GBH: Klimaschutz schafft auch Arbeitsplätze!

Holper: Beschäftigungseffekt zwei Drittel höher als beim Verkehrswegebau!

Wien (GBH/ÖGB) - Der jüngst veröffentlichte UN-Klimabericht spricht eine deutliche Sprache: Um die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft mildern bzw. vermeiden zu können, müssen umgehend alle nationalen wie internationalen Möglichkeiten des Klimaschutzes ergriffen werden. ++++

Einen wesentlichen Anteil muss hier die thermische Gebäudesanierung und die Ausrichtung von Neubauten auf Energieeffizienz haben. Nicht zu unterschätzender positiver Zusatzeffekt solcher Maßnahmen ist eine sehr hohe Beschäftigungs-wirkung, die auf Grund des Multiplikatoreffektes der Bauwirtschaft nicht nur diese, sondern auch zahlreiche vor- und nachgelagerte Bereiche betrifft.

Zur Erreichung der Klimaziele ist eine Steigerung der thermischen Sanierungsrate auf drei Prozent p.a. (2008 - 2012) und mittelfristig auf fünf Prozent die notwendige Zielsetzung. Dadurch erwartet die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) auch kräftige Beschäftigungsimpulse. GBH-Bundesvorsitzender Johann Holper in der heutigen Sozialpartner-Pressekonferenz zum Thema Klimaschutz: "Es muss aber dafür gesorgt werden, dass Schwarzunternehmer möglichst wenig von diesem Trend mitprofitieren können."

Investitionen in den Wohnbau und gerade in die Sanierung und Modernisierung bringen besonders hohe Beschäftigungseffekte: Die Beschäftigungsintensität ist im Sanierungssektor um etwa ein Drittel höher als im Wohnungsneubau und um zwei Drittel höher als beispielsweise beim Verkehrswegebau.

In Zahlen: 100 Millionen Euro an Wohnbauinvestitionen schaffen bzw. sichern rund 2.000 Arbeitsplätze jährlich (direkte und indirekte Beschäftigungseffekte). Investitionen in die Wärmedämmung bringen noch mehr.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut geht davon aus, dass bei Investitionen von 2,15 Mrd. Euro jährlich netto in die thermische Sanierung etwa 16.000 Arbeitsplätze allein im Baubereich geschaffen bzw. gesichert werden können.

Es gibt auch konkrete Daten, die diesen Beschäftigungseffekt belegen: Gemäß Evaluierungsbericht zur Umweltförderung (BMLFUW, 2005) wurden in den Jahren 2002 bis 2004 durch die geförderten klimarelevanten Investitionen etwa 6.600 Arbeitsplätze (Vollbeschäftigtenäquivalente) geschaffen bzw. gesichert.
In Wien wurden thermische Wohnhaussanierungen in den vergangenen sechs Jahren mit insgesamt 156 Millionen Euro gefördert. Die dadurch ausgelösten durchschnittlichen Sanierungsinvestitionen von 90 Millionen Euro jährlich sichern rund 2.200 Arbeitsplätze im Bau- und Baunebengewerbe.

Holper: "Um das Kyoto-Ziel erreichen zu können, dem Österreich bislang noch nicht näher gekommen ist, muss die thermische Sanierung ebenso wie der klimaeffiziente Neubau in Österreich gezielt gefördert werden. Es wird nicht ausreichen und ist auch nicht sinnvoll, mit Umschichtungen der Wohnbauförderung zu klimarelevanten Maßnahmen das Auslangen finden zu wollen."

Jährlich wird bei rund einem Prozent des Wohnhausbestandes eine Fassadensanierung durchgeführt. Die GBH hat gemeinsam mit der AK und der GPA bereits 2002 aufgezeigt, dass lediglich bei der Hälfte dieser Sanierungen gleichzeitig eine Wärmedämmung aufgebracht wird. Eine Dämmung auch im Rahmen der übrigen ohnedies stattfindenden Sanierungen würde einem zusätzlichen Investitionsvolumen von ca. 75 Millionen Euro pro Jahr entsprechen. Holper: "Um weitere Investitionen in die thermische Gebäudesanierung auszulösen, ist eine zusätzliche Förderung nötig, gerade im Eigenheimbereich, in dem Sanierungs-maßnahmen oft nur deswegen nicht gesetzt werden, weil den Eigentümern schlicht das nötige Kapital fehlt. Gleiches gilt für die Errichtung von Niedrigenergie- und Passivhäusern."

