Demokratisierung in der Stadtplanung als eines der Rezepte gegen Flucht ins Umland

: ÖVP Wien veranstaltete "Wien kontrovers" zum Thema "Leben und Wohnen findet INNENSTADT" - Stadtrat Walter: "Großprojekt der Kleinprojekte wagen"

Wien (OTS) - "Wien braucht ein qualitatives Stadtentwicklungsprogramm. Wohnen in der Innenstadt kann funktionieren, wenn bei der Nachfrage nach Wohnraum die Qualität stimmt. Heute wird in Wien vielfach dogmatische, quantitative Stadtentwicklungspolitik betrieben. Eine Demokratisierung in der Stadtplanung ist daher ein Gebot der Stunde. Denn je mehr die Stadtentwicklung auf die Menschen zugeht, desto mehr trifft sie die qualitativen Wünsche und Bedürfnisse und desto mehr können dauerhafte urbane Qualitäten entstehen." Das sagte der Wohnbausprecher der ÖVP Wien, Stadtrat Norbert Walter, bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Leben und Wohnen findet INNENSTADT" aus der Reihe "Wien kontrovers". Eine Expertenrunde - unter anderem Hasso Brühl vom Deutschen Institut für Urbanistik und der Architekt Markus Spiegelfeld - diskutierten dabei die Zukunft des Wohnens im innerstädtischen Bereich.
Einigkeit herrschte darüber, dass es zu einer Renaissance des Wohnens in der Innenstadt kommen wird. Brühl zeigte anhand mehrerer Beispiele in Deutschland, dass es diesen Trend dort bereits gibt, etwa in der Hafencity in Hamburg. "Der Imagewandel der Innenstadt zur Wohnstadt ist bei uns seit kurzem im Gange. Wir bemerken steigendes Interesse am Wohnen in der Innenstadt." Seinen Untersuchungen zufolge ist es vor allem die gehobene Mittelschicht, die in innenstadtnahe Bereiche zieht: "Wer heute in die Innenstadt zieht, gehört zu den Gewinnern der Gesellschaft. Und die Innenstadt wird auch von jungen Familien angenommen." Kritischer Nachsatz: "Wenn sie genügend Wohnraum finden." Und genau dort setzte auch die Kritik der Diskutanten an. Spiegelfeld: "Wien ist zwar relativ gut verwaltet, den neuen Herausforderungen mit den derzeitigen Methoden der Stadtplanung und -entwicklung aber nicht gewachsen." Er forderte ein komplettes Umdenken in Politik und Verwaltung. "Wir müssen Bürokratie abbauen, Eigeninitiativen fördern, müssen zulassen und nicht verordnen und müssen vor allem die Bürger in Entscheidungsprozesse einbeziehen."

Negativbeispiel Rothneusiedl

Als eines der jüngsten Negativbeispiele der Wiener Stadtplanung nannte Spiegelfeld das Projekt Rothneusiedl. "Ein Stadtentwicklungsprojekt in Abhängigkeit von einem Sponsorvertrag für einen Fußballverein zu realisieren, ist weder sinnvoll noch nachhaltig." Ebenso ließe sich die Frage nach der Nachhaltigkeit beim Flugfeld Aspern stellen. Einerseits plane die Stadt immer mehr Projekte auf der grünen Wiese, auf der anderen Seite verschärfe sie etwa die Bestimmungen zu Dachausbauten im innerstädtischen Bereich immer mehr und lasse daher Potenziale zum Wohnen in der Innenstadt ungenützt.
Stadtrat Walter betonte, dass es nicht Ziel sein könne, den Menschen vorzuschreiben, wo sie zu wohnen haben. "In einer freien Stadt müssen die Menschen frei entscheiden können, wohin sie ziehen. Diese Entscheidung muss man ihnen aber ermöglichen. Und das geht nur, wenn auch innerstädtische Stadtentwicklung betrieben wird - auch wenn man sich klarerweise mit Mega-Projekten medial spektakulärer in Szene setzen kann." Seine Forderungen an die Stadtentwicklung: "Die Stadt muss das Großprojekt der Kleinprojekte wagen. So ist die Revitalisierung der innerstädtischen Kernzonen - im Volksmund Grätzel - dringend anzugehen, um die Wohnqualität der dort lebenden Menschen zu verbessern. Die Umgebung des Wohnens muss aufgewertet werden, Dach- und Hofbegrünungen als Aufwertung der Lebensqualität müssen stärker gefördert werden. Die Angebote für Kinder müssen um ein Vielfaches gesteigert werden. Spezielles Augenmerk ist auf die Sicherheitsbedürfnisse von Kindern und Familien mit Kindern zu legen. Und wir brauchen in der Stadt Inseln der sozialen Nähe und Ruhe." Mit einem klaren und einstimmigen Bekenntnis zu qualitätsorientierter Stadtentwicklung ging auch die Publikumsdiskussion zu Ende.

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