Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die Profitstreber

Versuch eines Resümees der vorliegenden Fakten zum Eurofighter-Kauf:
Die große Bestechung durch EADS & Co, um den Auftrag zu bekommen, hat offenbar nicht stattgefunden - aber: Die Firma hat nach Fixierung des Deals in einer untragbaren Art wie einst durchs Land reisende Potentaten einen millionenschweren Geldregen über Österreich ausgeschüttet. Dieser war für den kapitalstarken Konzern nur ein Trinkgeld, für Vereine oder Agenturen aber ein Vermögen - um dessentwillen manche ihre Reputation aufs Spiel setzen.

Zweck der Zahlungen war, Kritiker des Kaufs zumindest im Nachhinein zum Verstummen zu bringen. Die ÖVP - in deren Nähe bisher ja keine Spur führt - galt dem Big Spender offenbar sowieso als sicher, weil sie ohnedies die Entscheidung bejahte; viel riskanter schienen Rot und Blau. Daher hatte man dann für diverse Wünsche aus deren jeweiligem Dunstkreis eine besonders offene Tasche.

Das krampfhafte Schweigen der Herren Steininger, Rumpold und Edlinger eröffnet aber auch weitergehendem Verdacht Raum - etwa bis hin zu jenem einer direkten oder indirekten Parteifinanzierung. Hat etwa die Agentur Rumpold all ihre Leistungen für die FPÖ immer ordentlich verrechnet?

Wenn der Ausschuss nun gegen manche Schweiger Beugestrafen beantragt, gegen andere aber nicht, dann bekräftigt das aber auch einen ganz anderen Verdacht: Dass nämlich solche Ausschüsse im Gegensatz zu Gerichten völlig ungeeignet zu unparteilicher Wahrheitssuche sind. Und wenn ein Peter Pilz den Vorsitz führt, gilt das doppelt.

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Wieder einmal brechen Vorurteile progressiver Geister zusammen. Diese haben dem Markt ja stets vorgeworfen, dass dort nur der kurzfristige Profit gesucht werde. Nun kauft ein amerikanischer Finanzfonds, also ein Inbegriff des bösen Kapitalismus, Bawag wie Chrysler - und kündigt an, auf jeden kurzfristigen Gewinn zu verzichten. Und beide Male klatscht die Gewerkschaft Beifall.
Wieder einmal erweist sich, dass das (auch von christlichen Exponenten gerne) attackierte Zerrbild des Kapitalismus ein Phantasiegebilde war. Kluge Anleger wollten nämlich immer schon nicht nur drei Monate, sondern drei Jahrzehnte lang etwas von ihrem Geld haben.

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