ORF-ZB Fiedler zu Angriffen auf den ORF

Wien (OTS) - Die Wünsche und Utopien des "Verbandes österreichischer Privatsender"- angesichts der Eigentümerverhältnisse ist schon der Name ein Etikettenschwindel -, die in den vergangenen Wochen ein wenig Öffentlichkeit gefunden haben, sind ein Sache. Sie sind zurückzuweisen und als unverblümte Versuche zu enttarnen, handfeste wirtschaftliche Interessen auf Kosten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durchzusetzen.

Anders verhält es sich bei öffentlichen Aussagen des früheren Medienstaatssekretärs und jetzigen Mediensprechers einer Regierungspartei - diese sind ernster zu nehmen. Wenn auch das, was Franz Morak jüngst in Richtung ORF geäußert hat, den Eindruck einer irritierend großen Nähe zum oben genannten Verband entstehen lässt. Ausgerechnet der Vertreter jener Partei, die mit dem ORF-Gesetz für eine Entparteipolitisierung des ORF und seiner Gremien sorgen wollte, stellt nun mit seinen öffentlichen Aussagen zu einer möglichen Gebührenerhöhung das wichtigste Aufsichtsorgan des Unternehmens, den Stiftungsrat, gleichsam unter Kuratel.

Dazu und zu weiteren Themen, die Morak angesprochen hat, einige Fakten und Klarstellungen:

Die Forderung des ÖVP-Mediensprechers Franz Morak, den ORF unter die Aufsicht einer staatlichen Medienbehörde zu stellen, missachtet das Anliegen von mehr als 800.000 Österreicherinnen und Österreichern, die sich im ersten Volksbegehren 1964 für einen staatsfreien Rundfunk ausgesprochen haben.

Derzeit sind für das Programm des ORF und seine Finanzierung die unabhängigen Organe der Stiftung, insbesondere der Stiftungsrat, verantwortlich. Der Stiftungsrat mit seinen 35 qualifizierten Mitgliedern ist wesentlich pluralistischer zusammengesetzt als dies eine staatliche Behörde jemals sein kann. Außerdem gehören ihm fünf Belegschaftsvertreter an. Auch dieses Element der Arbeitnehmermitbestimmung will der ehemalige Medienstaatssekretär nunmehr beseitigen.

Wenn Morak "Waffengleichheit" zwischen ORF und Privatsendern fordert, so übersieht er, dass die wettbewerbsrelevanten Privatsender im Ausland ihren Sitz haben und damit dem Zugriff des österreichischen Gesetzgebers zur Gänze entzogen sind. Die verlangte Waffengleichheit würde es eher gebieten, den ORF zu stärken als ihm neue Behörden vorzusetzen. Der Mediensprecher einer österreichischen Partei sollte sich nicht zum Anwalt ausländischer Kapitalinteressen machen.

Als Belegschaftsvertreter und Rundfunkgewerkschafter weise ich aber jedenfalls die verfrühte, wenig konstruktive und allzu pauschale Kritik an der TV-Programmreform zurück, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF in einer beispiellosen Kraftanstrengung und in Rekordzeit umgesetzt wurde. Das komplexe Produkt Fernsehen benötigt bei jeder Innovation und Veränderung eine außerordentliche Anlaufzeit und steht wie kaum ein anderes Medium unter kritischster Beobachtung seines Publikums - und unserer Konkurrenz.

Unser Produkt braucht jetzt Zeit und das Unternehmen Gelegenheit, nach den politischen Diskussionen der jüngsten Vergangenheit und den umfassenden Veränderungen auf allen Unternehmensebenen seine Aufgabe als österreichisches Leitmedium zu erfüllen.

Rückfragen & Kontakt:

ORF-Zentralbetriebsrat
(01) 87878 - DW 12400

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0003