Kapitalmarktbeauftragter Schenz: "Österreichischer Corporate Governance Kodex ist europareif"

Kodex für den österreichischen Kapitalmarkt ist modern, leistungsfähig und international herzeigbar

Wien (OTS) - Im Zusammenhang mit der gestern präsentierten Studie über die Corporate Governance österreichischer börsenotierter Unternehmen betont der Regierungsbeauftragte für den Kapitalmarkt und Vorsitzende des österreichischen Arbeitskreises für Corporate Governance, Richard Schenz, erneut die hohe Qualität des Österreichischen Corporate Governance Kodex.

Schenz: "Mit dem Österreichischen Corporate Governance Kodex in der Fassung Jänner 2006 verfügt der österreichische Kapitalmarkt über ein modernes, leistungsfähiges, international herzeigbares Corporate Governance Regelwerk. Im österreichischen Kodex wurden die EU -Corporate Governance - Empfehlungen über die Vergütung der Direktoren und die Rolle der Aufsichtsräte vorbildlich und fristgerecht umgesetzt."

Eine Erklärung zum Österreichischen Corporate Governance Kodex ist seit August 2004 eine sogenannte Prime Market Folgepflicht. Wie beispielweise bei der Londoner Börse ist damit eine Erklärungspflicht zum Kodex in den Listing Rules der Wiener Börse verankert. Alle Unternehmen, die im Prime Market der Wiener Börse notieren, müssen sich daher mit dem Österreichischen Corporate Kodex auseinandersetzen und eine Erklärung über die Einhaltung oder Nicht-Einhaltung des Kodex im jährlichen Geschäftsbericht abgeben.

Ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden Österreichs in der Studie des Personalberaters Heidrick & Struggles dürften insbesondere auch methodische Schwächen der Studie sein.
Schenz: "Die Untersuchungsmethodik dürfte nach den uns vorliegenden Informationen primär auf das anglo-amerikanische one-tier-board System ausgerichtet sein. Länder mit einem two-tier-board System im Aktienrecht (z.B. Österreich und Deutschland, die Vorstand und Aufsichtsrat trennen) schneiden daher zwangsläufig schlechter ab." Beispiel: Bei dieser Untersuchung wurde etwa eine höhere Punktezahl vergeben, wenn das Board häufiger zusammentritt. Naturgemäß tritt ein monistisches Board öfter zusammen als ein Aufsichtsrat.

Eine weitere Ursache für ein schlechteres Abschneiden in der Studie dürfte die vergleichsweise geringe Entlohnung der Aufsichtsräte in Österreich sein. Je höher ein Aufsichtsrat bezahlt wurde, desto mehr Punkte wurden in dieser Studie verteilt. Auch wenn es stimmt, dass Aufsichtsräte österreichischer Gesellschaften im internationalen Vergleich niedrig entlohnt werden, gibt Kapitalmarktbeauftragter Schenz den Studienverfassern folgendes zu bedenken: "Gerade hohe variable Entlohnungen für Aufsichtsräte (etwa durch stock options) sind im Gegenteil ein Corporate Governace Problem, wenn dadurch ein Interessensgleichlauf mit dem Vorstand erzeugt wird."

Eine weitere Ursache für das schlechte Abschneiden ist wahrscheinlich auch, dass die Erhebung auf Daten aus dem Jahr 2005 basiert, wo der neue Corporate Governance Kodex mit den verschärften Unabhängigkeitsregeln für Aufsichtsrat noch nicht in Geltung war. Schenz: "Hätte man die Geschäftsberichte für das Jahr 2006 zu Grunde gelegt, würde Österreich sicherlich besser abschneiden."

Die Argumentation, dass Österreich schlecht abschneidet, weil die österreichischen Betriebe mit osteuropäischen Ländern enge Geschäftsbeziehungen unterhalten, ist für Schenz nicht nachvollziehbar. Der Österreichische Corporate Governance Kodex ist insbesondere auch deswegen nach internationalen Standards ausgerichtet worden, weil die Mehrzahl der Aktionäre der österreichischen börsenotierten Gesellschaften aus Westeuropa, Großbritannien oder USA stammen.

Abschließend plädiert Schenz dafür, dass die grundsätzlich begrüßenswerten Corporate Governance Studien vermehrt auf der Grundlage der EU-Corporate Governance Standards und der entsprechenden nationalen Corporate Governance Kodizes durchgeführt werden. Ebenso sollte in diesen Studien das Comply or Explain Prinzip besser berücksichtigt werden. Auch jene Unternehmen verhalten sich nämlich kodexkonform, die zwar nicht alle Kodexregeln einhalten, aber mit guten Gründen erklären, warum eine Abweichung erfolgt.

Insgesamt hat sich der Österreichische Corporate Governance Kodex in den vergangenen viereinhalb Jahren als wirksames Instrument zur Förderung des Anlegervertrauens bewährt.

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Dr. Michael Eberhartinger
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