Leitartikel von Herbert Geyer: Wettbewerbs-Ranking - Wir sind eh super

Aber ein Blick auf das Kleingedruckte lohnt sich durchaus

Wien (OTS) - Ja - wir sind eh super. Das bestätigt auch wieder einmal der aktuelle World Competitiveness Report, ein Ranking von 55 Staaten der Welt nach ihrer Wettbewerbsfähigkeit (siehe Bericht auf Seite 8): Dort hat sich Österreich seit dem Vorjahr vom 13. auf den elften Platz verbessert, 2005 waren wir gar nur 17. gewesen.

Eh super also. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das Kleingedruckte. Die Stärken unserer Wirtschaft sind ja bekannt: Die Effizienz der Unternehmen - allen voran die der kleinen und mittleren - ist Weltspitze. Dazu kommen stabile politische Rahmenbedingungen, nicht zuletzt dank EU und Euro, die uns ein ordentlichesWettbewerbsrecht, stabile Zinsen und minimale Währungsschwankungen bescheren. Dazu ordentlich ausgebildete Fachkräfte, eine gesunde Umwelt und ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Auch die Schwächen sind nicht neu: Hohe Preise, noch höhere Löhne, hohe Steuern und Sozialabgaben, viel bezahlte Freizeit. Und -entsprechend einer reifen europäischen Volkswirtschaft - nicht wirklich berauschende Wachstumsaussichten.

Damit kann man leben: Dänemark (Fünfter) und Schweden (Neunter) liegen im Wettbewerbsranking noch vor uns, obwohl dort Lebenshaltungs- und Lohnkosten noch höher sind, von Steuern und Sozialversicherungsabgaben ganz zu schweigen. Der Sozialstaat hat eben seinen Preis.

Änderungsbedarf besteht vor allem dort, wo Private die Rahmenbedingungen bestimmen: Die Handygebühren in Österreich zählen zu den höchsten (Rang 51 unter den 55 untersuchten Ländern), und das, obwohl wir weit weniger in die Telekommunikations-Infrastruktur investieren als andere. Und trotz billiger Elektrizität aus Wasserkraft kommen wir auch bei den Strompreisen nicht über Rang 44 hinaus.

Tatsächlich registriert der Report - abgesehen davon, dass die ohnehin schon hohe Einkommensteuer durch die stille Progression nochmals gestiegen ist - vor allem bei den grossen Unternehmen Verschlechterungen gegenüber dem Vorjahr: Die Glaubwürdigkeit der Manager in der Gesellschaft allgemein ist ebenso zurückgegangen wie der Glaube an ihre soziale Verantwortlichkeit und an die Effizienz der Kontrolle durch Aufsichtsräte.

Das erinnert frappant an die gestern veröffentlichte Studie, wonach Österreich in der Umsetzung von Corporate Governance Europas Schlusslicht ist.

Wir sollten solche Ergebnisse ernster nehmen - auch in Hinblick auf unsere Wettbewerbsfähigkeit.

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