Holper weiter: "Die GBH fordert daher die Bundesregierung auf, rasch neue Akzente zu setzen. Ein wirkungsvolles Maßnahmenpaket muss eine Aufstockung und Zweckwidmung der Wohnbauförderung und der Klimaschutzinvestitionen bringen und sicherstellen, dass diese Mittel nicht zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet werden. Das darf aber nicht bedeuten, dass die Wohnbauförderung ihre Bedeutung für den sozialen Wohnbau verliert. Rund 80 Prozent der Neubauten werden schließlich gefördert errichtet! Es muss zusätzliche Mittel für eine Förderung der klimarelevanten Investitionen im Wohnbau und der Sanierung geben. Zur besseren Umsetzung der Maßnahmen muss auch eine Vereinheitlichung der Bestimmungen der Bauordnungen beitragen. Es gibt in der Klima-Strategie der Bundesregierung gute Ansätze, aber auch die Finanzierung dieser Maßnahmen muss sichergestellt werden."

Investitionen in klimarelevante Maßnahmen sind gerade im Baubereich als Win-Win-Win-Situation zu bezeichnen. Sie schützen unsere Umwelt, schaffen Arbeitsplätze und können helfen, dem Schwarzunternehmertum am Bau Einhalt zu gebieten. Solche Synergien müssen genutzt werden. Holper: "Wenn mit Investitionsanreizen sichergestellt wird, dass `offizielle´ Unternehmen beauftragt werden, sichert dies legale Arbeitsplätze. Im Bereich des Neubaus von Passivhäusern kommt noch ein Faktor dazu: Diese sind von Schwarzunternehmern fast nicht ausführbar, weil für die Bauausführung großes technisches Know-How, hochqualifizierte Planung, Bauausführung und Qualitätskontrolle von Nöten ist. Und dieses Know-How haben nur gut ausgebildete Facharbeiter in legalen Firmen. Damit das so bleibt, muss die Ausbildung freilich auch seitens der Unternehmen forciert und durchgeführt werden, was wiederum auch dem Facharbeitermangel abhelfen wird."

Die GBH unterstützt die im Rahmen der Initiative "baufair" wiederholt aufgezeigten Forderungen zur Bekämpfung des Schwarzunternehmertums und zum Klimaschutz. Holper: "Die Forderungen der Bundesinnung Bau sind, ebenso wie die der GBH, seit Jahren bekannt. Die Maßnahmen müssen wenigstens jetzt, nachdem seitens der vorigen Bundesregierung schon viel Zeit verloren wurde, rasch umgesetzt werden."

Die Forderungen der GBH auf einen Blick:
- Aufstockung und Zweckbindung der Wohnbauförderung, Einsetzen auch für klimarelevante Maßnahmen, ohne den sozialen Wohnbau zu vernachlässigen.
- Schaffung entsprechender Fördermaßnahmen und steuerlicher Anreize für Klimaschutz-Maßnahmen bei Neubauten.
- Steigerung der thermischen Sanierungsrate durch Fördermaßnahmen und steuerliche Anreize, z.B. Reduktion des Mehrwertsteuersatzes für Wärmeschutzmaßnahmen
- Forcierung der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich und Förderung von Betrieben, die klimaeffizient arbeiten bzw. Werkstoffe herstellen, deren Verwendung zum Klimaschutz beitragen (z.B. Dämmziegel).
- Erweiterung der Absetzmöglichkeit von Investitionen zur Wohnraumschaffung und
-sanierung
- Aus- und Weiterbildungsoffensive in der Bauwirtschaft mit Berücksichtigung der neuen Anforderungen durch Passivhaus- und Niedrigenergiehausbau.
- Bei öffentlichen Bauvorhaben klimarelevante Voraussetzungen bereits in die Ausschreibungen aufnehmen, Best- statt Billigstbieterprinzip umsetzen

ÖGB, 10. Mai 2007
Nr. 308

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