Brauner/Frauenberger: Die Forschung muss weiblich(er) werden!

2 Mio. Euro für Förderung von Frauen in der betrieblichen Forschung

Wien (OTS) - "Gerade in forschungs- und technologieorientierten Unternehmen sind Frauen immer noch mit großen Karrierehürden konfrontiert. Gleichzeitig bleibt dadurch höchst qualifiziertes Arbeitskräftepotenzial ungenützt. Gerade dieser Bereich ist somit ein Paradebeispiel wo mit gezielten wirtschaftspolitischen Maßnahmen steuernd eingegriffen werden kann und muss. Mit dem nun abgeschlossenen zweiten Förderwettbewerb "FemPower Vienna", wollen wir den Frauenanteil in der betrieblichen Forschung von Wiener Unternehmen noch weiter erhöhen. Davon profitieren nicht nur die Frauen selbst sondern das ist auch ein Gewinn für die Wiener Unternehmen", erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Renate Brauner und die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des Förderwettbewerbs im Bürgermeister-Mediengespräch am Dienstag.****

Frauen sind in der Forschungslandschaft auch im Unternehmenssektor immer noch stark unterrepräsentiert: Laut Statistik Austria liegt Österreich mit einem Frauenanteil von 11 Prozent in der betrieblichen Forschung deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 18 Prozent (F&E 2004). In Wiener Unternehmen sei zwar ein positiver Trend zu beobachten "mit rund 17 Prozent Frauen in der betrieblichen Forschung liegen wir zwar deutlich über dem österreichischen, aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt", so Brauner.

Call FemPower Vienna 2007

Das ZIT Zentrum für Innovation und Technologie, die Technologieagentur der Stadt Wien, war mit dem Call "FemPower Vienna" 2004 die erste Förderinstitution Österreichs, die die Repräsentanz von Frauen in betrieblichen Forschungsprojekten unterstützte. Von 26 eingereichten Projekten wurden damals 9 Vorhaben mit insgesamt 1,9 Mio. Euro gefördert. Wien nahm damit die Vorreiterrolle bei der aktiven Förderung von Frauen in der Forschung ein. Im Sinn der Nachhaltigkeit und um den Frauenanteil in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Wiener Unternehmen weiter zu erhöhen, wurde im Herbst 2006 diese erfolgreiche Maßnahme fortgesetzt: Der nun abgeschlossene Call "FemPower Vienna 2007" unterstützt gezielt Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die unter der Leitung oder unter wesentlicher Mitwirkung von Frauen durchgeführt werden. Personalkosten (interne und externe) des Unternehmens sowie Kosten für F&E bezogene Beratungsleistungen sind förderbar. Die Förderungsquote liegt zwischen 25 und 45 Prozent, die maximale Förderungshöhe beträgt pro Projekt 500.000 Euro. Insgesamt standen für den Call 1,9 Mio. Euro zur Verfügung.

Einreichungen Call FemPower Vienna 2007

Bis zum Ende der Einreichfrist am 25. Jänner 2007 wurden 25 Vorhaben von 24 Unternehmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 16,5 Mio. Euro eingereicht. Der Förderwettbewerb stand für alle Themenbereiche offen. Die Bandbreite der Vorhaben reichte von Life Sciences über Informations- und Kommunikationstechnologien, Organisationswissenschaften, Verkehr, Umwelt, bis hin zu Medien und Sprachwissenschaften. Die Vorhaben wurden von einer internationalen ExpertInnenjury unter dem Vorsitz von Ao. Prof.Dr. Andrea Barta anhand eines standardisierten Indikatorenssystems bewertet.

Fördersumme von 1,9 Mio. Euro löst Investitionsvolumen von 8 Mio. Euro aus

Von der Jury wurden 11 Projekte zur Förderung vorgeschlagen. Aufgrund der hohen Anzahl an qualitativ hochwertigen Vorhaben wurde das zur Verfügung stehende Budget von ursprünglich 1,5 Mio. Euro auf über 1,9 Mio. Euro aufgestockt. Das durch die Förderung ausgelöste Investitionsvolumen beträgt rund 8 Mio. Euro. Alle geförderten Projekte werden von Frauen geleitet. Frauen stellen darüber hinaus auch die große Mehrzahl der MitarbeiterInnen in den einzelnen Projekten.

11 geförderte Projekte: Von der Medizin bis zum 3D-Skirennspiel Die Inhalte der geförderten Projekte dominieren entsprechend den Stärkefeldern der Wiener Wirtschaft die Bereiche Life Sciences und IKT. Diese reichen von der Entwicklung innovativer Verfahren zur Diagnostik von Blutgerinnungsfaktoren über die Erforschung von Genen in Tumorzellen bis hin zur Konzeption von speziellen Fersenschaltern für SchlaganfallpatientInnen. Gefördert werden aber auch Vorhaben die nicht aus dem naturwissenschaftlichen Technologiebereich stammen beispielsweise in Bekleidung integrierte Telekommunikationsprodukte oder computergestützte Sprachtrainings. Ein gefördertes Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung einer neuen Methode zur Ermittlung der potentiellen Gefahren von einzelnen Gemeinden in Hinblick auf Erdrutschkatastrophen. Auch die Entwicklung einer Software für Live-Streams von Skirennen wird unterstützt.

