Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Ausverkauf

Wien (OTS) - Ausverkaufsstimmung: Nicht anders kann man den
Eindruck beschreiben, den Österreichs Wirtschaft derzeit vermittelt. Knapp nachdem der Einstieg eines russischen Milliardärs mit nicht ganz geklärtem Ruf, aber engen Beziehungen zu Präsident Putin und zum russischen Geheimdienst, beim größten heimischen Baukonzern gemeldet worden ist, bekommt derselbe ehrenwerte Mann beim Weltreich des Austrokanadiers Stronach gleichberechtigt das Sagen. Und am selben Tag wird bekannt, dass das Parade-Unternehmen FACC so dringenden Kapitalbedarf hat, dass es nun sogar einen Verkauf der Mehrheit "prüft". Immerhin sind dort - neben der Familie Fischer - die Herren Scharinger und Androsch tonangebend, die seit Jahren auch zu jedem wirtschaftspolitischen Thema Österreichs den Ton anzugeben versuchen. Noch tun sie freilich so, als ob sie dem ersehnten Käufer noch genaue Vorschriften für die Zukunft machen könnten.

Das alles ist noch kein Anlass zur Panik. Aber sehr wohl zu gründlichem Nachdenken. Warum sind selbst große Firmen so brustschwach, dass sie mehr oder minder dubioser ausländischer Partner bedürfen? Bedenklich stimmt zweierlei: Erstens, dass diese Ausverkaufswelle schon während eines Konjunktur-Booms hochbrandet (was für die nächste Flaute Arges ahnen lässt); und zweitens, dass hierzulande kaum eine seriöse ökonomische Grundsatz-Debatte stattfindet - nämlich eine, die über das ständige Bejammern einer angeblich ständig zunehmenden Armut hinausginge.

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"Wenn es sein muss, schicken wir unsere F-5-Abfangjäger hoch, um den Eindringling in unserem Luftraum abzufangen." Ein SPÖ-Abgeordneter namens Günther Kräuter hat diese ungeheuerlichen Worte ausgesprochen. Und zwar im Hinblick auf die vertragsgemäß anstehende Übergabe der gekauften Eurofighter. Vor zwei Tagen war sein Interview im "Kurier" zu lesen, ohne dass es jenen empörten Widerhall gefunden hätte, den solche Drohungen in einem Demokratie eigentlich auslösen müssten.

Oder halten sich alle, die es gelesen haben, noch immer vor Lachen den Bauch? Nämlich darüber, dass es ausgerechnet die SPÖ ist, die mit einem Einsatz von Abfangjägern droht.

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