WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11. 05. 2007: Der Magnat und Magna - was der Deal bringt - von Wolfgang Unterhuber

Durch die Hintertür könnte Deripaska bei Chrysler mitreden

Wien (OTS) - Welche Folgen hat der Einstieg des russischen Milliardärs Oleg Deripaska bei Frank Stronachs Magna-Konzern? Das Sagen bei Magna hat weiterhin Stronach. Sofern er von seinen Konzernchefs Siegfried Wolf und Don Walker unterstützt wird. Sollten die beiden einmal "umfallen", geschieht mit Magna das, was Deripaska will. Aber das ist wohl nur Theorie.

Für Magna heisst das Ganze: Vollgas in Russland. Mit 147 Autos pro 1000 Einwohner, so schätzt die Weltbank, ist Russland, abgesehen von Sankt Petersburg und Moskau, in puncto Autos ein Entwicklungsland. Kein Wunder, dass die Zahl der Autoverkäufe steigt. 2005 wurden 1,6 Millionen Neuwagen verkauft, 2010 werden es 1,8 Millionen sein.

Der Anteil ausländischer Automarken steigt dabei überproportional. Für Magna ist das eine Riesen-chance. Eine Chance, die Stronach und sein Alter ego, Siegfried Wolf, bereits erkannt haben. Mit dem russischen Autobauer AvtoVAZ baut Magna eine Autofabrik in Südrussland. Und mit GAZ, jenem Autohersteller, der unter Deripaskas Kontrolle steht, wird man in Nishnij Novgorod eine Fabrik für Autoteile bauen. GAZ entwickelt auf Basis von Chrysler-Modellen (was für ein Zufall) Autos für den russischen Markt. Das eröffnet neue Perspektiven für Magna Steyr.

Dort gibt es das entsprechende Know-how, um "Entwicklungshilfe" in Russland zu leisten. Nebenbei schaut dann vielleicht auch der eine oder andere Auftrag heraus. Und welchen Sinn macht das Ganze für Deripaska? Wie bei der Strabag, wo er jüngst mit 30 Prozent einstieg, kann er jetzt auch bei Magna auf westliches Know-how zurückgreifen und für seine branchenspezifischen Konzerne in Russland eine technologische Aufrüstung vornehmen.

Ein Aspekt mag auch sein, dass es als russischer Oligarch klug ist, im Westen eine Firmenreich aufzubauen. Denn in Russland wird im kommenden Jahr ein neuer Präsident gewählt. Da gilt es, sich abzusichern, falls man mit Putins Nachfolger vielleicht nicht mehr so gut kann wie mit dem jetzigen Kreml-Herrn (das wäre auch schlecht für Magna und die Strabag).

Geht alles gut, wird Deripaska durch die Hintertür übrigens auch bei Chrysler mitreden können. Mit dem Oligarchen wird der Chrysler-Deal für Stronach jedoch nicht einfacher. Für viele amerikanische Politiker und Entscheidungsträger in der Wirtschaft ist der Russe ein rotes Tuch. Denn Deripaska wurde sogar schon vom FBI verhört - wegen angeblicher Verbindungen zur Mafia.

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