschaftsstandort Wien stellen die ethnischen Ökonomien und die damit verbundenen sprachlichen sowie kulturellen Kompetenzen eine wertvolle Bereicherung dar. UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund schaffen neue Arbeitsplätze, beschleunigen den notwendigen Strukturwandel, haben hohe Innovationskraft, festigen Wiens Drehscheibenfunktion zwischen Ost und West und sind damit für den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Wien unverzichtbar. Dementsprechend wichtig ist es, die vorhandenen unternehmerischen Potenziale noch besser auszuschöpfen", erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Renate Brauner und die Wiener Integrations- und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger heute, Freitag, unisono anlässlich der Präsentation der Studie "Ethnische Ökonomien - Bestand und Chancen für Wien".

KRin Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien (WKW), ergänzte: "Die Studie zeigt, dass die wirtschaftliche Integration von ethnischen Unternehmen in Wien gelungen ist. Aus unserer täglichen Erfahrung in der Beratung wissen wir, dass sich diese Unternehmen in ihren Bedürfnissen und Ansprüchen gegenüber ihrer Interessensvertretung nicht von heimischen Unternehmern unterscheiden, denn die Probleme und Gründungsmotive sind dieselben."

Um in diesem Bereich eine Offensive starten zu können, braucht es entsprechende Grundlagen. Daher hat die Stadt Wien gemeinsam mit der WKW erstmals eine Studie zum Thema "Ethnische Ökonomien - Bestand und Chance für Wien" in Auftrag gegeben. Mit den Ergebnissen liegen nun konkrete Daten über ZuwanderInnenunternehmen in Wien, über ihr Potenzial und ihre Entwicklungschancen vor. Durchgeführt wurde die Studie von "L&R - Social Research". Insgesamt wurden 300 UnternehmerInnen mit migrantischem Hintergrund zu wesentlichen Eckpunkten ihrer Arbeitsrahmenbedingungen befragt.

Brauner: "Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse haben wir ein maßgeschneidertes Angebot für diese Zielgruppe der Wiener UnternehmerInnen erarbeitet. Damit wollen wir das vorhandene unternehmerische Potenzial weiter steigern, neue Arbeitsplätze und Lehrstellen schaffen und die Qualifizierung ungelernter MitarbeiterInnen unterstützen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei in der niederschwelligen und zielgruppengerechten Beratung."

Ergebnisse Studie "Ethnische Ökonomien - Bestand und Chancen für Wien"

Rund ein Drittel der Wiener EinzelunternehmerInnen haben Migrationshintergrund von den derzeit 53.173 EinzelunternehmehrInnen in Wien haben ein Drittel, also fast 16.000 UnternehmerInnen einen migrantischen Hintergrund (inklusive jener UnternehmerInnen, die zwar österreichische StaatsbürgerInnen sind, bei denen aber ein einschlägiger ethnischer Hintergrund vermutet wird). Neben den österreichischen EinzelunternehmerInnen mit vermutetem Migrationshintergrund, stellen mit 4.607 Personen (29%) die polnischen EinzelunternehmerInnen die größte Gruppe dar, gefolgt von UnternehmerInnen aus der Tschechoslowakei (7%), Deutschland (6%) und Ex-Jugoslawien (5%). Der Anteil von UnternehmerInnen aus der Türkei liegt bei 2%. Die UnternehmerInnen polnischer Herkunft sind hauptsächlich in den Branchen Gewerbe und Handwerk sowie im Bauhilfsgewerbe tätig. TürkInnen sind zu einem großen Teil im Handel, und UnternehmerInnen aus Exjugoslawien sind überdurchschnittlich häufig im Transport- und Verkehrswesen tätig. Insgesamt weisen die ethnischen Ökonomien einen unterdurchschnittlichen Frauenanteil auf.

Beschäftigungswirkung - 39% planen zusätzliche MitarbeiterInnen einzustellen

Österreichische UnternehmerInnen haben im Schnitt 0,8 Beschäftigte, UnternehmerInnen mit migrantischen Hintergrund 0,6 MitarbeiterInnen. Bei letzteren ist der Anteil der mithelfenden Familienangehörigen von großer Bedeutung. Ethnische Unternehmen beschäftigen auch geringer qualifiziertes Personal als österreichische Einzelunternehmen. 41% der befragten ZuwandererunternehmerInnen haben Beschäftigte aus der eigenen Ethnie, 17% beschäftigen ausschließlich österreichisches Personal. Rekrutiert wird das Personal vorwiegend aus dem Familien- und Bekanntenkreis. Nur 10% der befragten GründerInnen haben das AMS in Anspruch genommen. 39% der befragten Unternehmen haben vor, in den nächsten eineinhalb Jahren zusätzliche Beschäftigte einzustellen.

Förderangebot noch zu wenig bekannt

Bei der Unternehmensgründung sind ZuwanderInnen mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert, allen voran mit der Finanzierungsproblematik. Nur 19% haben eine Gründungs- oder sonstige Förderung in Anspruch genommen. Männer erhielten dabei die Förderung öfter als Frauen. Als Grund, warum Förderungen bisher kaum in Anspruch genommen worden sind, geben viele der Befragten an, zu wenig über die vorhandenen Angebote gewusst zu haben. Auch Beratungsleistungen wurden eher selten in Anspruch genommen.

Frauenberger: "Wir müssen die Menschen verstärkt dort abholen, wo sie stehen. Das heißt: Informationen mit muttersprachigen BeraterInnen direkt in die Vereine und ZuwanderInnenlokale zu bringen."

