Gegen Einbeziehung des Schiffsverkehrs in den Emissionshandel

Wurmböck: Nur ganzheitlicher Ansatz erfolgversprechend - Keine europäischen Alleingänge - Optimierung besser als Co2- Aktionismus

Wien (PWK368) - Die Schifffahrt entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor für die gesamte Europäische Union. Immerhin 90 Prozent des EU-Außenhandels sowie über 40 Prozent des EU-Binnenhandels werden auf dem Seeweg abgewickelt, so Hans-Georg Wurmböck, stellvertretender Obmann des Fachverbandes der Schifffahrtsunternehmungen in der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer der österreichischen Lloyd-Gruppe, Österreichs einziger Hochseereederei.

Der ebenfalls für Herbst angekündigte Vorschlag der Kommission, die Schifffahrt in den Emissionshandel einzubeziehen, dürfe jedoch nicht zu Aktionismus verkommen, so der Experte: "Der Schiffsverkehr verursacht nur etwa zwei bis drei Prozent der globalen CO2-Emissionen. Die Schifffahrt wird ihren Beitrag zur Senkung der Emissionen leisten. Hier benötigt man jedoch weltweit verbindliche, den Wettbewerb nicht verzerrende Regelungen. Nur weltweit einheitliche Regelungen können zu der gewünschten Reduktion der CO2-Emissionen führen". Das müsse in der Internationalen Maritimen Organisation (IMO), einer UN-Agentur mit Sitz in London, geregelt werden, stellt Wurmböck fest.

Einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Emissionen leisten umweltfreundliche Schiffsmotoren sowie innovative Schiffstreibstoffe und Antriebe. Ebenso positiv ist in Zukunft der Einsatz von Schiffsdiesel statt Schweröl.

Klimaschutz lasse sich nicht nur über restriktive Maßnahmen erreichen. Vielmehr gelte es, so Wurmböck, die Potenziale des Verkehrsträgers Seeschifffahrt zu nutzen. Über einen effizienteren Güterumschlag, verbesserte Hinterlandanbindung und die optimierte Einbindung in die Logistikketten könne der vergleichsweise umweltfreundliche Seetransport seine Rolle im "Modal Split" stärken. Weitere Bemühungen zur Optimierung der Ökobilanz der Seeschifffahrt schließe das nicht aus. Auch angesichts erheblicher Kostensteigerungen und Kapazitätsengpässe im Straßengüterverkehr gewinne die Verkehrsverlagerung auf die Wasserstraßen an Bedeutung.

Die Schifffahrt ist, wie der Branchensprecher hervorhebt, der sicherste und umweltfreundlichste Verkehrsträger. Weder Flugzeug noch Bahn oder Lkw könnten auch nur annähernd die gleiche Leistungseffizienz wie die Schiffe erbringen. Nach Angaben von NTM (Schwedisches Netzwerk für Verkehr und die Umwelt) liegen die CO2-Emissionen eines Frachters über 8.000 tdw bei 15 Gramm per Tonnen-Kilometer, eines Frachters zwischen 2.000 und 8.000 tdw bei 21, eines Lastwagens mit Anhänger bei 50 und die eines Frachtflugzeuges (747-400) bei 540. Auch bei einer Gesamtbetrachtung von CO2-Emissionen schneidet die Schifffahrt mit einem Anteil von 2,7 Prozent besser ab als andere Verkehrsträger.

Die Strategie der künftigen Meerespolitik der europäischen Gemeinschaft müsse die internationale Schiffssicherheitsorganisation IMO als zentrale Institution zur Festlegung der allgemein verbindlichen Standards für die Seeschifffahrt anerkennen und auf abweichende regionale Instrumente verzichten. Die EU-Meerespolitik sollte akzeptieren, dass die Standards des globalen Verkehrsträgers Schifffahrt nicht allein von Europa bestimmt werden können. Aus Sicht der Branche ist es nicht erforderlich, die Gemeinschaft als Vertragspartei mit Sitz und Stimmen in der IMO zu etablieren. Vielmehr sollten die einzelnen Mitgliedsstaaten mit Sitz und Stimme in der IMO vertreten sein. Europa hat mit den koordinierten Stimmen seiner 27 Mitgliedstaaten schon heute ein maßgebliches Gewicht in der IMO und kann moderne Übereinkommen gegenüber jenem Schiffsverkehr durchsetzen, der mit europäischen Häfen abgewickelt wird (hp).

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