Die Siegerprojekte

o 1. Platz: High-Tech-Mode - Telekommunikationsprodukte zum Anziehen

Mit ihren intelligenten und funktionalen High-Tech-Textilien sind das Unternehmen "Urban Tool Design-und Handels GmbH " und die Designfirma "Lösungsmittel" seit drei Jahren weltweit erfolgreich. Bislang gibt es zwei beispielhafte Produkte mit integrierter Technologie, nämlich einen Polster mit "eingebautem Telefon" und ein Laufshirt, an dessen textiler Oberfläche sich der iPod steuern lässt. Bei dem nun geförderten Projekt soll das "Telefonkissen", derzeit ein Funktionsmodell mit einfacher Telefonnutzung, für die Serienreife entwickelt werden. Die Funktionen des iPod-Shirts, die sich noch auf die Steuerung eines Musikplayers beschränken, sollen auf die der Handybedienung ausgeweitet werden.

o 2. Platz: Innovative Hautkrebstherapie

Avir-Greenhills Biotechnology research Trade GmbH ist eines der erfolgreichen Wiener Life Sciences Unternehmen. Das Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung einer neuartigen Therapieschiene für das Melanom. Dabei wird eine aktive Immuntherapie in Kombination mit dem stark immunogen wirkenden Influenzavirus vorgeschlagen.

o 3. Platz: Sprachtest- und Sprachtrainingsverfahren

Sprache nicht sprechen oder verstehen zu können versetzt Menschen in eine unhaltbare Situation der Sprachlosigkeit, welche zu Isolation führt. Diese Situation betrifft MigrantInnen, sprachbeeinträchtigte Kinder und Erwachsene ebenso wie Personen mit Demenz. Ziel des geförderten Projekts von ELA Photo Series ist die Entwicklung eines neuen computergestützten Sprachtest- und Sprachtrainingsverfahrens.

"Kleine" haben große Innovationskraft

Sowohl bei den einreichenden als auch bei den geförderten Unternehmen dominieren kleine und mittlere Unternehmen. 20 Einreichungen kamen von Unternehmen, die weniger als 50 MitarbeiterInnen beschäftigen und 9 der insgesamt 11 geförderten Projekte werden von kleinen Unternehmen umgesetzt. "Wiens "kleine" Unternehmen können sich somit auch hinsichtlich ihrer Innovationskraft mit großen Konzernen messen. Dies unterstreicht erneut die Innovationskraft und die wirtschafts- sowie standortpolitische Bedeutung der "kleinen" Unternehmen in Wien", betont Vizebürgermeisterin Brauner. Drei der geförderten Unternehmen sind darüber hinaus jünger als drei Jahre.

Forschung in Österreich ist deutlich in Männerhand

"Gerade Wissenschafterinnen stoßen ungleich häufiger und heftiger an die berühmte gläserne Decke. Die Forcierung von Frauen in Wissenschaft und Forschung heißt deshalb nicht zuletzt, Frauen beim Einstieg in "frauenuntypische" Berufe zu unterstützen, aber auch bei der Weiterentwicklung in diesen Berufen zu unterstützen: das heißt auch, spezifische Aufstiegs- bzw. Karriereplanung zu bieten", so Stadträtin Frauenberger.

Laut jüngsten Erhebungen über Forschung und Entwicklung (F&E) 2004 in Österreich und Wien von Statistik Austria (Jänner 2007) sind nicht einmal 30 Prozent der WissenschaftlerInnen in Wien weiblich. Wobei die Forscherinnen in Wien bessere Rahmenbedingungen vorfinden als im Bundesschnitt: Österreichweit sind es nur 25 Prozent. Zwar studieren mittlerweile deutlich mehr Frauen als Männer, in die Führungsriege an den Universitäten steigen Frauen jedoch kaum auf. An der Universität sind 63 Prozent der Studierenden Frauen, aber nur 13 Prozent der ProfessorInnen sind Frauen. Besonders wenige Professorinnen gibt es traditionell an den Technischen Universitäten. An der TU Wien ist der Professorinnenanteil mit 6 Prozent niedrig, verglichen mit einem Frauenanteil von 23 Prozent an den Studierenden. Gegenüber dem Jahr 2002 hat sich die Situation für ForscherInnen im Jahr 2004 in Wien verbessert. Die Kopfzahl des F&E-Personals insgesamt ist um fast 10 Prozent gestiegen, die Kopfzahl bei den Akademikerinnen um 8 Prozent. Die höchsten Steigerungsraten gibt es bei der Beschäftigung von Akademikerinnen: 25 Prozent Zuwachs gegenüber 2002. (Schluss) brc

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