EU-Getreidemarkt nach Regen weiterhin knapp versorgt

Differenzen bei Beurteilung der Niederschläge und der Preisvorstellungen für die Ernte 2007

Brüssel/Paris/Sofia/Kiew/Wien (AIZ) - Der Markt für die alte Ernte 2006 scheint ausgelaufen und das Kursblatt der Wiener Produktenbörse präsentiert sich schon ziemlich abgeräumt. Hinter den Kulissen laufen aber schon die Gespräche zwischen Handel und Verarbeitern über die Preisvorstellungen für die kommende Ernte 2007. Diese scheinen noch deutlich auseinanderzuliegen. Ausschlaggebend für die jeweiligen Preisvorstellungen dürfte auch die Einschätzung der Folgen der Rekordtrockenheit und Wärme im April dieses Jahres und der weiteren Aussichten für die Entwicklung der Bestände bis zum Sommer sein. Hier sind in ganz Europa die Meinungen geteilt, ob der Regen der letzten Tage ausreichte. In vielen Gegenden wie zum Beispiel in den zentralen französischen Getreidebauregionen fiel sogar überhaupt kein Niederschlag. Neu erwachte Besorgnis ließ nach einem Durchhänger der Getreidenotierungen an der Pariser MATIF in der ersten Wochenhälfte am Donnerstag die europäischen Getreidefutures wieder anziehen. Die Warenbörsennotierungen und Kassapreise hielten sich mangels Abgabebereitschaft der Halter von Restbeständen der alten Ernte überhaupt fest oder steigend.

Am Weltmarkt standen die Weizenpreise an den US-Börsen dieser Tage zum ersten Mal seit Wochen wieder unter Druck. Soft red winter fiel nach Angaben der Europäischen Kommission gestern im Verwaltungsausschuss in Brüssel gegenüber der Vorwoche um USD 3,50 (EUR 2,60) pro t und notierte am Donnerstag bei USD 180,40 (EUR 133,83) pro t fob Golf. Hard red winter verbilligte sich um USD 5,50 (EUR 4,08) pro t auf USD 200,84 (EUR 148,99) pro t fob Golf. Nur der argentinische Plataweizen hielt sein hohes Niveau und kostete am Donnerstag USD 215,50 (EUR 159,87) pro t fob. Der US-Dollar hat sich gegenüber dem Euro leicht erholt (11.05.2007: USD 1,- entspricht EUR 0,74 beziehungsweise EUR 1,- entspricht USD 1,35) und verbesserte damit die Absatzmöglichkeiten der Händler aus der EU auf dem Weltmarkt.

Differenzen bei Beurteilung der Niederschläge und der Preisvorstellungen für die Ernte 2007

Die Niederschläge der letzten Tage waren europaweit und in Österreich regional sehr unterschiedlich verteilt, kamen jedoch laut Experten zumindest in Österreich hoch willkommen gerade noch zeitgerecht im letzten Augenblick. Mit diesen Niederschlagsmengen soll es aber für die Getreidebestände, den Mais, die Rüben und für das Grünland noch nicht getan sein. Auf schweren Böden soll der Regen zumindest die Chance auf eine Durchschnittsernte von Winterweizen vorerst bewahrt haben können und selbst bei der Sommergerste, wie für die Braumalzherstellung, wo die größte Sorge herrschte, bestehe noch die Möglichkeit, dass sich die Bestände halbwegs erfangen.

Somit sind die Preisvorstellungen für die neue Ernte von zwei unterschiedlichen Positionen geprägt: von der, die die Niederschläge als ausreichend und die Dürresituation nicht so dramatisch sieht, und von jener, die weiterhin Sorge um die zu erwartenden Erträge 2007 hegt.

