"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bei großen Deals ist Stronach zur rechten Zeit am rechten Ort" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 11.05.2007

Graz (OTS) - Ein Leitsatz, betont Frank Stronach, regiert sein
Leben - die "goldene Regel". Der Inhalt ist verständlich verpackt:
"Wer das Gold hat, macht die Regel." Der Werkzeugmacher aus Kleinsemmering im Bezirk Weiz, der von Kanada aus ein weltumspannendes Netz an Autozulieferbetrieben geknüpft hat, ist mit diesem Lebensmotto nie schlecht gefahren. Nicht einmal zur Zeit der schlimmsten Krise für den Magna-Konzern im Jahr 2000, als sechs Werke zugesperrt und 26.000 Mitarbeiter gekündigt werden mussten. Mit Verhandlungsgeschick, Machtbewusstsein und Verbindungen meisterte Stronach jede Situation, er hat die Gabe, zur rechten Zeit am rechten Ort die richtigen Leute zu treffen.

Mit Oleg Deripaska, einem der reichsten Russen, gelang Stronach ein sehenswerter Fang. Deripaska schießt Geld bei Magna ein, erweitert den finanziellen Spielraum. Stronach kann sich gestärkt dem Thema widmen, den US-Autokonzern Chrysler vielleicht doch zu kaufen. Die 3,3 Milliarden Euro, die für Chrysler geboten werden, sind nicht die Frage.

Beim Kauf des österreichischen Steyr-Konzerns Im Frühjahr 1998 legte Stronach erst einmal 3,5 Milliarden Schilling (knapp 255 Millionen Euro) hin. Innerhalb einiger Monate wurden bis auf die Autoproduktion in Graz so gut wie alle wichtigen Konzernbereiche abgegeben. Schlussendlich zahlte Stronach für Steyr nach Berechnungen von Experten kaum mehr als 800 Millionen Schilling (rund 58 Millionen Euro). Der Verkauf von Steyr an Magna wurde von der Politik unterstützt, Stronach bootete damals Hannes Androsch aus.

Bei Chrysler könnte der geplante Kauf ähnlich abgewickelt werden. Nur dürfte in diesem Fall der Russe Deripaska zum Problem werden. Deripaska bekommt bei Magna 20 Prozent der Anteile und gleich viele Stimmrechte wie Stronach, nämlich 43 Prozent. Das US-Außenministerium hat gegen Deripaska wegen des Verdachts von Kontakten zur Mafia ein Einreiseverbot verhängt.

Deripaska gibt sich jedoch nicht mit der Rolle eines stillen Geldgebers zufrieden. Der machtbewusste Russe wird bei Magna kräftig mitregieren. Das kann heißen, dass künftig in Russland vermehrt Zulieferwerke und Standorte für die Autoproduktion gebaut werden. Die Löhne sind niedrig, die Kosten gering. Ob dadurch Jobs in Magna-Werken verloren gehen, kann heute niemand sagen. Kurzfristig werden die Konzern-Standorte eher mit mehr Geschäft rechnen dürfen. Ganz einfach, weil auch aus Russland Aufträge kommen werden. ****

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