BZÖ-Petzner: Zwölf Punkte für Europa! - Ein politisches Plädoyer für den Eurovision Song Contest

Gastkommentar des geschäftsführenden BZÖ-Landesparteiobmannes von Kärnten

Klagenfurt (OTS) - Im Folgenden wird ein in der heutigen Ausgabe
der Tageszeitung "Der Standard" erschienener Gastkommentar des geschäftsführenden Landesparteiobmannes der Freiheitlichen in Kärnten-BZÖ, Stefan Petzner, veröffentlicht, in welchem Stefan Petzner die große Bedeutung des Song Contest und dessen politischen Auftrag in Vergangenheit und Gegenwart offen legt, dem folgend die Kritiker des Song Contest verurteilt und in einem flammenden Appell den Weiterbestand des Wettsingens für Europa fordert:

Zwölf Punkte für Europa

Sie fragen, warum ich mich zu einem so unwesentlichen Thema wie dem Song Contest äußere? Erstens, weil ich ein bekennender "Song Contestler" bin. Zweitens, und das ist viel wesentlicher, weil der Song Contest, was die wenigsten wissen, ein Politikum war und nach wie vor ist. Ich äußere mich, weil vor diesem politischen Hintergrund die Darstellung des Song Contest durch Medien, Journalisten, Musikexperten und nicht zuletzt auch durch den ORF als peinlich-skurrile Beleidigung für Aug und Ohr nicht nur ungerechtfertigt, sondern gefährlich ist und weil sich der Song Contest das alleine seiner Geschichte wegen nicht verdient hat.

Diese Geschichte des Song Contest beginnt im zerbombten, zerrissenen, verfeindeten und in die politischen Systeme der westlichen Demokratien und des östlichen Kommunismus geteilten Europa. Damals, Mitte der Fünfzigerjahre, wurde der Song Contest von zwei kecken Programmentwicklern im Auftrag der EBU (European Broadcasting Union, ein Zusammenschluss von europäischen Fernseh- und Rundfunkanstalten) erfunden. Nicht ahnend, dass sich dieser Song Contest zum ältesten TV-Format der Welt und zur erfolgreichsten TV-Sendung Europas mit über 300 Millionen Zusehern entwickeln sollte.

Das war ursprünglich auch gar nicht geplant und der Erfolg des Song Contest hat wohl dessen Erfinder selbst am meisten überrascht. Denn das Motiv für Erfindung und Austragung des Song Contest liegt weder in Quotengeilheit und schon gar nicht in der Geldgier der Musikindustrie, sondern vielmehr in der Politik.

Die Erfinder des Song Contest hatten eine große Vision: dieses zerbombte, zerrissene, verfeindete und geteilte Europa wenigstens für einen einzigen Abend, aber das vor den Augen der ganzen Welt, in Frieden und Freundschaft zu vereinen, die Grenzen und die Mauern zu überwinden, Hass, Wut und Schmerz in den Herzen der Menschen zu besiegen. Ein für die damalige Zeit unerfüllbar scheinender Auftrag. Wäre da nicht sie gewesen. Die Musik. Nur sie konnte schaffen, wozu der Mensch nicht imstande war. Auf die Kraft der Musik bauend, haben die zwei beauftragten Programmentwickler den Song Contest als friedliches Wettsingen ersonnen.

Im Jahr 1956 - nur elf Jahre nach Ende des Weltkrieges - fand so der erste Song Contest in der, nun wissen sie warum, neutralen Schweiz statt. Und er hatte Erfolg. Er ließ die große Vision Wirklichkeit werden und erfüllte seinen politischen Auftrag bravourös.

Von diesem politischen Motiv eines durch die Kraft der Musik befriedeten und vereinten Europas ausgehend, trat der Song Contest den größten Siegeszug eines TV-Formates aller Zeiten an. Manche TV-Formate überleben im täglichen Quotenkampf nicht einmal die ersten Monate, das TV-Format Song Contest hingegen ist ein Straßenfeger und das seit mittlerweile mehr als fünfzig Jahren. Alleine diese Tatsache spricht neben der großen politischen Leistung für den Song Contest.