Aus Bulgarien etwa hieß es dieser Tage, ohne baldige Niederschläge könnten rund 40% der diesjährigen Weizenernte verloren gehen. Dann könnte Bulgarien lediglich 2,2 bis 2,5 Mio. t Weizen einbringen, während in den zurückliegenden fünf Jahren die Ernten zwischen 3 und 4 Mio. t lagen, berichtet der ukrainische Agrarinformationsdienst APK-Inform unter Berufung auf den Leiter des bulgarischen Getreideproduzenten-Verbandes, Krasimir Abramov. Stark betroffen von der Trockenheit ist das bedeutendste Anbaugebiet im Nordosten des Landes, die Dobrudscha. Hier blieben Niederschläge seit fast sieben Wochen aus. Deutliche Ernteausfälle werden auch in den Regionen Vidin, Vraca und Knesha erwartet.

Nordafrika braucht Getreide - EU-Export nimmt etwas Fahrt auf

Der Export von Getreide aus der EU hat wieder etwas Fahrt aufgenommen. Besonders die nordafrikanischen Länder haben Bedarf. Sogar deutsche Händler könnten an Drittlandsexporten beteiligt sein. Zumindest wurden zwischen dem 02.05. und dem 07.05.2007 für 51.000 t Weizen Exportlizenzen aus Deutschland in Brüssel nachgefragt. Aus Frankreich wurden im gleichen Zeitraum Exportlizenzen für 38.000 t Weizen beantragt. Die EU-Kommission berichtete im Verwaltungsausschuss, aus Frankreich seien 25.000 t Weizen an Algerien verkauft worden. Der Preis zur Lieferung im Mai soll bei USD 251,25 (EUR 186,39) pro t cif gelegen sein. Weiters sollen 5.000 t Weizen zu USD 251,- (EUR 186,20) pro t cif aus Frankreich an Marokko gehen. Auch aus Russland und der Schwarzmeerregion berichtete die Kommission von neuen Geschäftsabschlüssen. Tunesien kaufte aus der Schwarzmeerregion 42.000 t Weizen zu USD 249,55 (EUR 185,13) pro t cif zur Lieferung im Juni. Für eine Lieferung von 115.000 t Weizen aus Russland und Kasachstan an Ägypten nannte die Kommission einen Preis von USD 184,- (EUR 136,50) pro t fob. Die Kommission vermutet, dass sich der Importbedarf an Getreide von Marokko von 1,6 Mio. t in diesem Wirtschaftsjahr auf rund 3 Mio. t im kommenden Jahr erhöhen wird. Marokko und Jordanien sollen in dieser Woche eine Einkaufsausschreibung über jeweils 100.000 t Gerste eröffnet haben.

Interventionsverkauf: Nachfrage nach Weizen lässt nach

Die EU verkaufte diese Woche insgesamt 100.449 t Interventionsgetreide auf den Binnenmarkt, davon 23.197 t Weizen, 8.915 t Gerste, 65.800 t Mais und 2.537 t Roggen. Die Nachfrage nach Weizen aus deutschen Interventionsbeständen lässt nach. In der Ausschreibung für Interventionsweizen sind noch rund 70.000 t übrig. Von den bisher verkauften Weizenmengen im Rahmen der Binnenmarktausschreibung blieben mehr als 0,5 Mio. t Weizen trotz des Besitzerwechsels im gleichen Lager liegen. Von Geboten über nur noch 30.516 t erhielten gestern 19.921 t den Zuschlag. Die Kommission legte den Mindestpreis für den deutschen Interventionsweizen auf EUR 148,- pro t fest, in der Vorwoche waren es EUR 148,04 pro t. Für 3.276 t ungarischen Interventionsweizen waren mindestens EUR 125,30 pro t hinzublättern. An Mais wurden aus ungarischer Intervention 65.800 t zugeschlagen, der Mindestpreis betrug EUR 116,11 pro t.

EU-Getreidehändlerverband COCERAL mit neuem Präsidenten

COCERAL, der europäische Dachverband des Getreidehandels, hat einen neuen Präsidenten. Der Franzose Jean Michel Aspar, bisher Vizepräsident, wurde für zwei Jahre zum neuen Präsidenten gewählt. Der studierte Agronom arbeitet seit 1978 für das französische Handelshaus Louis Dreyfus. Aspar beteiligt sich seit Jahren in verschiedenen Gremien an der Verbandsarbeit in Brüssel.
(Schluss) mö/pom/pos

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