Lehrlingsausbildung - zusätzliches Potenzial von 18%

Wiener Einzelfirmen bilden generell selten Lehrlinge aus. Da vier Fünftel der Wiener Einzelunternehmen Ein-Mann/Ein-Frau-Betriebe sind, ist naturgemäß auch ihr Anteil an der Lehrlingsausbildung gering. Bei Unternehmen mit migrantischem Hintergrund liegt der Lehrlingsanteil bei 2%, bei österreichischen Einzelunternehmen ohne Migrationshintergrund bei 3,3%. In von Frauen geführten Einzelunternehmen liegt die Lehrlingsquote höher! Die Hauptgründe dafür liegen vor allem auch bei den fehlenden Voraussetzungen, wie z.B. der AusbildnerInnenprüfung zur Berechtigung der Lehrlingsausbildung. Die Studie weist sehr deutlich darauf hin, dass hier das Potenzial keineswegs ausgeschöpft ist. Im Gegenteil: Der potentielle Anteil an künftigen Lehrbetrieben liegt bei 18%. Vor allem jüngere BetriebsinhaberInnen bzw. jene, die ihren Betrieb erst vor kurzem gegründet haben, können sich ein entsprechendes Engagement sehr gut vorstellen.

Stadt Wien und WKW starten zielgerichtete Ausweitung der Lehrstellenoffensive

"Um das bisher brach liegende Potenzial im Bereich der Lehrstellen zu nutzen werden wir das erfolgreiche Programm der Lehrstellenakquisiteure im Sinne der Diversitätsorientiertheit ausbauen. Innerhalb von drei Jahren sollen in Wien dadurch 150 neue Lehrstellen in Ethnischen Ökonomien geschaffen werden!" so Brauner und Jank.

Drei zusätzliche LehrstellenakquisiteurInnen, die selbst Migrationshintergrund haben, werden in Zukunft die Suche nach neuen Lehrstellen speziell auf ethnische Betriebe ausweiten. Dies erfolgt in enger Kooperation zwischen Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff), Wiener Wirtschaftskammer und der Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten (MA 17). Die neuen LehstellenakquisiteurInnen werden, neben ihrem sprachlichen und interkulturellen Potenzial auch ihre Verbindung zum Netzwerk der Wiener MigrantInnenorganisationen einbringen. Zusätzlich werden die LehrstellenakquisiteurInnen durch die waff-Lehrlingsfinder unterstützt. Für Betriebe, die sich entschließen in die Lehrausbildung einzusteigen, und die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllen, übernehmen die waff-Lehrlingsfinder die gesamte Vorauswahl geeigneter Lehrlinge.

Zusätzlich wird auch die Homepage des waff zukünftig in den Sprachen Englisch, Türkisch und Serbokroatisch/Bosnisch zur Verfügung stehen. Alle relevanten Informationen rund um berufliche Beratung, Förderung und Vermittlung sollen so noch leichter zugänglich gemacht werden.

Aufbau eines Business-Netzwerks für ethnische Ökonomien

Der WWFF arbeitet derzeit in enger Abstimmung mit dem RWS sowie der Wirtschaftskammer Wien am Aufbau einer begleitenden Beratungs-und Unterstützungsschiene, von der neben allen Wiener UnternehmerInnen auch jene mit Migrationshintergrund nachhaltig profitieren sollen.

Zentraler Punkt dabei ist die Bereitstellung moderner und kostengünstiger Büroinfrastruktur in sogenannten Start-up-Zentren. Derzeit stellt der WWFF an vier Standorten in Wien diese modernst ausgestatteten Büros zu günstigen Konditionen speziell für Kleinbetriebe, JungunternehmerInnen und GründerInnen zur Verfügung. Neben der reinen Bereitstellung der Infrastruktur wird in einem Pilotprojekt am Standort Höchstädtplatz bereits jetzt auch ein maßgeschneidertes Betreuungs- und Beratungsservice für UnternehmerInnen angeboten. Dieses, unter dem Namen "Business Service Center" laufende Modell wird, auch in Hinblick auf die Umsetzung der Studienempfehlungen, nun speziell auch auf die Bedürfnisse von UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund erweitert.

Bereits am 19. Juni wird es am Standort Höchstädtplatz eine, speziell auf die Interessen migrantischer UnternehmerInnen abgestimmte, Informationsveranstaltung geben.

Alle Wiener Unternehmen profitieren in den Start-up-Zentren unter anderem von: Gemeinsamer Nutzung von Büroinfrastruktur, Informationen in Förder- und Finanzierungsfragen, Unterstützung bei der Umsetzung von Geschäftsideen, Förderung von Innovationspotenzialen, Zusammenarbeit im Netzwerk mit anderen Mietern, Vermittlung von Kontakten in der Wirtschaft und bei Behörden, regelmäßigen Workshops zu Themen wie z.B. Internationalisierung, Wirtschaftsdeutsch, Qualifizierung von MitarbeiterInnen, Businessplan-Erstellung oder Marketing.

Darüber hinaus wird der WWFF verstärkt maßgeschneiderte Betreuungs- und Unterstützungsleistungen für diese UnternehmerInnen anbieten. Das umfasst sowohl mehrsprachige Informationskampagnen zum bestehenden Förderangebot als auch die individuelle Begleitung interessierter AntragstellerInnen bei der Inanspruchnahme der Förderungen. (Schluss) brc

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Tel.: 4000/ 81853
Mobil.: 0664/962 38 16
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Pressestelle Wirtschaftskammer Wien
Tel.: 01/514 50-1320
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