Stadterneuerung: Immobilienwirtschaft fordert verpflichtende Einbindung bei Widmungsprozessen

Branchensprecher Malloth: Funktionen der Stadt wie Markt, Ausbildung etc. wieder in die Stadt bringen - Entwickler Schörghuber: "Sanierung ist nicht Stadterneuerung"

Wien (PWK347) - "Die grüne Wiese ist nicht das Allheilmittel.
Zudem haben wir davon auch zu wenig", formulierte heute, Montag, Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), vor Pressevertretern bei einem Pressegespräch zum Thema "Was tun gegen ‚tote Hose’ in den Innenstädten? - Für eine nachhaltige Stadterneuerung".

Der Branchensprecher der heimischen Immobilienwirtschaft sprach sich gegen das "Durchdrücken" von Einzelinteressen aus, vielmehr müsse das auch und vor allem gesellschaftspolitisch wichtige Thema auf eine übergeordnete Ebene gehoben werden. Um die Entscheidungsbasis zu verbreitern und den engen Blickwinkel einzelner hintanzuhalten, plädierte er konkret für die verpflichtende Einbeziehung von Immobilientreuhändern in den Widmungsprozess von Grundstücken. Das sei derzeit nicht der Fall, aber dringend vorzusehen: "Die Immobilientreuhänder quasi als Drehscheibe und Vermittler zwischen den Interessen von Eigentümern und Gemeinden -und diese Interessen unterscheiden sich im Prinzip nicht so sehr:
beide wollen eine belebte Innenstadt, wenn auch teils aus unterschiedlichen Motiven", präzisiert er. Darüber hinaus regt Malloth die Schaffung funktionierender sogenannnte Quartiersmanagement-/Stadtteilmanagement-Strukturen seitens der Kommunen ein.

"Mit Werbe- und Marketingmaßnahmen, die oftmals etwas vorspiegeln, was nicht vorhanden ist, sei es nicht getan. Falsch sei auch der Glaube, dass neue Raumordnungsbestimmungen die Investitionen in die Innenstädte treibe. Die 140 Städte Österreichs sind ja schon an jeder Ausfallstraße mit den Fachmarktzentren und Einkaufszentren umzingelt. Diese Marktformen setzen alles daran, am schon bestehenden Standort weiterhin ungebremst zu wachsen. Unterbunden würden durch die Regelungen überwiegend nur neue Projekte", so Karl Schörghuber, Nestor in Sachen Stadtentwicklung und Stadtmarketing in Österreich. "Es gibt immer mehr Nebenlagen und immer weniger Hauptlagen mit mindestens 30.000 Wochenfrequenz, was eine wichtige Kennzahl ist." "Notwendig sind die Schaffung permanent anziehender Frequenzmagneten und das Drehen an der Angebotssubstanz in Richtung Einzigartigkeit des Rahmens", fasste er Erfahrungen aus seiner Praxis zusammen. Vor Kurzem hat er sein jüngstes Buch "Stadterneuerung - Sex in die City statt tote Hose" vorgelegt. Weiters regte er u.a. den Wetterschutz, die Überdachung von Straßen und Plätzen, die Schaffung vor allem von Dauerparkplätzen in den Innenstädten (damit die Kurzparkplätze nicht zu stark zweckwidrig beansprucht werden) an und gab zu bedenken:
"Die Stadt ist weiblich: Frequenzerhebungen zeigen, dass zwei Drittel der Frequenzbringer Frauen sind."

Stadterneuerung werde oft mit Fassadenfärbelung, Substandardsanierung und Ensemblebildung nach alten Vorbildern sowie Erhalten und Bewerben teils überkommener Angebotsstrukturen alter Geschäfte und Wirtshäuser verwechselt. Mit der technischen Sanierung baufälliger Häuser komme noch lange kein neues Leben in die rund 140 Innenstädte der Stadtgemeinden in Österreich. Wo nicht von Anfang an eine Konzeption für ein wirtschaftliches "Beleben" für das Stadtviertel mitgeplant wurde, da sinkt die Attraktivität für den Besucher. Als sichtbares Zeichen nimmt die Fußgängerfrequenz jährlich ab. Zuerst sinken in einer solchen Geschäftsstrasse die Mieten, und zwar sowohl die Geschäftsmieten als auch die Büro- und Praxenmieten. "Diese Entwicklung macht aber auch vor Wohnungspreisen nicht halt", hielt Immobilienwirtschafts-Branchensprecher Malloth fest.

Dabei macht Stadtentwickler Schörghuber enorme wirtschaftliche Investitionspotentiale gerade in den Innenstädten aus: "Auf die rund 140 Stadtgemeinden in Österreich hochgerechnet, liegen Investitionspotentiale von 7 bis 10 Milliarden Euro brach. Umgelegt auf den zu erwartenden Beschäftigtenimpuls im Bau- und Baunebengewerbe entspricht das für die Bauphase etwa 30.000 Arbeitsplätzen für die ersten drei Jahre und dann das Schaffen weiterer geschätzter 50.000 Arbeitsplätze im breiten Dienstleistungsbereich für die City."

"Und genau in diesem Punkt können wir Immobilientreuhänder mit unserem Know-How unterstützend tätig sein", unterstrich Fachverbandsobmann Malloth. "Wir müssen den Verantwortlichen klar machen, dass wir nicht nur Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage, sondern Berater im wahrsten Sinn des Wortes sind und enormes Fachwissen haben." Dieser Aufgabe werde sich der Fachverband der Immobilientreuhänder in Zukunft noch stärker widmen. (JR)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder
Tel.: 01/522 25 92
Fax: 01/522 25 93
E-Mail: office@wkimmo.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0007