Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Bock als Gärtner

Wien (OTS) - Die Amerikaner haben als Weltpolizist versagt. Aber
was kommt an ihrer Stelle?

Auf diese zwei Sätze lässt sich die Weltlage komprimieren. Ein Weltpolizist, der sich demütigen lassen muss, ist jedenfalls unbrauchbar. Die Amerikaner haben den Irak-Krieg militärisch verloren. Sie sind überdies beim Bluffen und Schwindeln in Hinblick auf die Kriegsmotive erwischt worden. Damit ist sowohl die militärische wie auch die moralische Autorität der Vereinigten Staaten kaputt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sie weiterhin mehr für Rüstung ausgeben, als die zehn nach den USA meistgerüsteten Länder der Welt zusammen.

Viele freuen sich über diesen Bedeutungsabbau Amerikas, der weit über George W. Bushs Abenddämmerung hinausgeht. Diese Freude ist aber sehr kurzsichtig. Denn die Abschreckungskraft der USA ist unersetzbar. Sie hatte vor dem Irak ja auch meistens sehr lobenswerten Zwecken gedient. Für Österreich besonders wichtig war der amerikanische Einsatz zur Beendigung der Kriege in Bosnien und Kosovo (samt hunderttausendfacher Flüchtlingsnot). Aber auch Taiwan oder Südkorea haben den USA ihre Sicherheit - und eindrucksvolle Prosperität - zu verdanken.

Nun wollen uns ein paar Diplomaten und Völkerrechtler einreden, dass es zum Schutz des Weltfriedens ohnedies die UNO gebe. Ein gewaltiger Irrtum. Denn die UNO ist absolut überfordert.

Das spüren derzeit etwa die Opfer des Völkermords im Sudan. Die dortigen Massenmorde werden zwar regelmäßig verurteilt, relevante Hilfe kommt aber keine. Noch viel schlimmer: Russland und China sind die Hauptwaffenlieferanten des Sudans, zwei jener fünf privilegierten UNO-Mitglieder, die mit ihrem Vetorecht im Sicherheitsrat jede friedensrelevante Aktion blockieren können. Aber auch auf jenen Ebenen, wo die minderwichtigen Mitglieder agieren, wird der Friedensauftrag der UNO verhöhnt: So haben die afrikanischen Ländern nun ausgerechnet Zimbabwe als ihren Vertreter in die UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung nominiert, also jenes einst blühende und Kornkammer Afrikas genannte Land, das Robert Mugabe mit Not, Terror und Hunger überzogen hat.

Wir alle wollen Frieden. Ein naives Europa verlässt sich aber auf total ungeeignete Friedenshüter.

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