Frauenministerin Doris Bures zum Armutsbericht: "Armut ist weiblich"

Wien (OTS) - "Frauen sind deutlich stärker von Armut bedroht als Männer", so Frauenministerin Doris Bures heute, Mittwoch, im Rahmen einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt über den Armutsbericht aus Frauensicht. Bures präsentierte die typischen Armutsrisiken für Frauen und hob hervor, dass daraus konkrete Handlungsaufträge an die Politik abgeleitet werden müssen.

Die EU-weite Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen im Jahr 2005 hat ergeben, dass im Schnitt 12,2 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher armutsgefährdet sind. Männer liegen mit 11 Prozent unter diesem Durchschnittswert, Frauen mit 13 Prozent darüber. Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen Singlemännern, von denen 14 Prozent armutsgefährdet sind und Singlefrauen, die zu 23 Prozent armutsgefährdet sind. Dies ergibt sich aus der speziellen Lebens- und Einkommenssituation von Frauen, die sich deshalb häufig im untersten Einkommensviertel wieder finden. "So sind beispielsweise 45 Prozent der Alleinerzieherinnen und 47 Prozent der Singlefrauen ohne Pension sowie 43 Prozent der Haushalte mit drei oder mehr Kindern dieser untersten Einkommensgruppe zuzurechnen", so die Bundesministerin.

"Der Armutsbericht zeigt, dass sich die Lebenssituation von Frauen in vielen Bereichen schwieriger gestaltet als jene von Männern", betonte Bures. Typische Armutsrisiken für Frauen wären die von Berufsunterbrechungen gekennzeichneten Erwerbsverläufe, Erwerbslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Weiters hätten Alleinerzieherinnen und Haushalte mit mehr als zwei Kindern ein deutlich höheres Armutsrisiko. "Fast jede dritte Alleinerzieherin ist von Armut bedroht. Knapp die Hälfte der Haushalte von allein erziehenden Frauen können keine Ausgaben über die laufenden Kosten hinaus tätigen", hob Bures hervor.

"Mein Ziel ist es, die weiblichen Armutsrisiken zu minimieren und die dafür notwendigen Maßnahmen so rasch wie möglich zu setzen. Es geht darum, die Erwerbschancen von Frauen zu erhöhen, ihre Einkommenssituation und Karrierechancen zu verbessern und die notwendigen Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sicherstellen. Unser Ziel muss es sein, Armut in Österreich nicht nur zu bekämpfen, sondern auch zu verhindern", betonte die Frauenministerin. Die Bundesregierung habe bereits erste wichtige Schritte gesetzt, wie die Anhebung der Mindestpension oder die Mehrarbeitszuschläge für Teilzeitbeschäftigte. Der Mindestlohn von 1.000 Euro sei eine weitere zentrale Maßnahme. Bures hofft auf eine Einigung auf den Mindestlohn noch vor dem Sommer. Auch von der Umsetzung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung würden Frauen profitieren.

Dieses Maßnahmenpaket müsste von Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie flankiert werden: "Wir brauchen ein flexibles Kindergeld, eine ausreichende Zahl an Kinderbetreuungsplätzen und Zuschläge für Mehrkinderfamilien. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Anliegen von Frauen in allen Politikbereichen berücksichtig werden", so die Frauenministerin abschließend.

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