WirtschaftsBlatt Kommentar vom 15. 5. 2007: Schluss mit der Mogelpackung für Mitarbeiter - von Arne Johannsen

Aufschwung muss auch ausserhalb der Chefetagen spürbar sein

Wien (OTS) - Es ist wie bei Halbe-halbe im Haushalt: Niemand ist dagegen, die Hausarbeit gerechter zwischen Frau und Mann aufzuteilen. Dass niemand dagegen ist, heisst aber noch lange nicht, dass auch viele wirklich aktiv dafür sind. So ähnlich wie in Österreichs Küchen geht es beim Thema Mitarbeiterbeteiligung in Österreichs Betrieben zu: Alle sind dafür, doch nur wenige setzen die gelobte Idee wirklich in die Tat um.

Die Gewinne vieler Unternehmen sind in den vergangenen Jahren explodiert. Auch Aktionäre an der Börse haben gut verdient, und die Einkommen vieler Manager sind dank Prämien und Optionsprogrammen kräftig gestiegen - in den meisten Fällen zu Recht, haben die Chefs doch gute Arbeit geleistet. So weit ist alles wunderbar, wären da nicht die Realeinkommen der Beschäftigten. Und die sind, bereinigt um die Inflation, in den vergangenen Jahren gesunken. Höchste Zeit also, dafür zu sorgen, dass der Wirtschaftsboom auch ausserhalb von Chefetagen und Aktionärsversammlungen spürbar wird.

Die aktuelle Diskussion um einen Ausbau der Mitarbeiterbeteiligung, angestossen von Finanzminister Wilhelm Molterer, ist daher mehr als notwendig, hinkt Österreich im internationalen Vergleich doch hinten nach. Doch schon zeigt sich, dass hinter dem Mäntelchen "Mitarbeiterbeteiligung" ganz andere Dinge stecken: Einmal soll der Belegschaft die Privatisierung schmackhaft gemacht werden (wie zuletzt bei der Post), einmal soll eine Mitarbeiterstiftung zum strategischen Aktionär aufgebaut werden, um feindliche Übernahmen zu erschweren (wie bei der Voest).

Kanzler Alfred Gusenbauer sieht die Gewinnbeteiligung als Grundlage einer Betriebsrente, was Vorsorge- und Pensionskassen freut, weil sie sich davon Geschäft erwarten. Die Gewerkschaften fürchten, dass erfolgsabhängige Zahlungen die Kollektivvertrags-Löhne drücken könnten. Und wenn Börse-Chef Heinrich Schaller eine Erweiterung der Steuerbefreiung fordert, denkt er dabei vor allem an eine Belebung der Wiener Börse.

Das ist alles legitim, wird dem Thema aber nicht gerecht. Eine Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmenserfolg ist überfällig, es muss ja nicht gleich Halbe-halbe sein. Die Unternehmen, die bereits solche Modelle praktizieren, sind damit durchwegs zufrieden, weil die Motivation steigt und die Fluktuation sinkt, was angesichts des drohenden Facharbeitermangels keine Nebensächlichkeit ist.

Österreichs Mitarbeiterbeteiligung ist eine Mogelpackung, hat die "Neue Zürcher Zeitung" kürzlich geschrieben. Es wäre an der Zeit, zu beweisen, dass die Schweizer Kollegen damit falsch liegen.

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