Für den Song Contest sprechen auch die Musikhits und Stars, die er hervorgebracht hat. In den Glanzzeiten des Wettsingens, den Sechziger- und Siebzigerjahren, garantierte ein Sieg einen Nummer-eins-Hit in ganz Europa und mit etwas Geschick eine musikalische Weltkarriere. Die wenigsten etwa wissen, dass niemand geringerer als Celine Dion ihre Weltkarriere mit einem Song-Contest-Sieg startete, nämlich im Jahr 1988 für die Schweiz mit dem Chanson "Ne partez pas sans moi". Andere Stars, die der Song Contest geboren hat sind etwa Udo Jürgens (1966, Merci Chérie), Abba (1974, Waterloo), oder Vicky Leandros (1972, Après toi).

() Sinnkrise . . .

Heute befindet sich der Song Contest zwar nicht in der Quotenkrise, aber in einer veritablen Sinnkrise, die wiederum politisch gesehen Sinn macht. Diese Sinnkrise hatte ihren Ausgang Ende der Achtzigerjahre. Und so wie der Song Contest aus politischen Motiven heraus geboren wurde, sind es neben zwei schweren Fehlentscheidungen der EBU auch politische Gründe, die zum Niedergang des Song Contest führten. Die erste Fehlentscheidung der EBU liegt in der im Jahr 1998 aufgehobenen Regel, dass jedes Lied in der jeweiligen Landessprache vorgetragen werden muss. Damit hat der Song Contest seinen Charme und sein Flair verloren. Die zweite und wohl schwerwiegendste Fehlentscheidung liegt im ebenfalls 1998 begonnenen Umstieg vom Voting durch eine Fachjury auf das Tele-Voting durch die Zuseher.

Das Tele-Voting nämlich und die wiederum politisch einhergehende Ausweitung des Teilnehmerfeldes auf die zahlreich neu entstandenen Staaten der ehemaligen UdSSR und des ehemaligen Jugoslawiens führten zu einer unfairen Verzerrung des Wettbewerbs. Denn die seit den 50er-Jahren bestehende Regel, wonach die Stimmabgabe für den eigenen Beitrag nicht zulässig ist, wird durch das Tele-Voting und die Teilnahme dieser Staaten sowie die Migration ihrer Einwohner unterlaufen. Einfach gesagt: Ostblockstaatler und Balkanstaatler rufen für Ostblockstaaten und Balkanstaaten an, womit immer Länder aus diesen Regionen gewinnen und Siege von nord- bzw. westeuropäischen Staaten unmöglich sind. Aber wie der diesjährige Sieg Serbiens zeigt, liegt gerade darin Sinn und erfüllt der Song Contest seinen ureigensten Auftrag. Warum? Stellen Sie sich vor, Sie sind stolzer Serbe, wissen aber, dass ihr Land wegen der Balkan-Kriege in der ganzen Welt verhasst ist. Und nun wird ausgerechnet Serbiens Lied zum besten Europas gekürt, gewählt und siegt gegen 23 europäische Mitbewerber!

(). . . die Sinn macht

Man stelle sich vor, was dieser Sieg für die Menschen Serbiens bedeutet. Noch dazu, wo Serbien ausgerechnet von den ehemaligen Kriegsgegnern am Balkan die Höchstpunktzahl zugesprochen bekam! Heute sind es diese politischen Nobodys und Outlaws wie Serbien oder die Ukraine, die den Song Contest dominieren und gewinnen. Und das ist gut so. Für diese Länder mit ihren schwachen und unterentwickelten Demokratien, ihren von Kriegen zerrütteten und in bitterer Armut lebenden Menschen gleicht ein Song-Contest-Sieg einem Triumph über sich selbst und einem Sieg über Arroganz und Abgehobenheit der reichen West- und Nordstaatler.

Deswegen muss der Song Contest überleben, weil sein politischer Auftrag noch nicht erfüllt ist! Deswegen müssen die magischen "Twelve points" auch in Zukunft vergeben werden!

(Schluss)

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