"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum auch der reformierte ORF-Stiftungsrat in Gefahr ist" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.05.2007

Graz (OTS) - Der stets besonnene ORF-Stiftungsrat Franz Küberl sieht alte Zeiten auferstehen: "Die Parteien haben den ORF als Aufmarschgebiet offenbar nicht vergessen", seufzte er gegenüber der Austria Presse Agentur.

Und Klaus Pekarek, nicht minder maßvoller Ratsvorsitzender, mahnte:
"Der Programmbereich eignet sich nicht für politische Diskussionen". - Heute trifft sich das Gremium zur Krisen-Klausur.

Die beiden Räte, definitiv dem bürgerlichen Lager zuzurechnen, reagierten damit auf heftiger werdende Attacken der ÖVP auf Alexander Wrabetz und Programmdirektor Wolfgang Lorenz. VP-Chef Wilhelm Molterer forderte sogar die Wieder-Durchschaltung der ZiB 1 um 19.30 Uhr.

Wrabetz und Lorenz ist in der Tat bisher einiges fehlgegangen. Aber nun könnte es sein, dass ihnen die Parteivertreter auf diesem Weg folgen.

Nüchtern gesagt ist bisher Folgendes passiert: Die Nachrichten- und Informationssendungen des ORF haben durch die Bank an Attraktion gewonnen. Ein paar neue Formate haben erwartbare Anlaufschwächen. Das "Extrazimmer" zum Beispiel. Und einige müssen wohl massiv re-reformiert werden, einige gar entsorgt.

Zuvorderst die werktägliche Soap "Mitten im 8en", für die das Unternehmen alle zu Verfügung stehenden schreiberischen Ressourcen ausschöpfen muss. Das kann dauern.

Man sollte erwähnen, dass der ähnlich positionierte RTL-Endloserfolg "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (bisher 15 Jahre) ganze 150 Folgen benötigte, um die erhoffte Mindestquote, von unten kommend, zu erreichen. Und auch der legendäre Club2 dämmerte eine Zeit lang vornehm vor sich hin, bevor ihn diverse "Skandale" in die Schlagzeilen der Presse und ins Interesse einer größeren Minderheit rückten.

Das ist keine Verteidigung von Wrabetz und seinem Team, das sind Fakten.

Der General ist ohnedies damit gestraft genug, dass der ORF in der werberelevantesten Zeit derzeit um die 200.000 Seher als vermisst melden muss. Deshalb wird die Branche demnächst die Senkung der Tarife verlangen. Und die Politik hat ihm eine Gebührenerhöhung bereits außer Reichweite gerückt. - Eine veritable Zwickmühle.

Was bleibt, ist die Verpflichtung, die momentanen Schwächen zu analysieren, falsche Trends zu eliminieren und den Rest zu reparieren. Das, nicht mehr und nicht weniger ist vom ORF und seinem Stiftungsrat gefordert. Sonst war die Reform dieses Gremiums noch erfolgloser als die des ORF. ****

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