"Oberösterreichische Nachrichten"-Kommentar von Gerald Mandlbauer: In der Epoche des Hackschnitzels

Ausgabe vom 12.5.2007

Linz (OTS) - Wie so vieles bringt der Klimawandel auch die Gemeindeoberen in Wallung. Deren kommunales Investitionsverhalten folgt, wie wir leidvoll wissen, Zyklen und Moden. Auf Jahre des Bäder-Rausches folgte das Musikschulfieber, die Blütezeit von Asphaltbahnen, Kletterwänden und teurer Zeughaus-Architektur, neuerdings sind wir in eine grüne Phase eingetreten: Wir leben in der Frühzeit der Hackschnitzelepoche. Eine Biomasseanlage im Ort gilt derzeit als höchster Orden auf der Bürgermeisterbrust.
Dahinter steht eine grundvernünftige Erkenntnis: Biomasse soll fossile Energieträger ersetzen und die Klimakatastrophe abwenden, die Bauern sind die künftigen Ölscheichs, ihre Wälder ersetzen Saudi-Öl und Putin-Gas. Holz und Pflanzen können während ihrer Verbrennung nur jenes CO2 freisetzen, das sie zuvor aufgenommen haben. Wärme und Strom werden in dezentralen Netzwerken gewonnen, Arbeitsplätze entstehen, Emissionen verschwinden. So weit, so großartig, die Euphorie ist verständlich.
Jede Begeisterung trägt allerdings den Beigeschmack der Übertreibung und eines beinahe religiösen Wahns. Entstanden ist das Biomassefieber, weil Politiker es befeuern. Wer 20 Jahre mit Sperrmüll heizt, kriegt Bares. Die Verbrennung von Holz ist nur dann klimaneutral, wenn der Baumbestand dadurch nicht reduziert wird. Weil Biomasse endlich ist, steuern wir auf Engpässe und Importe zu. Nicht jedes Biomassewerk ist damit grün, von rentabel nicht zu reden. Leitungen werden redundant verlegt, bestehende Anlagen vorzeitig stillgelegt, um die Hackschnitzeloffensive zu rechtfertigen. Holz muss importiert werden.
Deswegen müssten Biomasseprojekte mindestens dreimal auf folgende Probe gerechnet werden: Sind die Förder-Euros dabei optimal investiert? Wäre dem Klima nicht anderweitig besser geholfen? Ist es nicht klüger, um denselben Betrag Altbauten zu sanieren? Wenn Sie unbedingt als Frevler und Ketzer gelten wollen, dann stellen Sie diese Fragen einmal öffentlich.

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