Gusenbauer bei Niederösterreich-Tag: Berufsmatura bringt mehr Chancen für Lehrlinge

Bundeskanzler bei Telefonsprechstunde mit Bürgern und Arbeitsgespräch bei Landeshauptmann Pröll

St. Pölten (SK) - "Das wäre für mich auch sehr interessant gewesen, wenn es das zu meiner Lehrzeit schon gegeben hätte", so reagierte ein Anrufer auf die Ausführungen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zur "Berufsmatura". Im Rahmen seines Niederösterreich-Tages stand der Bundeskanzler zahlreichen AnruferInnen zur Verfügung, die sich mit innen- und außenpolitischen Fragen bis hin zu ganz persönlichen Anliegen an Alfred Gusenbauer wandten. Im Anschluss an die Telefonstunde ging es ins Niederösterreichische Landhaus, wo Gusenbauer zu einem Gespräch mit NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll zusammentraf. Themen waren die Sicherheitspolitik in Niederösterreich und die Bildungsdiskussion. ****

Die Pläne für eine sogenannte "Berufsmatura" seien weit fortgeschritten, führte Gusenbauer aus. Dabei gehe es darum, dass sich Lehrlinge, die sich im Rahmen der Berufsschule leicht tun würden, jenes Angebot an Stunden in den Kernfächern Englisch, Deutsch und Mathematik zusätzlich machen sollen, das im Unterschied zum Gymnasium fehlt. "Das Ziel ist, dass es gleichzeitig mit dem Lehrabschluss die Matura in diesen drei Fächern gibt und so ein voller Zugang zu den Universitäten und Fachhochschulen möglich ist." Mit einem solchen "direkten Weg" an die Universitäten für Menschen mit Fachausbildung sieht der Bundeskanzler gute Chancen. Möglich sein könnte diese "Berufsmatura" bereits ab dem Herbst 2008.

Gusenbauer ging auch auf weitere Aktivitäten ein, die die Bundesregierung im Bereich der Beschäftigung und der Jugendbeschäftigung setzt. So wird in die Infrastruktur, in die Aus und Weiterbildung und in Forschung und Entwicklung investiert. "Das sind jene Maßnahmen, die in zwei bis drei Jahren zu mehr Arbeitsplätzen führen und die gute wirtschaftlichen Situation, die es augenblicklich gibt, auch verlängern", so Gusenbauer.

Neben der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmungen und der Erhöhung der Pendlerpauschale waren natürlich auch hier die Studiengebühren und die Eurofighter ein wichtiges Anliegen der Anrufer. "Bei den Studiengebühren ist es leider so, dass es keine Mehrheit für eine Abschaffung gab. Das hat die ÖVP in den Koalitionsverhandlungen auch immer klargemacht. Jetzt haben wir die Stipendien erhöht und den Bezieherkreis erweitert. Und wir setzen das Mentoring-Programm um, das sozial sinnvoll ist und mit dem man sich die Studiengebühren ersparen kann. Sobald es aber eine Mehrheit gibt, werden wir die Studiengebühren abschaffen - das bleibt auf der Tagesordnung", so Gusenbauer.

In Bildungspolitik geht es um das Beste für die Kinder, nicht um ideologischen Streit

"Es ist völlig selbstverständlich, dass es eine enge und gute Zusammenarbeit zwischen Niederösterreich und dem Bund gibt. Die Sicherheitsfrage ist hier ein entscheidender Aspekt", betonte Gusenbauer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll. Schengen habe den Sinn, dass eine Zusammenarbeit das Sicherheitsgefühl der Menschen erhöhe und ein gemeinsamer Raum der Sicherheit geschaffen werde. Gerade für Niederösterreich ist dies eine wichtige Frage, da ein langes Grenzstück von der geplanten Schengenerweiterung betroffen ist. "Da gibt es auch wenig zu verhandeln. Entweder die Kriterien werden erfüllt oder nicht. Wenn im Oktober die Entscheidung fällt, dann müssen jene Länder, die beitreten wollen, auch die Bedingungen dafür erfüllen", machte der Bundeskanzler klar.

Natürlich gelte aber auch, dass nicht sofort am Tag nach der Schengen-Erweiterung alle Sicherheitsvorkehrungen abgebaut werden. "Für einen bestimmten Zeitraum wird die Präsenz der Polizeikräfte genauso sein wie davor", so Gusenbauer. Mit Innenminister Platter sei besprochen, dass bis zur Euro 2008 eine sicherheitspolitische Übergangsphase gelte. "Wir kennen alle die Bedürfnisse anderer Regionen, Bundesländer und Städte, die gerne Exekutivbeamte hätten, die aktuell im Grenzeinsatz tätig sind. Diese Überlegungen werden aber erst nach der Euro 2008 angegangen", machte Gusenbauer klar. Denn Sicherheit sei "oberste Priorität und nicht verhandelbar."

"Wir wollen die bestmögliche Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen." Deshalb gelte es nun, die Ergebnisse der Zukunftskommission, die die Problemfelder im österreichischen Bildungssystem aufgezeigt hat, anzugehen und umzusetzen. "Dass wir mehr Chancen für unsere Kinder wollen, ist unbestritten. Strittig war nur die äußere Form", führte Gusenbauer aus. Es werden nun maßgeschneiderte Pakete mit den Bundesländern ausgearbeitet, die auf den Ergebnissen der Zukunftskommission basieren. "Dann werden wir uns zwei Jahre anschauen, wie die Versuche laufen und dann entscheiden, was den besten Erfolg bringt." Es gehe hier nicht um einen ideologischen Streit, sondern darum, dass beste für die Kinder umzusetzen, so Gusenbauer abschließend. (Schluss) js

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