"profil": Russischer Energiemonopolist Gazprom will Geschäft in Österreich ausbauen

Vizepräsident Alexander Medvedev im Exklusiv-Interview: "Können auch neuen Kunden Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten" - "Haben Gas nie als politische Waffe eingesetzt"

Wien (OTS) - In einem Exklusiv-Interview in der Montag
erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" gibt Alexander Medvedev, Vizepräsident und Exportchef des russischen Staatskonzerns Gazprom, deutliches Interesse an einem verstärkten Engagement in Österreich zu erkennen - besonders beim Direktverkauf von Gas an Endkunden.

Derzeit beliefert Gazprom bereits Energieversorger in Kärnten, Steiermark und Salzburg. "Das Geschäft läuft sehr gut, niemand beschwert sich", so Medvedev gegenüber "profil": "Und wenn der Bedarf in Österreich steigt, können wir auch neuen Kunden Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten."

Gazprom selbst sieht Medvedev in den nächsten sieben bis zehn Jahren als größtes Unternehmen der Welt. Ein Börsewert von tausend Milliarden Dollar sei dabei nur die Untergrenze: "Derzeit liegt der Börsenwert von Gazprom bei rund 240 Milliarden Dollar. Wenn wir unsere Reserven betrachten und als Vergleich Exxon heranziehen, müsste dieser zehnmal so hoch sein wie heute. Wir reden also von fast 2,5 Billionen Dollar. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, die nette Zahl von einer Billion sollten wir durch mehr Effizienz und Produktivität aber binnen zehn Jahren erreichen", so der Gazprom-Vize.

Kritik von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der Anfang März vor dem Ausverkauf europäischer Energienetze und dabei ausdrücklich vor Gazprom gewarnt hat, weist Medvedev im "profil"-Interview zurück:
"Wenn wir nicht in die Transportsysteme investieren würden, könnten wir den Kunden unsere Produkte ja nicht liefern. Und wer wäre imstande, Erdgas nicht nur zu produzieren, sondern auch termingerecht und den Erfordernissen verschiedenster Kunden entsprechend bereitzustellen?"

Eine einseitige Abhängigkeit Europas von russischem Gas sieht Medvedev nicht: "Wir sind genauso abhängig von den Exporterlösen, die zwei Drittel unserer Einkünfte ausmachen, wie umgekehrt unsere Kunden von den Lieferungen." Auch den Einsatz der Energielieferungen als politisches Druckmittel durch Russland will Medvedev nicht erkennen:
"Wir haben Gas nie als politische Waffe verwendet. Erinnern Sie sich doch an die orange Revolution in der Ukraine: Das wäre möglicherweise der perfekte Zeitpunkt gewesen, sich dieses Druckmittels zu bedienen. Aber wir haben unsere Lieferungen damals in voller Übereinstimmung mit den Verträgen fortgesetzt."

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